Im Kampf gegen den Schmerz neue Gewohnheiten und Entspannung erlernen

Eine der häufigsten Schmerzregionen: Rund 20 Prozent der Deutschen leiden an chronischen Rückenschmerzen, die länger als drei Monate anhalten, so das Statistische Bundesamt.

Etwa jeder fünfte Deutsche leidet unter chronischen Schmerzen. „Sie können jeden treffen“, sagt Dirk Zwinkmann, Oberarzt in der Schmerzklinik des HELIOS Klinikums Salzgitter. Wer gegen zermürbende Schmerzen kämpft, lernt in einer Schmerzklinik wie in Salzgitter Entspannung und neue Gewohnheiten als starke Verbündet kennen.

Auch wenn es für den Betroffenen nur schwer zu akzeptieren ist - Schmerzen haben eigentlich einen Sinn und Zweck: Sie zeigen unserem Körper Überlastungen an. Oder Beschädigungen des Körpers, etwa nach einer Operation oder bei einem gebrochenen Bein. „Dann ist es normal, wenn´s weh tut“, sagt Zwinkmann. „Unser Körper warnt uns, dass etwas nicht in Ordnung ist.“

Im Gegensatz dazu haben chronische Schmerzen meist keine Warnfunktion. Beispiel Wirbelsäule: Manche Menschen können sogar Verkrümmungen gut wegstecken. Sie haben starke Muskeln, die die Wirbelsäule stützen und Schmerzen vorbeugen. Bei anderen können feine Nervenzellen  in die Bandscheiben hineinwachsen. Wenn dann alltägliche Bewegungen der gesunden Wirbelsäule auf die Bandscheiben übertragen werden, löst das Schmerzsignale aus. Zwinkmann: „In diesem Fall macht der Schmerz für den Körper aber keinen Sinn. Bandscheiben sind dazu da, Bewegungen abzufedern wie ein Stoßdämpfer beim Auto.“

Chronische Schmerzen können vielerlei nichtorganische Ursachen haben: Stress am Arbeitsplatz, familiäre Konflikte und Überlastungen, finanzielle Schwierigkeiten, ständige Anspannung. Sie können Menschen  sogar dann entwickeln, wenn sie in der Partnerschaft dadurch mehr Rücksicht oder Aufmerksamkeit vom anderen bekommen.

Letzte Hoffnung Schmerzklinik

Oft  sind Betroffene in einer fatalen Abwärtsspirale: Chronische Schmerzen können depressiv machen, weil diese Patienten oft keine Lebensqualität mehr sehen und keine Möglichkeit, trotz ihrer Qual etwas Schönes zu erleben. Umgekehrt entwickeln auch depressive Menschen oft körperliche Schmerzen. „Damit artikuliert die Seele, dass ihr etwas weh tut“, so Zwinkmann.

Wer in eine Schmerzklinik kommt, hat meist einen langen Leidensweg hinter sich. Als „chronisch“ gilt ein Schmerz dann, wenn er mindestens sechs Monate besteht. In der Klinik sind die Erwartungen an Ärzte und Therapeuten in der Regel groß. Zwölf Tage haben Ärzte und Patienten Zeit, Veränderungen anzustoßen. So lange dauert der gemeinsame stationäre Aufenthalt einer Gruppe. Zu jeweils acht Personen nehmen die Patienten überwiegend gemeinsam an Gruppentherapien teil. „Der gesamte Aufenthalt wird unter Alltagsbedingungen durchgeführt, so dass möglichst keine Krankenhaus-Atmosphäre entsteht“, erläutert Zwinkmann.

In der Schmerzklinik lernen die Patienten, sich auf Dinge außerhalb ihrer Schmerzen zu konzentrieren. „Hier setzen wir auf Bewegungstherapien wie die Physiotherapie, Tanztherapie, Yoga in der Gruppe. Auch die Kunsttherapie soll auf eine völlig andere Beschäftigung fokussieren, die ohne große körperliche Anstrengung durchgeführt werden kann“, berichtet der Arzt. Ergotherapeuten geben Hilfestellungen, wie die Patienten Alltagsaufgaben erledigen können, auch wenn sie unter körperlichen Einschränkungen leiden.

