Bewegung hilft älteren Menschen immer

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Heutzutage werden wir nicht nur älter als noch vor wenigen Jahrzehnten, sondern altern auch gesünder. Dennoch wird es künftig aufgrund des demografischen Wandels noch mehr ältere Patienten geben – mit speziellen Bedürfnissen. Wir zeigen auf, wie Sie die Risiken des Älterwerdens minimieren können.

 

Die typischen älteren, sogenannten geriatrischen Patienten leiden per Definition an verschiedenen Krankheiten wie Bluthochdruck, der Lungenkrankheit COPD, Parkinson oder Demenz – der sogenannten Multimorbidität. Diese Patienten sind überwiegend 70 Jahre oder älter, ihre Selbstständigkeit ist oft eingeschränkt. Auch jeder, der über 80 Jahre alt ist, gilt wegen seiner alterstypisch erhöhten Gebrechlichkeit als potenziell geriatrischer Patient.

 

Bei Über-80-Jährigen gibt es ein erhöhtes Risiko: Sie sind zusätzlich eingeschränkt – durch Gewichtsabnahme, Erschöpfung, Muskelschwäche, verminderte Gehgeschwindigkeit, auch verursacht verringerte körperliche Aktivität. "Diese Menschen verlieren mit jedem Tag im Bett viel Kraft", sagt Dr. Ralf Sultzer, Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie und Sozialmedizin im HELIOS Geriatriezentrum Zwenkau. Bewegung und Mobilisierung sind für sie deshalb ganz besonders wichtig.

 

Nicht jeder ältere Mensch ab 70 wird automatisch Patient: Ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein, regelmäßige Bewegung und gesunde, ausgewogene Ernährung tragen heutzutage dazu bei, dass Krankheiten im Alter verhindert oder zumindest verzögert werden. Es gibt viele aktive Senioren, die leistungsfähig sind, Hobbys haben, gerne reisen oder Sport treiben. Sie sind oft noch lange in der Lage, ihre Familie zu unterstützen.

 

Die Risiken des Älterwerdens – so können Sie diese minimieren.

 

Stürze

Wenn ältere Menschen fallen, verletzten sie sich meistens schwer, die Knochen brechen eher, weil sie oft eine geringere Knochendichte haben. Zudem wird das Abfangen schwieriger, weil die Reaktionszeit länger ist. Sturzrisiken im Alltag ergeben sich durch Stolperfallen wie Kabel, glatte Bodenbeläge oder fehlende Haltegriffe an zu hohen Toilettensitzen, aber auch dadurch, dass bei älteren Menschen Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit abnehmen und

Bewegungseinschränkungen durch beispielsweise Parkinson oder einen Schlaganfall bestehen. Zudem können Medikamente Schwindel verursachen. Stürze verhindern Sie am besten, indem Sie mögliche Stolperfallen im Haushalt konsequent entfernen, festes Schuhwerk tragen, in der Wohnung für gute Beleuchtung sorgen – und indem Sie Ihre Balance, Kraft und Ausdauer trainieren.

 

Psychische Einschränkungen

Viele ältere Menschen leiden unter psychischen und geistigen Einschränkungen, denen Aufmerksamkeit gewidmet werden muss – dazu gehören Gedächtniseinschränkungen, Depression oder Demenz. Die Gefahr: Seelische Beschwerden wie Depressionen führen oft auch zu körperlichen Einschränkungen. Wer Angst davor hat, den Kindern zur Last zu fallen, oder einsam ist, hat deshalb eventuell keinen Appetit oder Herzschmerzen. Wer im Alltag Probleme bei sich oder Angehörigen entdeckt, spricht am besten mit seinem Hausarzt darüber.

 

Mangelernährung

Experten gehen davon aus, dass 15 bis 20 Prozent der älteren Menschen mangelernährt sind. Bei 50 Prozent besteht ein Risiko dafür. "Das liegt oft daran, dass die Gebisse nicht richtig passen. Außerdem essen Senioren oft zu wenig, weil sie weniger Appetit haben, und oft auch nicht ausgewogen genug", sagt Dr. Sultzer. Manchmal scheitert das Essen auch an so profanen Dingen wie den Verpackungen. Deshalb: Lassen Sie mindestens jährlich Ihr Gebiss prüfen, reinigen Sie Ihre Prothese regelmäßig und ernähren Sie sich gesund mit ausreichend Obst und appetitanregenden Gewürzen, trinken Sie täglich mindestens 1,5 Liter. Komplizierte Verpackungen kann man meiden, indem man mit den Angehörigen geeignete, leicht zu öffnende Artikel aussucht oder ggf. an der Frischtheke kauft.

 

Inkontinenz

Inkontinenz im Alter ist ein Tabuthema, doch sollten Sie keine Hemmungen haben, Ihren Arzt darauf anzusprechen. Immerhin leiden 60 bis 70 Prozent der älteren Patienten darunter. Und: Es gibt Therapiemöglichkeiten, wenn erst einmal klar ist, um welche Art der Inkontinenz es sich handelt. Zum Beispiel kann bei einer Dranginkontinenz mit der Behandlung einer Blasenentzündung und Medikamenten zur Regulierung des übermäßigen Harndranges geholfen werden und bei einer Stressinkontinenz mit Beckenbodentraining, bestimmten Medikamenten oder einer Operation. Darüber hinaus kann es helfen, dass Sie lockere Kleidung tragen und den Wohnraum anpassen, beispielsweise durch höhere Sitzflächen.

 

Medikamentennebenwirkungen

Unerwünschte Medikamentenwirkungen sind ein großes Risiko für ältere Menschen, die oft mehrere, verschiedene Medikamente einnehmen: "Ab fünf verschiedenen Medikamenten geht man davon aus, dass mindestens eine unerwünschte Arzneimittelwirkung auftritt", sagt Dr. Sultzer. "Sprechen Sie beim Arzt an, welche Medikamente Sie nehmen. Wir Ärzte müssen immer kritisch hinterfragen, was wirklich nötig ist. Manchmal kann das bedeuten, dass wir darauf verzichten, eine weniger gefährliche Krankheit zu behandeln, als noch ein zwölftes Präparat zu geben."

 

Wundheilung

Die Haut von Senioren ist trockener und hat weniger Nährstoffe, die für die Wundheilung wichtig sind. Hinzu kommt, dass oft schon multiresistene Erreger (wie zum Beispiel MRSA) in einer Wunde sein können. Chronische Wunden bereiten nicht nur Schmerzen und kosten Kraft, sie machen auch immobil. Mangel- und Fehlernährung spielen bei der Wundheilung ebenfalls eine entscheidende Rolle. Hier gilt es, auf eine ausgewogene vitaminreiche und nährstoffreiche Ernährung inklusive einer ausreichenden Eiweißzufuhr zu achten, insbesondere bei chronischen Wunden. Wichtig: Druckbedingte Wunden bei gleichzeitiger Mobilität entlasten, um die Durchblutung zu fördern.

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Dr. med. Ralf Sultzer, Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie und Sozialmedizin im HELIOS Geriatriezentrum Zwenkau.

Dr. med. Ralf Sultzer,
Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie und Sozialmedizin im HELIOS Geriatriezentrum Zwenkau
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