Burnout – wenn Körper und Psyche um Hilfe rufen

Prof. Dr. med. Andreas Broocks
Neurologe, Psychiater, Psychotherapeut
Ärztlicher Direktor der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik, HELIOS Kliniken Schwerin
(Foto: HELIOS Kliniken)

Immer häufiger hört man von Menschen, die unter einem Burnout leiden. In Lehrbüchern über psychische Erkrankungen sucht man jedoch vergeblich nach einer solchen Störung. Auch für die Krankenkassen existiert keine Erkrankung mit dem Namen Burnout. In der Regel ist mit Burnout ein Erschöpfungssyndrom gemeint, das im Zusammenhang mit einer länger andauernden beruflichen oder auch privaten Überforderungssituation steht. Prof. Dr. med. Andreas Broocks, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, HELIOS Kliniken Schwerin, erklärt, wie es zu einem Burnout kommen und wie Betroffenen geholfen werden kann.

 

Wie kommt es zu einem Burnout?

 

Viele Betroffene berichten von einer Arbeitsverdichtung im Job, immer mehr Überstunden fallen an. Einige Betroffene grübeln nachts über die nicht erledigten Aufgaben oder darüber, wie sie den nächsten Tag schaffen sollen. Die Folge sind oftmals Schlafstörungen. Weitere Beschwerden können Appetitmangel, Magen- und Darmstörungen, Rücken- oder Kopfschmerzen und eine unangenehme innere Unruhe sein. Die Symptome gleichen einer leichten depressiven Verstimmung. Wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, kann sich eine richtige Depression entwickeln. In solchen Fällen gelingt es bald nicht einmal mehr, sich zur Arbeit zu quälen. Gerade morgens ist die Stimmung besonders gedrückt. Bei der Arbeit fallen zunehmende Konzentrationsstörungen auf. Den Betroffenen gelingt es nicht mehr, sich am Wochenende oder durch einen kurzen Urlaub zu erholen.

 

Welche Menschen sind besonders anfällig für einen Burnout?

 

Vor allem die besonders guten und pflichtbewussten Mitarbeiter sind anfällig. Das sind diejenigen, die nicht "Fünfe gerade sein lassen", weil sie keine Fehler machen wollen. Bei zunehmender Überlastung nehmen sie die Arbeit mit nach Hause und setzen auch noch das Wochenende dran. In der Regel schätzt der Chef diese Mitarbeiter ganz besonders, weil er weiß, dass sie ihn in Krisenzeiten nicht im Stich lassen und auch bei Arbeitsüberlastung nicht Nein sagen, wenn noch etwas Zusätzliches dringend erledigt werden muss.

 

Wie geht es in solchen Fällen weiter

 

Je mehr jemand arbeitet – und dann noch unter Druck – desto häufiger kommt es zu Fehlern. Aufgrund ihres großen Verantwortungsbewusstseins leiden Menschen mit einer Burnout-Veranlagung besonders unter ihren Fehlern. Sie machen sich häufig Vorwürfe, dass sie hätten sorgfältiger sein müssen. Manche Betroffene versäumen es, die Notbremse zu ziehen und rechtzeitig fachärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie müssen am Ende stationär behandelt werden. Wenn sich das Vollbild einer Depression entwickelt hat, kann es viele Wochen bis Monate dauern bis es zur Genesung kommt.

 

So beugen Sie einem Burnout vor

 

  • Sport: Egal, ob Ausdauer- oder Krafttraining – eine gute körperliche Fitness trägt zu einem besseren psychischem Befinden bei
  • Vollwertige Ernährung: Speisen mit ausreichendem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren beispielsweise regen den Stoffwechsel an und wirken stimmungsaufhellend. Diese sind u.a. in Seefisch, Oliven, Walnuss und Distelöl enthalten.
  • Feste Aufsteh- und Essenszeiten: Sie wirken sich günstig auf den Biorhythmus aus
  • Tageslicht: Helligkeit hebt die Stimmung, in der dunklen Jahreszeit kann eine Lichttherapie helfen
  • Zeitmanagement: Die Freizeit darf nicht zu kurz kommen, allerdings muss jeder seine individuelle "Work-Life-Balance" finden
  • "Nein" sagen: Belastungsgrenzen erkennen und lernen, Aufgaben auch abzugeben

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