Demenz: Herausforderung für Betroffene, Ärzte und Angehörige

Grafik: freshmilk creative media

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Demenzerkrankung – vor allem alte Menschen. Wie erkennt man die Erkrankung? Wie wird sie behandelt? Und was können Angehörige tun? Diese Fragen beantwortet der dritte und letzte Teil unserer Serie zum Alter.

 

Demenz ist der Oberbegriff für mehr als 50 Krankheitsformen, die unterschiedlich verlaufen und verschiedene Ursachen haben können. Alle Formen führen langfristig zum Verlust der geistigen und manche auch zum Verlust der körperlichen Leistungsfähigkeit. Die bekannteste Demenzform ist Alzheimer: 60 bis 70 Prozent aller Demenzerkrankten leiden darunter.

Symptome
Demenzerkrankte leiden länger als sechs Monate unter Konzentrations-, Aufnahme- und Gedächtnisstörungen, die meist verbunden sind mit Orientierungsproblemen, Wortfindungsstörungen und eingeschränktem Denkvermögen. Hinzu können Agnosie und Apraxie kommen, das heißt, Betroffene können alltägliche Dinge wie Besteck nicht mehr erkennen und richtig verwenden. Im fortgeschrittenen Stadium werden Betroffene zunehmend unbeweglicher und stürzen häufiger. Schwer Betroffene verlernen das Sprechen und Schlucken. „Häufig begleiten Störungen des Verhaltens und Persönlichkeitsveränderungen das Krankheitsbild. Dazu gehören Aggressivität, ein vermehrter Bewegungsdrang und Schreien“, ergänzt Dr. Thomas Zeile, Chefarzt der Klinik für Akutgeriatrie und Frührehabilitation in der HELIOS Klinik Hüls.

Ursachen
Alle Demenzformen haben ihren Ursprung im Gehirn: Nervenzellen sterben ab, Verbindungen zwischen Zellen gehen verloren. Die Ursachen für die Krankheit sind jedoch vielfältig. Die bekannteste Form, die Alzheimer-Demenz, wird ausgelöst durch Eiweißablagerungen (amyloide Plaques) im Gehirn, die erst zu Entzündungen und dann zum Absterben der Nervenzellen führen. Warum das passiert, ist unbekannt. Hintergrund der Vaskulären Demenz sind Durchblutungsstörungen, wie sie bei Bluthochdruck und Diabetes vorkommen. Auch langjähriger Alkoholmissbrauch kann zu Demenz führen.

Diagnose
Die Demenzdiagnose setzt voraus, dass sich der Arzt intensiv mit der Leidensgeschichte des Patienten befasst. „Auch die Angehörigen werden befragt, denn die ersten Symptome reichen oft zehn Jahre zurück“, erklärt Dr. Zeile. Der zwei- bis dreitägige Check beginnt mit ausführlichen, körperlichen und neurologischen Untersuchungen. Bei der Labor- und Blutuntersuchung werden Krankheiten ausgeschlossen, die zu demenzähnlichen Symptomen (siehe Delir) führen, wie z.B. ein Vitamin-B12-Mangel oder chronische Infektionen wie Borreliose. Mit Testverfahren werden unter anderem zeitliche und örtliche Orientierung, Kopfrechnen und Kurzzeiterinnerung geprüft. Auch eine Depression, die oft ähnliche Symptome wie eine Demenz aufweist, kann so ausgeschlossen werden. Zuletzt geben bildgebende Verfahren wie CT oder MRT Aufschluss über Veränderungen in der Gehirnstruktur.

Behandlung
Demenz ist nicht heilbar. Ihr Verlauf kann aber verlangsamt werden. Die Behandlung erfolgt entsprechend der Ursache. Beispiel Alzheimer: Hier wird zunächst medikamentös gegengesteuert mit sogenannten Cholinesterase-Hemmern. Diese vermindern den krankheitsbedingt vermehrten Abbau von Acethylscholin, das für die Übertragung von Reizen auf Nerven zuständig ist. Damit kann der Fortschritt der Krankheit um ein halbes bis ein Jahr aufgehalten werden. „Dann geht es vor allem darum, den Patienten bei der Orientierung zu fördern und mit ihm seine Konzentration zu trainieren, um den Erhalt kleinerer Tätigkeiten im Haushalt zu unterstützen“, erklärt Dr. Thomas Zeile.

