Der "Gesunde Dialog" ist eine Frage der Haltung.

Wenn Unternehmen wachsen, werden sie oft als unpersönlich empfunden. Entscheidungen treffen auf Unverständnis – bei Medien genauso wie in der Öffentlichkeit oder den Mitarbeitern. Ein offener Austausch kann Verständnis auf beiden Seiten erzeugen.

von Francesco De Meo, Vorsitzender HELIOS Geschäftsführung

In einem bewerten fast alle Mitarbeiter ihre Unternehmen schlecht: bei der Kommunikation. Was macht Kommunikation so schwer? Jeder kennt die Antwort.

Der Sender einer Botschaft möchte etwas mitteilen. Er hat ein klares Bild davon, was er meint. Der Empfänger versteht das Gesendete oft aber ganz anders. Er hat ein Bild, das den Inhalt der Mitteilung anders einfärbt, er mag die Botschaft nicht, er traut dem Ganzen nicht, versteht in seinem Kontext alles völlig anders. Hinzu kommt: Dieselben Worte bedeuten für beide nicht stets dasselbe. All das erschwert Kommunikation – intern wie extern und gerade bei großen Unternehmen, die wie HELIOS schnell gewachsen sind und nun als beängstigend unpersönlich empfunden werden – als „Konzern“ eben. Im Kontext der RHÖN-Transaktion erlebten wir eine aggressive Nuance: Medial ausgeschlachtet wurde diese Transaktion zur Projektionsfläche für Ängste und zur Plattform für Interessenkämpfe im Gesundheitswesen. Da sind Missverständnisse vorprogrammiert.

Eine weitere Facette dann im dritten Quartal 2013: Einige Kliniken vermeldeten weniger Patienten als für 2013 geplant, ohne konkrete Vorschläge wie man vor Ort damit umgehen wollte. Der daraufhin entwickelte Aktionsplan, in dem Ideen aus den Kliniken gesammelt wurden für eine kurzfristige Anpassung der Kosten an geringere Erlöse, wurde als „Anweisung“ aus Berlin interpretiert. In den Kliniken wurde mit den Mitarbeitern weder hinreichend deutlich über den sachlichen Anlass diskutiert, noch über die Zielsetzung des Aktionsplans gesprochen. Viele scheuten den schmerzhaften Dialog und ließen dem – sich aufdrängenden – Sprachzug „Sparprogramm wegen RHÖN“ Freiraum. Einige Interessengruppen nutzten diesen fehlenden Dialog für eigene mediale Botschaften nach intern wie extern.

„Wie kann so etwas passieren?“, haben wir uns gefragt. Und vor allem: „Wie können wir das besser machen?“ Es gab Gespräche, Erfahrungsberichte, Analysen und einen Austausch mit allen Berufsgruppen. Am Ende war klar: Da hilft kein Kommunikationskonzept, sondern es geht um eine Frage der Haltung. Was wir meinen, haben wir „Gesunder Dialog“ getauft.

Wir sprechen vom Dialog, weil Kommunikation nicht als bloße Mitteilung erfolgen darf. Sie muss – und soll – künftig wieder stärker als ein Dialog verstanden und gelebt werden. Als ernsthaftes Zuhören, damit beide Seiten sich verstehen können. Als deutliche Aussprache, damit beide Seiten ihre Sicht artikulieren und justieren können. Das wird nicht dazu führen, dass sich alle einig sein werden. Aber es kann dazu führen, dass wieder mehr Verständnis für die jeweils andere Sicht entstehen wird. Am Ende macht genau das einen fairen Umgang miteinander auch bei Konflikten möglich.

Keine einfache Aufgabe. Sie setzt voraus, dass man Sachfragen von Emotionen trennt. So gut das eben geht. „Gesund“ ist der Dialog, wenn auch bei emotional strittigen Themen miteinander gesprochen wird. Der Gesunde Dialog beschreibt also eine Haltung. Er soll uns dabei helfen, Entscheidungen vor deren Initiierung noch stärker auf deren Folgen zu hinterfragen, sie im weiteren Verlauf zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen.

Aber Achtung! Gesunder Dialog bedeutet nicht, dass wir Entscheidungen stets vom Beifall oder der Akzeptanz aller abhängig machen. Es wird weiterhin kontroverse Sichtweisen geben. Aber allein schon dies zu verstehen und zu respektieren, wäre ein Fortschritt. Denn es würde dann miteinander über Kontroverses, statt übereinander Schlechtes gesprochen. Eine Basis wäre das, um wieder das Verständnis füreinander zu stärken, und mehr an den Sachthemen zu arbeiten, die uns in den Kliniken belasten. Am Ende könnten wir auch über Gutes, vielleicht sogar gut übereinander reden.

Mitreden erwünscht.

» Ein Dialog wird nicht dazu führen, dass sich alle einig sein werden. Aber er kann dazu führen, dass wieder mehr Verständnis für die jeweils andere Sicht entstehen wird. »

Francesco De Meo



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