Die Mitarbeit des Patienten ist entscheidend

„Die Therapie funktioniert nur dann, wenn die Patienten bereit sind, Gewohnheiten zu ändern“, betont der Oberarzt: „Wenn Bewegungen Schmerzen verursachen, ist es normal, dass man diese Bewegung lieber vermeidet. Aber Muskeln lockern sich nur dann, wenn man sie bewegt, sie dehnt, wärmt und letztlich besser durchblutet. Diese Kette gilt es in Gang zu setzen. Im positiven Fall erkennen die Patienten nach und nach, dass es für sie möglich ist, schmerzfreie Bewegungen auszuführen.“

Manche Patienten müssen regelrecht lernen, sich wieder zu freuen. „Schmerzen sind etwas Negatives. Wenn  man ausschließlich an sie denkt, ist man nicht mehr bereit, Schönes zu empfinden.“ Es gab zum Beispiel Patienten, die ihren Garten aufgrund körperlicher Schmerzen nicht mehr pflegen konnten. Zwinkmann: „Ihnen kann es helfen, anderen kreativen Hobbies nachzugehen.“ Das wiederum bringe sie dazu, neue Möglichkeiten des positiven Denkens wahrzunehmen und nicht mehr nur an den Schmerz zu denken.

Richtige Anwendung von Schmerzmitteln

Oft ist es für Schmerzpatienten verlockender, eine Tablette zu schlucken, als gelernte Veränderungen umzusetzen. Und ganz ohne Medikamente kommt die Salzgitteraner Schmerzklinik nicht aus. Jedoch: klassische Schmerzmittel sind für den akuten Fall gedacht, sie haben bei längerer Anwendung Nebenwirkungen. Einige Patienten können nach der Therapie sogar komplett auf Medikamente verzichten, weil sie  grundlegend ihr Verhalten ändern. Zwinkmanns Faustformel: „Je festgefahrener die Situation ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Patienten ganz auf Medikamente verzichten können.“

Drei Fragen an Dirk Zwinkmann

Oberarzt in der Schmerzklinik des HELIOS Klinikums Salzgitter

Wie häufig kommen chronische Schmerzen vor?

Von den chronischen Schmerzen sind Rückenschmerzen am besten erforscht. 80 Prozent der Menschen in Deutschland haben mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland 12 bis 15 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen leiden. Manche Menschen sind anfälliger, leider ist es noch nicht sicher vorhersehbar, wer dafür zugänglich ist. Erwischen kann es uns alle.

Was sind die Ursachen?

Chronische Schmerzen können viele Ursachen haben: Stress am Arbeitsplatz, familiäre Konflikte, Überlastungen, finanzielle Schwierigkeiten, ständige Anspannung, Entzündungen, Rheuma und Krebs. Echte chronische Schmerzen können Menschen zudem als Problemlösungsstrategie entwickeln, wenn sie in der Partnerschaft dadurch Rücksicht bekommen oder auch, um Wünsche des Partners nicht erfüllen zu müssen.

Was kann man dagegen tun?

Manche Patienten müssen regelrecht lernen, sich wieder zu freuen.  Denn Schmerzen sind etwas Negatives. Wenn  man nur noch an seine Schmerzen denkt, ist man nicht mehr dazu in der Lage, Schönes zu empfinden. Die Therapie in einer Schmerzklinik funktioniert nur, wenn die Patienten bereit sind, Gewohnheiten zu ändern.

Ihr Ansprechpartner:

Ulrike Grönefeld
HELIOS Kliniken
Region Niedersachsen
Regionalleiterin Unternehmenskommunikation

ulrike.groenefeld@helios-kliniken.de

Tel.: +49 5121 894 - 1270

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