Verwechslungsgefahr mit Delir
Zwar sind die Symptome von Demenz und Delir („Verwirrtheitszustand“, auch „sekundäre Demenz“) häufig identisch, das Delir dauert jedoch nicht so lange an. Typisch sind zudem tageszeitliche Schwankungen. Ein Delir hat fast immer einen identifizierbaren Auslöser und kann bei entsprechender Behandlung geheilt werden.

Die Ursache für ein Delir kann eine akute internistische Erkrankung sein, wie eine Lungenentzündung oder ein Harnwegsinfekt. Auch ein neues Medikament, Flüssigkeitsmangel, ein Dauerkatheter und eine Immobilisierung erhöhen die Gefahr. „Jede Störung des körperlichen Gleichgewichts, jedes Ausschalten normaler Körperfunktionen ist ein Risikofaktor“, sagt Dr. Thomas Zeile. Wie bei der Demenz sind eher ältere Patienten betroffen. Laut einer Studie (Inouye 2006) werden bis zu 30 Prozent der Delire nicht richtig erkannt. „Delire und ihre Auslöser richtig zu erkennen, setzt voraus, dass wir uns mit den Patienten sehr intensiv beschäftigen“, sagt Dr. Zeile.

Was bedeutet die Diagnose für den Alltag?

Eine Demenzerkrankung verändert nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das der Angehörigen. Hier die Antworten auf die dringendsten Fragen.

Was können erste Zeichen einer Demenzerkrankung sein?
Oft beginnt die Krankheit mit einer Veränderung der Interessen, einer Gleichgültigkeit und dem inneren Rückzug des Betroffenen. Manche nehmen nicht mehr am Familienleben teil. Deutlicher wird es zum Beispiel, wenn sich der Betroffene Inhalte aus dem letzten Telefonat nicht gemerkt hat oder den Einkauf statt in den Kühlschrank in die Waschmaschine steckt.

Was tue ich, wenn ich vermute, dass ein Familienmitglied betroffen ist?
Zunächst mit dem Betroffenen selbst sprechen: Hat er es selbst gemerkt? Wie ist seine Sicht? Der nächste Schritt ist der Gang zum Hausarzt, der gegebenenfalls in eine Demenzsprechstunde oder zum Neurologen überweist.

Wie werden die Betroffenen versorgt?
Die Patienten sollten möglichst lange in der bekannten Umgebung betreut werden. Ortswechsel führen oft zu Verschlechterungen. Im Durchschnitt können Erkrankte nach der Diagnose drei bis vier Jahre zu Hause leben – allerdings mit einer 24 Stunden-Betreuung. Die Pflege kostet die Angehörigen viel Kraft. Hinzu kommt die seelische Belastung. Wer berufstätig ist, hat oft keine andere Möglichkeit, als den Demenzerkrankten einem Pflegeheim anzuvertrauen.

Wo finden Angehörige Hilfe?
Es gibt in vielen Städten Pflege-Beratungsbüros und Selbsthilfegruppen. Zudem kann man sich auch an geriatrische Fachabteilungen wenden.

Bilder zum Download

Grafik: freshmilkcreativemedia

Demenz-Betroffene
Grafik:
freshmilk creative media
Download (jpg; 300 dpi; 1 MB)

Grafik: freshmilkcreativemedia

Grafik: freshmilk creative media
Download (jpg; 300 dpi; 2,6 MB)

Dr. Thomas Zeile, Chefarzt der Klinik für Akutgeriatrie und Frührehabilitation in der HELIOS Klinik Hüls

Dr. Thomas Zeile
Chefarzt der Klinik für Akutgeriatrie und Frührehabilitation in der HELIOS Klinik Hüls
Bild: HELIOS Kliniken

Download (jpg, 300 dpi; 0,8 MB)

Mehr zum Thema

Bewegung hilft älteren Menschen immer

Wie der Mensch altert

Fit jenseits der 50

Wechselwirkungen bei Medikamenten

 

Ihre Ansprechpartnerin

Marina Dorsch
Unternehmenskommunikation
Regionalleiterin Rheinland

Telefon: (02151) 32-14 33
E-Mail



Über uns