„Schön muss er/sie sein!“ In wen verlieben wir uns?

Am 14. Februar ist Valentinstag, Tag der Liebenden. In was verlieben wir uns eigentlich? Welche Rolle spielt die Schönheit eines Menschen? Was genau ist Schönheit? Und kann man sie operativ „herstellen“? Das erklärt Privatdozent Dr. med. Gregor M. Bran, Leiter des Zentrums für plastische, ästhetische und rekonstruktive Kopf- und Halschirurgie an den HSK, Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden.

„Das Äußere ist gar nicht so wichtig, die Chemie muss stimmen“ – das sagen Liebespaare oft. Aber ist das wirklich so? „Die Fähigkeit, Schönheit zu erkennen, gehört zu den menschlichen Selektionsmechanismen. Ob wir jemanden schön finden, entscheidet unser Unterbewusstsein in Bruchteilen einer Sekunde. Dafür benutzen wir mehrere Schönheits-Parameter, die alters-, sozial- und kultur-unabhängig sind“, sagt Bran.

Wie es uns gefällt: Durchschnitt, Symmetrie und Goldener Schnitt

Der so genannte „Goldene Schnitt“ ist ein Ideal der ästhetischen Proportionierung: Er beschreibt das Verhältnis von Länge zu Breite nach der Konstante Phi 1,618. „Beim Menschen zeigt sich der Goldene Schnitt etwa beim Verhältnis Unterarm zu Hand oder erster und zweiter Schneidezahn. Der kleinere Teil verhält sich zum größeren Teil genauso wie der größere Teil zum Ganzen. Auch in der Natur kommt er vor und wird meist unbewusst als schön empfunden“, erklärt Bran. Zudem lieben wir die Durchschnittlichkeit: nicht zu groß und nicht zu klein, nicht zu dick und nicht zu dünn. Ein weiterer Schönheits-Parameter ist die Symmetrie: Ein weitgehend symmetrisches Gesicht wird als schön angesehen. Ebenso finden Menschen auch schlicht Jugendlichkeit schön.

Ein weiterer Schönheits-Parameter ist der sogenannte Sexualdimorphismus. Bei Säuglingen und sehr alten Menschen ist schwieriger zu erkennen, ob sie männlich oder weiblich sind. In der Zeit, in der wir sexuell aktiv sind, ist es hingegen eindeutig. Durch Kleidung, Make-Up und Frisur unterstützen Menschen ihre Männlich- bzw. Weiblichkeit. Große, kräftige Männer mit klaren, eher kantigen Gesichtszügen, ausgeprägter Unterkieferpartie und vollen Augenbrauen werden generell als attraktiv empfunden. Ihr Aussehen lässt auf einen hohen Testosteronspiegel schließen. Bei Frauen wirkt das so genannte Kindchenschema besonders ansprechend auf Männer: Große Augen, hohe Stirn, kleines Kinn, volle Lippen und insgesamt eher weiche, zarte Gesichtszüge suggerieren Fruchtbarkeit. Instinktiv bevorzugen Frauen kurz vor ihrem Eisprung mehr als sonst maskulinere Männer. „Es gibt evolutionsbedingte Faktoren, die wir als schön empfinden und als Zeichen unser Weiblichkeit bzw. Männlichkeit betonen“, sagt Bran. Untersuchungen zeigen, dass das Schönheitsempfinden den Menschen bereits in die Wiege gelegt wird. So bleiben die Blicke von Babys länger auf schönen Gesichtern haften, als auf weniger attraktiven. Auch die Säuglinge selbst werden unbewusst nach ihrer Schönheit bewertet. Ein Experiment offenbarte, dass Kinder, die den unabhängigen Schönheits-Parametern entsprechen, häufiger in den Arm genommen werden.

„Ob ich schön bin, zeigt mir mein Selfie“

Ob der durchtrainierte Körper von Brad Pitt oder die Lippen von Penélope Cruz – der Einfluss der Medien auf unser Schönheitsempfinden ist heute intensiver denn je. Das löst bei vielen Menschen den Wunsch aus, diesen Vorbildern zu ähneln und durch operative Eingriffe dem Schönheitsideal näher zu kommen. Einige Trends führen zu sonderbaren Wünschen: Von seinen Kollegen in den USA weiß Bran, dass sie immer mehr Anfragen für Nasen-OPs bekommen, weil Jugendliche besser auf ihren „Selfies“ aussehen möchten: „Augen und der Mund bilden ein harmonisches Dreieck. Wenn die Nase zu groß ist, stört das die Harmonie“, so Bran.  Durch das Weitwinkel-Objektiv vieler Smartphones ergibt sich eine Fischaugen-Perspektive. Die Mitte des Bildes, die Nase, erscheint größer als sie in Wirklichkeit ist.

