Wenn Spinat gefährlich wird... - Medikamente richtig einnehmen

Bild: HELIOS Kliniken

Muss die Tablette auf nüchternen Magen oder nach dem Essen genommen werden? Ist Saft zum Hinunterspülen geeignet? Und vertragen sich immer alle Speisen mit allen Medikamenten? Fragen wie diese beschäftigen viele Menschen, nachdem ihnen der Arzt ein Medikament verschrieben hat. Das Nachhaken ist berechtigt, denn mitunter entscheidet der Zeitpunkt der Einnahme oder die Kombination mit bestimmten Getränken oder Nahrungsmitteln, ob die Arznei die gewünschte Wirkung entfalten kann.


Der Körper kann manche Medikamente in Kombination mit einer Mahlzeit nicht verarbeiten. Andere Wirkstoffe entfalten sich hingegen am besten, wenn der Magen-Darm-Trakt vor der Einnahme bereits stimuliert wurde. "Man sollte den Arzt oder Apotheker immer fragen, auf welche Besonderheiten zu achten ist“, rät Prof. Dr. med. Petra Thürmann, Direktorin des Philipp-Klee-Instituts für klinische Pharmakologie am HELIOS Klinikum Wuppertal. Wann ein Medikament im Idealfall genommen werden sollte, bestimmt der Wirkstoff oder die Beschaffenheit der Tablette oder Kapsel. "Wird das Medikament in Tropfenform verabreicht, ist der Zeitpunkt der Einnahme meist egal", sagt die Leiterin des Philipp-Klee-Instituts.

 

Bei den meisten Antibiotika ist es wichtig, darauf zu achten, ob sie nüchtern oder nach dem Essen eingenommen werden sollen. Auch bei Mitteln gegen Osteoporose kommt es auf Genauigkeit an. Die Einnahme sollte eine halbe Stunde vor der Mahlzeit mit viel Wasser erfolgen. Der Wirkstoff ist in chemischer Hinsicht so komplex, dass der Körper sonst Schwierigkeiten mit der Aufnahme hat. Es handelt sich um Phosphorverbindungen, die normalerweise in den Knochen – nicht aber im Magen – vorkommen. "Für den Verdauungstrakt ist die Verarbeitung in etwa so schwierig als ob Sie Zement schlucken", sagt die Pharmakologin. Bei Schmerzmitteln mit dem Wirkstoff ASS bietet sich hingegen eine Einnahme nach dem Essen an. Grund: Die Acetylsalicylsäure reizt den Magen.

 

Obstsäfte, Cola oder Heißgetränke eignen sich nicht für die Einnahme von Tabletten. "Generell sollten Medikamente mit Wasser eingenommen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Pillen schon im Mund – und damit zu früh – auflösen." Orangen- oder Grapefruitsaft können bei der Zuführung von Medikamenten sogar gefährlich sein. "In diesen Säften befinden sich natürliche Inhaltsstoffe, die den Abbau der Medikamente in der Leber beeinträchtigen", sagt die Wuppertaler Pharmakologin. Die Folge: Der sogenannte Wirkspiegel steigt und es kann zu einer Überdosierung kommen. Dieses Phänomen wurde insbesondere im Zusammenhang mit Blutdruck senkenden Kalziumkanalblockern, mit dem Asthma-Wirkstoff Theophyllin sowie mit dem Medikament Ciclosporin (vermindert die Funktion des Immunsystems, z.B. nach Organtransplantation) beobachtet.

 

Auch die Wahl der Speisen kann sich auf die Wirksamkeit eines Medikaments auswirken. Wer beispielsweise Blutverdünner nimmt, sollte immer Rücksprache mit seinem Arzt halten: Einige Mittel vertragen sich nicht mit Nahrungsmitteln mit hohem Vitamin-K-Anteil. Dazu gehören grünes Gemüse wie Spinat, Brokkoli und Grünkohl sowie frische Kräuter und die in Hessen beliebte "Frankfurter grüne Soße". "Das Vitamin K hebt die Wirkung mancher Blutverdünner auf“, sagt Prof. Thürmann. Es bestehe dann die Gefahr einer Thrombose.

 

Was Sie bei der Medikamenteneinnahme beachten sollten – fünf Tipps:

  • Antibiotika aus der Gruppe der Tetracycline sollten nie mit Milchprodukten eingenommen werden. Das Kalzium kann dazu führen, dass der Wirkstoff vom Körper nicht aufgenommen wird.
  • Vorsicht bei Gemüse mit einem hohen Gehalt an Vitamin K (Spinat, Brokkoli, Blumenkohl): Es kann die Wirkung von Blutverdünnern aufheben.
  • Eine größere Menge Grapefruitsaft (ab 0,5 Liter) kann bei verschiedensten Medikamente zu Wechselwirkungen führen. Ciclosporin wird in seiner Wirkung zum Beispiel so gesteigert, dass es zu Nierenschäden führen kann.
  • Lakritz in zu großen Mengen kann die Wirkung von Blutdrucksenkern  aufheben.
  • Die Muntermacher Tee, Kaffee und Cola sind beliebt – können jedoch bei der gleichzeitigen Einnahme mancher Antibiotika (z.B. Gyrasehemmer) zu Unruhe und Herzrasen führen.

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Prof. Dr. Petra Thürmann,
Direktorin des Philipp-Klee-Instituts für klinische Pharmakologie am HELIOS Klinikum Wuppertal

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