Schlaf, Kindlein, schlaf ein - Wenn Kinder keine Ruhe finden

Wach in der Nacht – erschöpft am Tag: Wer schon im Kindesalter an einer Schlafstörung leidet, läuft Gefahr, dass dies auch im Erwachsenenalter so bleibt.

Rund ein Drittel aller Kinder in Deutschland leidet unter Schlafstörungen. Psychische und physische Ursachen können schon in jungen Jahren zu chronischem Schlafmangel und langfristig sogar zu Entwicklungsstörungen führen. Dabei gibt es gute Therapiemöglichkeiten - vorausgesetzt, Ausprägung und Gründe einer Schlafstörung werden richtig erkannt. Denn wer schon als Kind nicht ausreichend schläft, läuft Gefahr, dies auch im Erwachsenenalter beizubehalten. Im Kinder-Schlaflabor gehen Mediziner dem Problem mit Hilfe feinster Messgeräte auf den Grund. Eltern finden so oft eine Antwort auf die Frage, warum ihr Kind tagsüber unkonzentriert, zappelig - oder auffallend müde ist.

Nimmt man es ganz genau, schläft unser Körper eigentlich nie – er legt eher eine Art Boxenstopp ein: Während wir entspannt träumen, teilen sich unsere Körperzellen bis zu zehnmal schneller als am Tag, Leber und Niere entgiften, unser Gehirn verarbeitet Erlebnisse und spült Schadstoffe wie etwa das „Alzheimer-Eiweiß“ Beta-Amyloid aus. Das allein zeigt, wie wichtig unsere nächtlichen Ruhephasen sind. Für Kinder gilt das in besonderem Maße, denn auch viele Wachstumsprozesse wickelt der Körper nachts ab. Sie reagieren besonders empfindlich auf mangelnden Schlaf. Die Folgen anstrengender Nächte können sich bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen deutlich unterscheiden: Kinder werden bei Schlafmangel im Alltag zunächst oft unruhig, zappelig und unkonzentriert. Eltern vermuten dann schnell eine Aufmerksamkeitsstörung. Erst nach einiger Zeit zeigen Kinder eine Art Tagesmüdigkeit und zeitgleich einen Leistungsabfall, etwa in der Schule. Was aber kann die Ruhe der Kleinen stören und wie lässt sich dies herausfinden und therapieren?

Zentrale Atemapnoe

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen von Schlafstörungen, die in unterschiedlichen Lebensphasen der Kinder auftreten können. Bei Früh- und Neugeborenen spielen fast immer körperliche Ursachen wie unzureichend ausgebildete Atemwege oder eine noch unreife Atemsteuerung im Gehirn eine Rolle. Entstehen kann so eine sogenannte zentrale Atemapnoe - nächtliche Atemaussetzer, die zehn Sekunden und länger dauern können. „Die mangelnde Luftzufuhr senkt den Sauerstoffgehalt im Blut kurzfristig massiv ab, der Körper reagiert mit einem starken ‚Atemreiz‘ und das Baby schnappt nach Luft“, erläutert Dr. Metin Degirmenci, leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin am HELIOS Klinikum Duisburg. „Das Kind findet so keinen erholsamen  Schlaf, weil dieser immer wieder kurzzeitig unterbrochen wird. Die Folge können später unterschiedlich ausgeprägte Entwicklungsstörungen,  Konzentrationsschwierigkeiten oder motorische Defizite sein.“ In den meisten Fällen wächst sich das Phänomen im Verlauf weniger Monate aus. „Eltern sollten ihre Kleinen ab und zu beim Schlafen beobachten und auf die Atemfrequenz achten“, rät der Pädiater. Ein sogenanntes Heim-Monitoring über Elektroden am Brustkorb der Babys kann helfen, den Schlaf engmaschig zu überwachen. Gering dosierte, atemstimulierende Medikamente unterstützen die kleinen Patienten bei Bedarf zusätzlich.

Obstruktive Schlafapnoe

Mit zunehmendem Alter verändern sich bei Kindern Art und Ausprägung von Schlafstörungen. Kinder ab etwa zwei Jahren leiden oft unter einer weiteren Variante der Schlafapnoe,  der obstruktiven Schlafapnoe. Die Symptome sind ähnlich, aber die Ursachen liegen hier aber eher bei kleineren Übeltätern: Vergrößerte Mandeln oder Polypen in Rachen und Nase verengen die Atemwege oder ein zu kleiner Kiefer erschwert das Luftholen. Allergien und Übergewicht haben phasenweise denselben Effekt. Oft schnarchen die Kinder zusätzlich. „Durch die Atemaussetzer und die erschwerte Atmung finden sie nicht in den erholsamen Tiefschlaf, sondern sind fast durchgängig kurz vor dem Wachzustand“, so Kinderarzt Degirmenci.

