Neue Hoffnung für Bluthochdruck-Patienten

Das Prinzip der sympathischen renalen Denervation: Ein Teil der zur Niere führenden Nervenfasern (im Bild durch gelbe Fäden dargestellt) wird gekappt, um den Blutdruck zu senken. Foto: Mutzberg/HELIOS Kliniken

Wer an Bluthochdruck erkrankt ist, spürt allenfalls leichte Symptome. Die Auswirkungen der Hypertonie – so der Fachbegriff – sind jedoch immens: Unter anderem steigt das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt beträchtlich. Mit der sogenannten "sympathischen renalen Denervation" gibt es nun eine Therapie für Patienten, deren Blutdruck nicht mehr allein mit Medikamenten zu behandeln ist.

 

Nephrologen, Radiologen und Kardiologen am HELIOS Klinikum Wuppertal haben gemeinsam ein neues Behandlungsverfahren etabliert. Bei einem kathetergestützten Eingriff wird ein Teil der Nervenbahnen, die zur Niere führen, unterbrochen, um den Einfluss von Stresshormonen auf die Blutdruckregulation der Nieren zu senken. Denn: Bei Bluthochdruckpatienten erhalten die Nieren über das vegetative Nervensystem fälschlicherweise die Information, dass sich der Organismus in erhöhter Alarmbereitschaft befindet. Die Nieren reagieren darauf u.a. mit der Bildung eines blutdrucksteigernden Hormons. Wird der über die Nervenbahnen vermittelte Reiz verringert, reduziert sich auch die Ausschüttung dieses Hormons und der Blutdruck sinkt.

 

"Die sympathische renale Denervation ist ein Hoffnungsschimmer für all jene Patienten, bei denen mindestens drei Medikamente parallel eingesetzt werden, ohne dass der Blutdruck in den Normbereich gesenkt werden kann", sagt Dr. med. Scott-Oliver Grebe, Leiter der Abteilung für Nephrologie des Krankenhauses. Auch bei Arzneimittelunverträglichkeiten biete das Verfahren eine neue Option.

 

Die Wuppertaler Ärzte haben mit der neuen Methode bereits mehrere Patienten erfolgreich behandelt. "Mit einem Katheter gelangen wir von der Leiste aus über das arterielle Gefäßsystem bis zur Nierenschlagader", erklärt Dr. med. Armin Sause, Oberarzt in der Kardiologie. "An der Gefäßwand der Nierenarterie wird über die Spitze des 1,3 Millimeter dünnen Katheters ganz gezielt ein Hochfrequenzstrom abgegeben, der dafür sorgt, dass ein Teil der Nervenbahnen, die in der äußeren Gefäßschicht verlaufen, verödet werden." Die Erfahrungen mit der neuen Technik sind durchweg positiv: In der bisher veröffentlichten Literatur werden keine relevanten Schädigungen der Nierenschlagader durch diesen Eingriff genannt. Die Nierenfunktion bleibe erhalten. Nennenswerte Komplikationen seien nicht aufgetreten.

 

Erste vielversprechende Ergebnisse des neuen Verfahrens veröffentlichten australische Ärzte im April 2009 in der angesehenen Fachzeitschrift "The Lancet". Es folgte eine Wirksamkeitsstudie, deren Ergebnisse im Dezember 2010 in der gleichen Fachzeitschrift vorgestellt wurden. Bei weit mehr als 80 Prozent der Patienten konnte ein Erfolg – also eine deutliche Blutdrucksenkung auch sechs Monate nach dem einstündigen Eingriff – nachgewiesen werden.

 

"Auf diesen Erkenntnissen wollen wir aufbauen", sagt Dr. med. Alexander Altenburg, Oberarzt in der Klinik für Radiologie. Deutschlandweit gibt es bisher rund 20 Zentren, an denen das Verfahren bisher zum Einsatz kommt. "Mit weiterführenden Studien wollen wir dazu beitragen, dass Patienten mit sonst kaum behandelbarem Bluthochdruck und daraus resultierenden Folgeerkrankungen auf diesem Weg geholfen werden kann", sagt Priv.-Doz. Dr. med. Klaus Tiroch, Oberarzt in der Kardiologie.

 

STICHWORT: Bluthochdruck

Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine weit verbreitete Erkrankung. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 35 Millionen Bundesbürger von Bluthochdruck betroffen sind. Von einer Hypertonie spricht man, wenn der Blutdruck über 140/90 mmHg liegt. Dann sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Knapp darunter liegen Werte sind ebenfalls als kritisch einzustufen. Hier ist zumindest eine engmaschige Kontrolle ratsam. Die Symptome von Bluthochdruck sind kaum spürbar. Hin und wieder ein Schwindelgefühl, Kopfschmerz oder Nervosität können erste Anzeichen sein.

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Das Prinzip der sympathischen renalen Denervation: Ein Teil der zur Niere führenden Nervenfasern (im Bild durch gelbe Fäden dargestellt) wird gekappt, um den Blutdruck zu senken.

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