„Wer sein Aussehen operativ verändern möchte, um einem bestimmten Modetrend, dem aktuell geltenden Schönheitsideal zu entsprechen oder schlicht unrealistische Vorstellungen hat, dem rate ich von einer OP ab“, so Bran. Ob er eine Operation durchführt, entscheidet Bran individuell im persönlichen Gespräch mit dem Patienten.

„Wichtig ist es, die Wünsche des Patienten zu akzeptieren und das Besondere in einem Gesicht zu erkennen und zu erhalten. Wenn es die Person wirklich stark stört und emotional belastet, dann ist eine Operation sinnvoll. Sie kann das Selbstwertgefühl und damit die Lebensqualität steigern“, erklärt Bran. Immer müsse klar sein, dass eine Operation auch Risiken birgt. Denn gerade im Gesicht liegen viele Nerven, die beschädigt zu einer Gesichtslähmung führen können. Zudem sollte die Veränderung gut überlegt sein, denn gerade das Gesicht kann man nicht verstecken.

Glücklicherweise muss man jedoch nicht den Schönheitsidealen entsprechen, um auf dem Partnermarkt erfolgreich zu sein: „Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Wir erkennen Schönheit zum Schutze unserer Spezies. Die Kultur, in der wir leben, benutzen wir, um unsere Schönheit zu definieren. Würden wir die Stars zu einzig geltenden Schönheitsvorbilder erklären, müsste ein Großteil der Menschen als hässlich gelten“, so Bran. Unreflektiert den Schönheitsidealen nachzueifern, ist eine Sackgasse, denn: Ob der Funke letztendlich überspringt, kommt auch auf Persönlichkeitsaspekte an, die sich mit Spritze und Skalpell nicht richten lassen!

Drei Fragen an Dr. med. Gregor M. Bran, Leiter des Zentrums für plastische und rekonstruktive Kopf- und Halschirurgie, HSK, Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden:

Finden wir alle das Gleiche schön?

„Es gibt unabhängige Schönheits-Parameter, die alters-, sozial- und kulturunabhängig sind. Sie sind angeboren und den meisten Menschen nicht bewusst. Dass wir Schönheit erkennen, dient dem Erhalt unserer Spezies. Zu diesen Parametern gehören symmetrische Gesichtszüge, Durchschnittlichkeit, Jugendlichkeit sowie der Goldene Schnitt, der ästhetische Proportionen beschreibt. Männer werden allgemein als attraktiv empfunden, wenn sie groß und kräftig sind sowie eher klare und kantige Gesichtszüge mit ausgeprägter Unterkieferpartie und vollen Augenbrauen haben. Bei Frauen sind es große Augen, hohe Stirn, kleines Kinn, volle Lippen und weiche Gesichtszüge – das so genannte Kindchenschema.“

Verlieben wir uns in Schönheit?

„Wir erkennen Schönheit, aber das Verlieben ist wesentlich komplexer. Wen wir schön finden, hängt jedoch nicht nur von den unabhängigen Schönheits-Parametern ab, sondern auch zum Beispiel von der Kultur, Mode- und Lifestyletrends, die unser Schönheitsempfinden prägen. Dies kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. So gibt es für jeden Menschen einen passenden Partner. Ob der Funke überspringt, hängt letzten Endes noch von vielen weiteren Persönlichkeitsfaktoren ab.“

Wann ist eine Schönheits-OP sinnvoll?

„Wer sein Aussehen operativ verändern möchte, um einem bestimmten Modetrend zu entsprechen oder schlicht unrealistische Vorstellungen hat, dem rate ich von einer Operation ab. Sinnvoll ist eine OP, wenn der Wunsch des Patienten realistisch ist. Dann kann die äußerliche Veränderung das Selbstwertgefühl und damit auch die Lebensqualität steigern; ersetzen kann man das Selbstbewusstsein durch eine Operation aber nicht. Unter Umständen empfehle ich dann ein Gespräch mit einem Psychologen. Eine Operation stellt immer ein Risiko dar und sollte deshalb nicht leichtfertig durchgeführt werden. Gerade Veränderungen im Gesicht sind lebenslang sichtbar und sollten gut überlegt sein.“

Ihre Ansprechpartnerin:

Kirsten Feldmann
Unternehmenskommunikation und Marketing
HSK, Dr. Horst Schmidt Kliniken
Telefon: +49 0611 43 9649
E-Mail

Bilder zum Download

Bild: HELIOS Kliniken GmbH

Download (jpg; 300 dpi; 1,1 MB)

Bild: HELIOS Kliniken GmbH

Privatdozent Dr. med. Gregor M. Bran
Leiter des Zentrums für plastische, ästhetische und rekonstruktive Kopf- und Halschirurgie
HSK, Dr. Horst Schmidt Kliniken

Download (jpg; 300 dpi; 1,1 MB)



Über uns