Zeitumstellung: Mini-Jetlag für den Körper

Die Zeitumstellung am Wochenende bedeutet auch eine Umstellung für unseren Körper. (Foto: HELIOS Kliniken GmbH)

Am kommenden Wochenende ist es wieder soweit: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Die Sommerzeit beginnt. Welche Auswirkungen das auf unseren Körper hat, wie lange dieser braucht, um sich an die neue Zeit zu gewöhnen und was Eltern beachten sollten, verrät unser Experte Dr. Björn Walther, Oberarzt in der Klinik für Neurologie und Leiter des Schlaflabors im HELIOS Klinikum Erfurt.

 

Herr Dr. Walther, gibt es Unterschiede zwischen der Zeitumstellung Sommer- auf Winter- und Winter- auf Sommer-Zeit?

Schlafen und Wachen sind genau wie andere biologische Vorgänge unseres Körpers - etwa die Hormonproduktion oder Wachstumsvorgänge - internen Rhythmen unterlegen. Der Rhythmus, der all dies steuert, wird als Zirkadian, also einen ganzen Tag umspannend, bezeichnet. Er ist die Grundlage unserer "inneren Uhr". Inzwischen weiß man, dass unsere innere Uhr genetisch bestimmt ist. Das heißt: Wie lange und auch in welchem Zeitraum wir schlafen, ob wir Frühaufsteher oder Morgenmuffel werden, scheint schon bei der Geburt festzustehen. In Untersuchungen hat man außerdem festgestellt, dass unter Ausschluss von äußeren Reizen wie Licht, Medien, Verkehrslärm etc. unsere innere Uhr eigentlich einen 25 Stunden-Tag vorgibt. Ein Geschenk der Evolution: unsere innere Uhr läuft etwas langsamer als die Umdrehung der Erde, die uns einen 24 Stunden Tag vorgibt. Durch diese Differenz ist unsere innere Uhr flexibel und kann reguliert werden. Aber: sie ist individuell verschieden auch sehr empfindlich. Bei der Umstellung auf die Sommerzeit haben wir mit dem Problem zu kämpfen, dass unser sowieso schon verkürzter Tag um eine weitere Stunde (auf 23 Stunden) verkürzt wird. Das ist unangenehm und wird deutlich schlechter kompensiert als die Rückstellung der Uhr auf die Winterzeit. Dennoch: Beide Zeitveränderungen können sich wie ein Mini-Jetlag auf den Körper auswirken. Vor allem beim Start in die Sommerzeit leiden viele Menschen unter Anpassungsproblemen wie Schlafstörungen, Unwohlsein, Müdigkeit am Tage, depressive Verstimmung und Appetitlosigkeit.

 

Gibt es bestimmte Tipps, die besonders ältere Menschen oder Kinder beachten sollten?

In erster Linie sind wohl vor allem Berufstätige betroffen. Umfragen haben ergeben, dass besonders Menschen zwischen dem 30 und 50. Lebensjahr unter der Umstellung zur Sommerzeit leiden. Bei Kindern sollte in den Tagen der Sommerzeitumstellung auf regelmäßige Bettzeiten geachtet werden; bereits im Vorfeld der Umstellung sollten sie ein wenig nach vorn gelegt werden So wird der Übergang erleichtert und Müdigkeit am Tage vermieden. Auch Menschen, egal ob jung oder älter, die Probleme mit der Anpassung haben, sollten in den Tagen vor der Zeitumstellung alle Verrichtungen einschließlich der Einnahme des Abendessens etwas nach vorn verlegen, dann fällt es leichter. Bei der Umstellung im Herbst gibt es seltener Probleme. Hier sollte ähnlich gehandelt werden, nur dass die Verrichtungen und Bettzeiten leicht nach hinten verschoben werden sollten.

 

Wie lange dauert es, bis sich die innere Uhr reguliert hat?

Allgemein können sich sogenannte Abend- oder Eulentypen besser an neue Rhythmen anpassen. Morgen- oder Lerchentypen, d.h. Menschen die am Abend zeitig zu Bett gehen und morgens gut in Gang kommen, und vor allem junge Menschen scheinen bei der Sommerzeitumstellung etwas im Vorteil zu sein. Nach der Umstellung auf die Sommerzeit kann aber manchmal ein normaler Rhythmus selbst nach vier Wochen noch nicht wieder gefunden sein. Wichtig: Möglichst regelmäßige Bettzeiten einhalten und sonst am Schlafverhalten wenig ändern! Denn Schlaf lässt sich kaum nachholen. Vor allem durch einen vertieften Schlaf kompensieren wir Schlafmangel oder schlechte Nächte.

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