Innovatives Hörsystem ermöglicht natürliches Hörgefühl

Audiologin Nina Wichmann passt gemeinsam mit dem Patienten Gerherd Rieß das Hörsystem an. Bild: HELIOS Kliniken

Für 25 Millionen Menschen in Europa ist der tägliche Griff zum Hörgerät Routine. Bei einer Schallempfindungs- oder Schallleitungsschwerhörigkeit genügen herkömmliche Hörgeräte, die den Schall lediglich verstärken, jedoch häufig nicht, um ein natürliches Geräuschempfinden für den Betroffenen herzustellen. Mit Hilfe eines Mittelohrimplantates können diese Patienten künftig auf ein Hörgerät verzichten.

Treffen Schallwellen auf das menschliche Ohr, werden sie vom Außenohr zum Trommelfell und von dort aus zur Gehörknöchelchenkette geleitet. Hammer, Amboss und Steigbügel werden durch die Schwingungen des Schalls in Bewegung gesetzt. "Bei einem gesunden Menschen schafft der Schall dies von alleine, bei einer Hörstörung braucht das Ohr eine künstliche Verstärkung", sagt Prof. Dr. med. Marc Bloching, Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde/Hörzentrum Berlin-Brandenburg im HELIOS Klinikum Berlin-Buch.
 
Auf die Verstärkung durch ein Hörgerät war auch Gerhard Rieß (67) jahrelang angewiesen. Nach zahlreichen Hörstürzen litt er unter einer Schallleitungsschwerhörigkeit – einem Gespräch mit mehreren Menschen zu folgen, war für ihn nicht mehr möglich. "Das ist der typische Cocktailparty-Effekt. In einem Durcheinander vieler verschiedener Stimmen kann das geschädigte Ohr die einzelnen Klänge nicht mehr auseinanderhalten", erklärt Prof. Bloching.

Auch zahlreiche Hörgeräte brachten für Gerhard Rieß keine Hörverbesserung, da jedes Gerät aus seiner Sicht Vor- und Nachteile bei Kommunikation und Verständnis aufwies. Das Mittelohrimplantat "Vibrant Soundbridge" war für ihn die Lösung. Es besteht aus zwei Teilen: einem externen Audioprozessor und dem internen Implantat, das über dem Mittelohr in den Schädelknochen eingesetzt wird. Der externe Prozessor arbeitet hierbei wie ein Hörgerät – er nimmt den Schall auf und sendet ihn an das Implantat. Dieses wandelt den Schall in Bewegung um und setzt die Gehörknöchelchenkette in Gang.

Im Unterschied zum herkömmlichen Hörgerät findet hierbei keine Schallverstärkung statt. Die "Vibrant Soundbridge" übermittelt die aufgenommenen Schwingungen direkt zu den Gehörknochen. Bei gesunden Menschen übernimmt dies der Schall. Durch das Implantat bleibt der Ohrkanal frei und das Trommelfell unberührt – ein besonderer Vorteil für Patienten, die für Entzündungen des Gehörgangs anfällig sind. In einer ein- bis zweistündigen OP wird das reiskorngroße Implantat in den Schädelknochen eingesetzt. Nach einer Heilungsphase von sechs bis acht Wochen kann das Gerät erstmalig in Betrieb genommen und angepasst werden.

"Von dem Augenblick an als das Gerät angeschaltet wurde, konnte ich wieder Feinheiten hören, die ich seit Jahren nicht gehört habe", erzählt Gerhard Rieß, dessen Hörvermögen von 20 Prozent vor der Operation auf 80 Prozent mit der "Vibrant Soundbridge" gestiegen ist. Nachdem der Gehörkanal abgeschwollen ist, wird ein herkömmliches Hörgerät nicht mehr benötigt. Je nach Umgebungsgeräuschen können Patienten zwischen drei verschiedenen Programmen wählen und somit ein erheblich besseres Hörergebnis erzielen als mit vielen konventionellen Hörgeräten.

Vier Fakten zur "Vibrant Soundbridge"

  • Der extern getragene Audioprozessor hat einen Durchmesser von 29 Millimeter, wiegt etwa zehn Gramm und ist für Außenstehende kaum sichtbar.
  • Der Zylinder besitzt die Größe eines Reiskorns und wiegt nur 25 Milligramm.
  • Wird das Mittelohrimplantat täglich etwa 12 Stunden verwendet, muss die Batterie im externen Audioprozessor nur einmal wöchentlich gewechselt werden.
  • Das System ist besonders für Personen geeignet, die kein herkömmliches Hörgerät tragen können (z.B. Allergiker).
Bild: HELIOS Kliniken

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Audiologin Nina Wichmann passt gemeinsam mit dem Patienten Gerherd Rieß das Hörsystem "Vibrant-Soundbridge" an.
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Prof. Dr. med. Marc Bloching,
Chefarzt HNO/MKG-Chirurgie, HELIOS Klinikum Berlin-Buch
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