X- oder O-Beine: Fehlstellungen bei Kindern korrigieren

Nach der Beinkorrektur musste Kenan das Gehen wieder üben. Bild: HELIOS Kliniken

Veränderungen der Beinachse sind bei Kleinkindern und Kindern in den Wachstumsphasen normal. Bleiben die O- oder X-Beine bestehen, müssen die Fehlstellungen behandelt werden, sonst drohen Folgeerkrankungen.

Der Gang von kleinen Kindern, die gerade erst laufen lernen, ähnelt aufgrund der typischen O-Beine einer watschelnden Ente. Laufen die Kleinen ab dem zweiten Lebensjahr sicherer, verändern sich auch die Bewegungsabläufe, die Beine haben dann einen leichten X-Stand – bis ins Schulalter von etwa sechs bis acht Jahre hinein.

In der Wachstumsphase sind O- und X-Beinstellungen normal. "In der Regel sollten die Beine bei Mädchen im Alter von neun Jahren und bei Jungen mit zehn Jahren ausgegradet sein", sagt Privatdozent Dr. med. Holger Mellerowicz, Chefarzt der Klinik für Kinderorthopädie am HELIOS Klinikum Emil von Behring in Berlin.

Stärkere X- oder O-Beinstellungen werden vom Kinderarzt bei den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen beobachtet, denn sie können auch Symptome unterschiedlicher Erkrankungen sein. Dazu gehören beispielsweise Vitamin-D-Mangel (Rachitis), Hormonstörungen, Entzündungen oder Tumore. Übergewicht kann eine weitere Ursache für Fehlstellungen sein.

Gleichen sich die Fehlstellungen nicht von selbst oder durch die Behandlung der Grundkrankheit aus, oder wird festgestellt, dass die Achsenabweichung bei einem Bein stärker ist als bei dem anderen, ist eine operative Behandlung erforderlich. Das Begradigen von Beinfehlstellungen hat keine kosmetischen Gründe: Die Folgen der Fehlstellung können Knorpelschäden (Meniskopathien) oder Gelenkverschleiß (Arthrose) des Kniegelenks hervorrufen, aber auch Hüftprobleme auslösen.

 

Bei Kindern wird häufig eine Klammerkorrektur angewandt. Durch Metallklammern oder -Plättchen werden auf beiden Innenseiten oberhalb des Knies die Wachstumsfugen blockiert. Der Erfolg zeigt sich schnell: Das Bein wächst außen weiter, innen nicht. Bei der Korrektur von O-Beinen wird das gleiche Verfahren angewendet. Hier sind die Klammern an der Außenseite des Beins angebracht. "Damit es nicht zu einer Überkorrektur kommt, sind engmaschige Kontrollen erforderlich", sagt Dr. Mellerowicz. Sobald sich die Fehlstellung verwachsen hat, werden die Klammern wieder entfernt.

Wenn die Knochen bereits ausgewachsen sind, können Achsabweichungen der Beine mit einer so genannten Osteotomie korrigiert werden. Hier wird operativ aus der Innenseite des Oberschenkelknochens ein keilförmiges Stück entfernt, um die schiefe Stellung auszugleichen. Die Bruchstelle wird mit neuartigen winkelstabilen Platten stabilisiert, die eine schnelle Belastungsfähigkeit nach dem Eingriff erlauben.

Tipps zur Vorbeugung:

  • Barfuß laufen
  • viel Bewegung/Sport
  • Calcium- und Vitamin-D-reiche Ernährung
  • bei Auffälligkeiten frühzeitig Vorstellung beim Kinderorthopäden
Bild: HELIOS Kliniken

Priv.-Doz. Dr. med. Holger Mellerowicz
Chefarzt der Klinik für Kinderorthopädie, HELIOS Klinikum Emil von Behring
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