Typ-2-Diabetiker profitieren von neuen Therapieformen

Blutzuckermessen gehört zum Alltag eines Diabetikers. Bild: HELIOS Kliniken

Rund zwölf Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland an dem sogenannten Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt. Jetzt gibt es gute Nachrichten für die Betroffenen: Die neu entwickelten Medikamente, die den sogenannten Inkretin-Effekt nutzen, haben gleich mehrere Vorteile gegenüber herkömmlichen Antidiabetika.

 

Typ-2-Diabetes betrifft überwiegend Erwachsene und tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf. Doch auch die Zahl der an Diabetes erkrankten übergewichtigen Jugendlichen steigt. Zudem ist davon auszugehen, dass auf jeden erkannten Patienten mit Diabetes mellitus 2 zusätzlich zwei noch unerkannte Personen mit Vorstufen der Krankheit kommen. Die Hauptursachen für diese Zivilisationskrankheit sind Fehlernährung und zu wenig Bewegung. Deshalb helfen zu Beginn der Erkrankung schon mehr Sport und eine Ernährungsumstellung, um das Gewicht zu reduzieren. Später müssen Typ-2-Diabetiker oft Medikamente einnehmen, um den Blutzucker in den Normalbereich zu senken. Ein relativ neuer Ansatz ist hier das Inkretin-Konzept.

 

Mitte der 1960er Jahre beobachtete man, dass bei einer Gabe von Glukose in die Vene das Blutzucker senkende körpereigene Hormon Insulin deutlich weniger ausgeschüttet wird als bei einer Aufnahme durch den Mund. Ursache dieses sogenannten Inkretin-Effektes sind zwei im Darm gebildete Hormone (Inkretine): das Glukoseabhängige insulinotrope Peptid (GIP) und das Glukagon-like Peptid 1 (GLP-1). Sie regulieren die Insulinproduktion – und aktivieren sie nur dann, wenn Kohlenhydrate über die Nahrung zugeführt werden und der Blutzuckerspiegel steigt.

 

Auf Basis des Wissens um die Wirkung dieser Hormone sind jetzt Medikamente für die Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 entwickelt worden. Sie setzen an unterschiedlichen Stellen an. Während die sogenannten Inkretin-Mimetika (Mimetika=Gleichmacher) und Inkretin-Analoga (Analoga=ähnlich aussehend) die Wirkung des GLP-1 imitieren, verzögern die Gliptine den Abbau des natürlich im Körper vorkommenden GLP-1. Beides führt dazu, dass die Konzentration des GLP-1 und damit seine Blutzucker senkende Wirkung verstärkt werden.

 

"Der große Vorteil ist, dass die Medikamente, die auf dem Inkretin-Konzept basieren, kaum gefährliche Unterzuckerungen hervorrufen können. Außerdem reduzieren sie zum Teil das Gewicht des Patienten oder helfen zumindest, das Gewicht zu halten", sagt Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Zimny, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie/Diabetologie und Rheumatologie der HELIOS Kliniken Schwerin. Im Tierversuch haben sich weitere positive Effekte gezeigt: Die Gliptine regenerieren die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse sowie Herzmuskelzellen. Das sind vielversprechende Ansätze, von denen aber noch nicht sicher ist, ob sie auf den Menschen übertragbar sind.

 

Da die reine Zufuhr der Hormone in Tablettenform nicht funktioniert, weil sie innerhalb kürzester Zeit im Körper abgebaut werden, baute man gentechnisch ein dem GLP-1 ähnliches Hormon nach. Das fand man zufällig im Speichel einer amerikanischen Echsenart. Die Inkretin-Mimetika müssen zwei Mal am Tag gespritzt werden, damit sie den Blutzuckerspiegel verlässlich senken. Die Gliptine, die den Abbau des GLP-1 hemmen, haben dagegen einen Vorteil: Sie müssen nur ein- bis zweimal am Tag als Tablette eingenommen werden und sie wirken gewichtsneutral.

 

Seit zirka einem Jahr sind in Deutschland die Inkretin-Analoga zugelassen. Diese sind mit dem menschlichen GLP-1 vergleichbar und müssen einmal am Tag unter die Haut gespritzt werden.

 

Als Nebenwirkung der Inkretin-Mimetika sind allergische Reaktionen beschrieben. Außerdem können sie zur Antikörperbildung führen. Das heißt, dass die Inkretin-Mimetika nicht bei allen Menschen wirken. Inkretin-Mimetika, Inkretin-Analoga und Gliptine können die Magenentleerung verzögern und dadurch Übelkeit hervorrufen. Die am meisten gefürchtete Nebenwirkung ist allerdings die Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

 

Nichtsdestotrotz: "Die Zukunft in der Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 ist mit dem Inkretin-Konzept bereits eingeläutet. Es bleibt abzuwarten, ob Langzeitergebnisse die Regeneration der Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse und auch der Herzmuskelzellen bestätigen", sagt Dr. Zimny. Aktuell arbeite man daran, die Wirkung der Inkretin-Mimetika zu verzögern, sodass künftig vielleicht die Gabe unter die Haut auf einmal in der Woche reduziert werden kann.

Bild: HELIOS Kliniken

Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Zimny
Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin,
Endokrinologie/Diabetologie und Rheumatologie
Download
(jpg; 300 dpi; 2,5 MB)

 

Bild: HELIOS Kliniken

Blutzuckermessung
Download
(jpg; 300 dpi; 1,8 MB)

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. Grit Czapla
HELIOS Kliniken Schwerin
Unternehmenskommunikation

Wismarsche Str. 393 - 397
19049 Schwerin

Telefon: (0385) 520-38 63

E-Mail



Über uns