Seelischer Stress

Eine weitere Form der Schlafstörung gründet auf seelischem Stress. Ärger in der Schule, Mobbing, Leistungsdruck oder starke Ängste erschweren das Ein- oder Durchschlafen in fast jeder Nacht. „Hier ist die Diagnostik oft sehr viel schwieriger“, so Dr. Degirmenci. „In manchen Fällen kann es helfen, einen Kinderpsychotherapeuten hinzuzuziehen, der sich gemeinsam mit den Eltern auf Ursachenforschung begibt und Techniken entwickelt, die dem Kind helfen, wieder zur Ruhe zu kommen.“

Ursachenforschung im Schlaflabor

Betroffene Kinder werden im Schlaflabor am HELIOS Klinikum Duisburg mit Hilfe speziell angepasster Geräte untersucht. Während die kleinen Patienten dort mit Elektroden verkabelt träumen, zeichnen hochsensible Messinstrumente die nächtlichen Hirn- und Muskelaktivitäten, Augenbewegungen, Atmung, Herzfrequenz und Beinbewegungen sowie mögliches Schnarchen auf. Die Auswertung dieser sogenannten Polysomnographie verrät den Ärzten oft schon nach einer Nacht die möglichen Gründe für die Schlafstörungen. Oberarzt Degirmenci weiß um die besondere Situation: „Für unsere oft sehr jungen Patienten ist die Nacht im Schlaflabor natürlich ungewohnt. Deshalb schaffen wir gemeinsam mit den Eltern eine möglichst stressfreie Atmosphäre und erklären ihnen ausführlich, was dort passiert.“ Viel Platz, warmes, gedimmtes Licht und die eigenen Kuscheltiere helfen beim Einschlafen. Auch gibt es für die Eltern die Möglichkeit, bei ihren Kindern im Schlaflabor zu übernachten.

Therapien

Bei physischen Ursachen kann ein kleiner Eingriff an Mandeln oder Polypen die Probleme in manchen Fällen beheben. Nützt das nichts, können Medikamente oder sogar eine Heimbeatmung zum Einsatz kommen. Dabei trägt das Kind im eigenen Bett eine angepasste Maske, die mit einem speziellen Gerät verbunden ist, dass die Atmung unterstützt.

Sechs Tipps für einen besseren Kinderschlaf

  • Einschlafrituale: Lesen Sie Ihrem Kind etwas vor, kuscheln Sie gemeinsam oder lassen Sie es leise Musik hören. Rituale haben oft eine beruhigende Wirkung und läuten für die Kinder die Ruhephase und den Abschluss des Tages ein. Das hilft ihnen, einen festen Schlafrhythmus zu entwickeln. Das Ritual sollte aber eine halbe Stunde nicht überschreiten.
  • Einschlafsituation: Computer, Handy oder Fernseher sind im Bett tabu! Das Zimmer sollte Ruhe ausstrahlen, zudem lärmgeschützt und dunkel sein. Eine Raumtemperatur von 19 Grad Celsius ist optimal.
  • Bewegung macht müde: Ihr Kind sollte sich tagsüber ausreichend bewegen, am besten an der frischen Luft. So kann es besser einschlafen und tiefer träumen.
  • Achten Sie auf regelmäßige Essenszeiten und kein zu spätes Abendbrot kurz vor dem Schlafengehen.
  • Wachmacher vermeiden: Achten Sie darauf, dass Ihr Kind vorm Einschlafen keine sogenannten aktivierenden Getränke wie Cola, Energy-Drinks oder Kaffee zu sich nimmt.
  • Für ein gutes Schlafgefühl: Minimale Helligkeit durch ein Nachtlicht kann helfen, Unwohlsein oder Ängste zu lindern.

Ihre Ansprechpartnerin:

Kathrin Unterberg
Pressesprecherin
HELIOS Klinikum Duisburg
Telefon: +49 203 546 - 2229
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Dr. Metin Degirmenci
leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin
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