Wenn die Haare ausgehen

Viele plagt die Angst vor Haarausfall. Foto: HELIOS Kliniken

Gesundes, kräftiges und volles Haar – das wünschen sich die meisten Frauen und Männer. Auf natürliche Weise verliert jeder zirka 50 bis 100 Haare täglich. Sind es über einen längeren Zeitraum mehr, spricht man von Haarausfall. Die Ursachen können ganz unterschiedlich sein. Betroffen sind Männer wie Frauen.

 

Haare zu verlieren, ist völlig natürlich, denn jedes Haar durchläuft einen dreiphasigen Zyklus aus Wachstum, Ruhephase und Ausfall. Besteht jedoch zwischen der Anzahl abgestoßener und nachwachsender Haare ein Ungleichgewicht, spricht man von Haarausfall. "Verliert der Betroffene mehr als 60 Prozent des Haupthaares und zeigen sich kahle Bereiche auf dem Kopf, spricht man von Alopezie", sagt Prof. Dr. med. Rudolf Herbst, Chefarzt der Dermatologie und Allergologie am HELIOS Klinikum Erfurt.

 

Genetisch bedingter Haarausfall

 

Die Ursachen von Haarausfall können unterschiedlich sein. Beim genetisch bedingten Haarausfall (Alopecia androgenetica) - mit fast 90 Prozent die häufigste Form - reagieren die Haarwurzeln überempfindlich auf männliche Hormone (z.B. Testosteron). "Dadurch ist die Wachstumsphase der Haare verkürzt“, sagt der Hautarzt. "Die Haare werden kontinuierlich dünner und verschwinden letztlich ganz." Die betroffenen Männer bekommen zunächst sogenannte Geheimratsecken, später auch Kahlstellen am Hinterkopf bis hin zur Glatzenbildung. Frauen sind von dieser Form des Haarausfalls besonders nach den Wechseljahren betroffen. Bei ihnen kommt es meist zu einer Lichtung der Haare im Scheitelbereich.

 

Kreisrunder Haarausfall

 

Beim kreisrunden Haarausfall (Alopezia areata) sind scharf begrenzte Kahlstellen nicht nur auf dem Kopf zu finden. "Alopezia areata kann an allen behaarten Körperstellen auftreten", sagt Prof. Herbst. Die Ursache für diese Form des Haarausfalls sind Autoimmunmechanismen: Das eigene Immunsystem identifiziert die Haarwurzel als feindlich, greift diese an und zerstört sie. Besonders tückisch: Alopezia areata tritt meist plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auf. Betroffen sein können Männer und Frauen jeglichen Alters. Therapeutisch kann versucht werden, mit sogenannten Immunmodulationen das Immunsystem zu stabilisieren. Hierbei wird entweder das Immunsystem unterdrückt (z.B. durch Kortikosteroide) oder versucht, über eine lokale Reizung (z.B. durch eine Entzündungsreaktion am Ort des Haarausfalls) eine Veränderung des Immunsystems zu erreichen.

 

Diffuser Haarausfall

 

Sind Wachstumsvorgänge in den Haarwurzeln gestört, kommt es zu einem diffusen Haarausfall - die Kopfhaare fallen massiv aus. Die Ursachen können unterschiedlich sein: Stress, radikale Diäten, fehlende Spurenelemente (z.B. Eisen- oder Zinkmangel) oder auch Schilddrüsenfunktionsstörungen. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse und Obst sowie Stress vermeiden kann helfen, diffusen Haarausfall zu verhindern. "Diffuser Haarausfall kann aber auch durch eine Chemotherapie während einer Krebsbehandlung ausgelöst werden", sagt Prof. Herbst. "Die Haare wachsen in der Regel nach Therapieende nach."

 

Leider gibt es kein Allheilmittel gegen Haarausfall. Ein Gespräch mit einem Hautarzt kann jedoch helfen, die Ursache zu diagnostizieren und gegebenenfalls bei einer Grunderkrankung wie Schilddrüsenüberfunktion, Hormonstörungen oder Mangelsituationen therapeutisch anzusetzen.

Richtig oder falsch? Sieben Mythen über Haarausfall

  • Erblich bedingter Haarausfall trifft nur Männer.
    Falsch! Bei bis zu 30 Prozent der Frauen ist  Haarausfall ebenfalls erblich (androgenetisch) bedingt. Sie bekommen eher lichteres Haar im Bereich des Mittelscheitels während sich bei Männern Geheimratsecken und Kahlstellen am Hinterkopf bilden.
  • Diäten schaden den Haaren.
    Richtig! Diäten mit weniger als 1000 Kalorien pro Tag zehren an den Haarwurzeln. Die Haare werden dünn und können diffus ausfallen. Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind Bausteine für gesunde Haare und sollten über die tägliche Nahrung ausreichend aufgenommen werden.
  • Wenn man häufig Baseballkappen, Mützen oder Motorradhelme trägt, fördert das den Haarausfall.
    Falsch! Die Haare können allerdings leichter brechen, insbesondere, wenn die Kopfbedeckung zu eng getragen wird.
  • In Stressphasen fallen vermehrt Haare aus.
    Richtig!
    Stress setzt in unserem Körper Hormone wie Adrenalin frei. Werden diese Stresshormone nicht abgebaut, kann Haarausfall eine Folge sein. Ist der Stress vorbei, wachsen die Haare in der Regel auch wieder.
  • Nach einer Geburt verlieren Frauen oft übermäßig viele Haare.
    Richtig! Durch die Hormonumstellung während der Schwangerschaft wachsen die Haare meist besonders üppig. Nach der Geburt fallen sie dafür verstärkt aus. Meist normalisiert sich nach einigen Monaten das Haarwachstum wieder.
  • Dauerwellen und Tönungen fördern Haarausfall.
    Falsch!
    Regelmäßige und intensive Behandlungen können zwar die Kopfhaut reizen; die Haare werden trocken, spröde und verlieren an Glanz. Haarausfall fördern sie jedoch in der Regel nicht.
  • Haare, die mit der Wurzel ausgefallen sind, wachsen nie wieder nach.
    Falsch! Sind die Wachstumszellen im zwiebelförmigen Wurzelbalg nicht beschädigt und werden mit Nährstoffen versorgt, wachsen diese Haare auch wieder nach.

 

Wie sich der Haarwuchs bei Männern entwickelt

Untersuchungen haben gezeigt, dass Männer sich nur den Großvater mütterlicherseits genau anzuschauen brauchen, um zu prognostizieren, wie ihr Haarwuchs sich mit der Zeit verändert. Der Grund ist das Gen für den Androgen-Rezeptor, der für das männliche Erscheinungsbild – so auch für den männlichen Haarwuchs – verantwortlich ist. Dieses liegt auf dem X-Chromosom, das von der Mutter weitergegeben wird.

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Prof. Dr. med. Rudolf Herbst
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