Die Haut als Hinweisschild für innere Erkrankungen

Vor allem Diabetiker sollten ihre Haut regelmäßig inspizieren und pflegen. Foto: HELIOS Kliniken

Das größte Organ unseres Körpers ist die Haut. Etwa jeder vierte Deutsche leidet an einer Hauterkrankung - von A wie Akne bis Z wie Zoster (Gürtelrose). Allerdings können hinter Symptomen wie Rötungen, Pustelbildung oder Juckreiz viele verschiedene Ursachen stecken: Viele internistische Erkrankungen wie Leberentzündungen, Herzschwäche oder Diabetes mellitus gehen mit Veränderungen der Hautoberfläche, der Schleimhäute oder Hautanhangsgebilde wie Haare oder Nägel einher. Werden Hautveränderungen früh erkannt, können Grunderkrankungen schneller und effektiver diagnostiziert und behandelt werden.

 

Unsere Haut (lat. derma) hat viele wichtige Funktionen: Sie schirmt alle inneren Organe wie Leber oder Herz gegen verschiedene Reize ab, regelt die Körpertemperatur, unseren Wasserhaushalt und hat wesentliche immunologische Funktionen. So hat die Haut ein eigenes System zur Abwehr von Bakterien, Viren und anderen krankmachenden Keimen. Veränderungen der Hautfarbe können Anzeichen einer internistischen Grunderkrankung sein. "Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass mehr als 30 Prozent der fachlichen Fragen an uns von Internisten gestellt werden", sagt Prof. Dr. med. Percy Lehmann, Direktor des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie – Kompetenzzentrum Hautkrebs am HELIOS Klinikum Wuppertal.

 

Bei blasser Haut liegt meist eine schlechte Durchblutung vor; der Kreislauf kann kollabieren, sogar Ohnmachtsanfälle sind möglich. Eine weitere Ursache für Blässe können aber auch Herz- oder Nierenschwäche und Blutarmut (Anämie) sein. "Hautveränderungen treten bei einer Reihe von Krankheiten der inneren Organe auf. Diese Auffälligkeiten an der Haut können sogar noch vor anderen Symptomen auftreten. Auch deshalb ist eine enge Kooperation mit Dermatologen für andere Fachgebiete sehr wichtig", sagt Privatdozent Dr. Henning T. Baberg, Chefarzt der Kardiologie und Nephrologie am HELIOS Klinikum Berlin-Buch.

 

Lagert sich an der Unterhaut und an der Lederhaut des Auges (Skleren) vermehrt der Gallenfarbstoff Bilirubin ab, kommt es zu einer gelblichen Verfärbung der Haut, der sogenannten Gelbsucht, die immer auf eine akute Erkrankung hinweist und abgeklärt werden sollte. "Die Gelbsucht ist leider ein sogenanntes unspezifisches Symptom", erklärt Dr. Baberg. "Er begleitet sowohl Autoimmunerkankungen, Krankheiten der Leber aber auch Stoffwechselerkrankungen oder Tumore im Magen-Darm-Trakt."

 

Bläuliche Verfärbungen (Zyanose) der Haut oder Schleimhäute, starke Gesichtsrötungen oder viele stecknadelkopfgroße Einblutungen (Petechien) im Bereich des Rumpfes oder der Extremitäten sind Zeichen für Herzerkrankungen wie angeborene Herzfehler oder Herzmuskelentzündungen. "Derartige Veränderungen werden von Patienten oftmals nicht wahrgenommen oder ihnen wird keine Bedeutung zugemessen, deshalb ist fachkundiger Rat so wichtig", sagt Dr. Baberg.

Bei Magersucht ist meist der Nackenbereich gelblich verfärbt. "Die Haut der Betroffenen ist zudem in der Regel trocken und haarlos. Auch Risse im Mundwinkelbereichen – medizinisch Rhagaden – können auftreten", sagt Prof. Lehmann.

 

Die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus ist die weltweit am häufigsten auftretende Stoffwechselerkrankung, die mit vielfältigen Hautproblemen einhergeht.

 

Eine sehr charakteristische Hautveränderung, die bei über 70 Prozent der Diabetiker – vor allem bei männlichen – auftritt, ist die Erkrankung der Lederhaut. Braun-rötliche, leicht schuppige Fleckenherde treten dabei vor allem im Schienenbein- und Knöchelbereich auf. An den betroffenen Stellen ist die Haut zusätzlich sehr dünn, was eine erhöhte Entzündungs- und Verletzungsgefahr birgt. Vier von fünf Diabetikern leiden meist unter einer sehr trockenen und schuppigen, leicht verwelkt aussehenden, faltigen Haut, die u.a. durch den hohen Wasserverlust der gestörten Stoffwechsellage verursacht wird. "Die Haut regelmäßig zu inspizieren und mit fett- und harnstoffhaltigen Lotionen zu pflegen, ist für Diabetiker besonders wichtig", rät Prof. Lehmann.

 

Bei vielen Bindegewebserkrankungen, sogenannten Kollagenosen, ist die Haut oft als erstes Organ befallen. So sind schmetterlingsförmige Hautrötungen im Gesicht oft das erste Zeichen einer Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes). Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die auch Gelenke, Nieren, Herz und Lunge befallen kann. Hier ist die Zusammenarbeit von Dermatologe, Rheumatologen und Internisten erforderlich, um die Patienten bestmöglich zu betreuen.

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Stichwort Gelbsucht

Gelbsucht (Ikterus) ist ein Symptom und kein eigenständiges Krankheitsbild. Grund für die gelbliche Hautverfärbung: Der Gallenfarbstoff Bilirubin kann nicht mehr vollständig über Leber und Galle ausgeschieden werden und lagert sich vermehrt im Körper an. Der verhinderte Abfluss kann durch Gallensteine, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Gallengangsentzündungen hervorgerufen werden. Aber auch eine Störung der Leberzellenfunktion – bedingt z.B. durch Hepatitisviren, Alkohol oder durch eine Leberverfettung – kann den Gallenabfluss behindern. Gelbsucht sollte immer medizinisch abgeklärt werden.

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Ein Quadratzentimeter Haut in Zahlen

  • 6 Millionen Zellen
  • 5.000 Sinneskörper
  • 100 Schweißdrüsen
  • 100 Druckpunkte
  • 200 Schmerzpunkte
  • 4 Meter Nervenfasern
  • 1 Meter Adern
  • bis zu 40 Talgdrüse
  • 12 Kälterezeptoren
  • 2 Wärmerezeptoren
  • 5 Haare

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Direktor des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie, HELIOS Klinikum Wuppertal
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