Schon jetzt vergessen? Die guten Vorsätze fürs neue Jahr– und wie Sie sie tatsächlich durchhalten!

Prof. Dr. med. Andreas Broocks
Neurologe, Psychiater, Psychotherapeut
Ärztlicher Direktor der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik, HELIOS Kliniken Schwerin
(Foto: HELIOS Kliniken)

Jedes Jahr aufs Neue wurden sie zum Silvesterabend geschmiedet: Die guten Vorsätze. Und oft sind sie schon jetzt, nur wenige Tage später, bereits "über Bord" gegangen. Weniger Rauchen, mehr Sport, gesündere Ernährung - was sich so gut und vernünftig anhörte, ist oft schon jetzt wieder dem alten Trott gewichen. Warum ist das so? Wie hält man einmal gefasste Vorsätze tatsächlich durch? Prof. Dr. med. Andreas Broocks, Neurologe, Psychiater, Psychotherapeut und Ärztlicher Direktor der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik (HELIOS Kliniken Schwerin) gibt Auskunft.

 

Wie kommt es, dass viele Menschen mit guten Vorsätzen in das neue Jahr gehen wollen?

 

Prof. Dr. med. Andreas Broocks: Das Jahresende ist für viele Menschen eine Zeit des Zurückschauens und Bilanzierens. Manche stellen fest, dass sie immer noch nicht mit dem Rauchen aufgehört haben, dass sie eigentlich mehr Sport treiben wollten oder dass im Hüftbereich mal wieder ein Jahresring dazugekommen ist. Deshalb macht es Sinn, das neue Jahr nun endlich in bessere Bahnen lenken zu wollen. Die Vorstellung, dass etwas Altes zu Ende geht und dass nun ein ganz neues, noch unbelastetes Jahr beginnt, spielt bei solchen Entschlüssen eine Rolle.

 

Viele Menschen klagen, dass die guten Vorsätze meist nur für wenige Tage oder Wochen angehalten haben - wie kommt das?

 

Das hat verschiedene Ursachen. Zum einen die schon genannte unrealistische Vorstellung, man würde unbelastet ins neue Jahr gehen. Richtig ist, dass der Mensch recht eingeschliffene Denkweisen und Gewohnheiten hat, die sich nicht einfach durch einen guten Vorsatz verändern lassen. Jeder, der eine Diät gemacht hat, weiß, wie schnell sich die alten Essgewohnheiten wieder durchsetzen. Auch der Entschluss, künftig mehr Sport zu treiben, scheitert in den allermeisten Fällen - "Keine Zeit gehabt, nicht gut gefühlt, keine Lust, Wichtigeres lag an etc." Der Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, ist bei vielen Betroffenen mit gemischten Gefühlen verbunden. Einerseits weiß man um die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens, andererseits ist aber der Glaube tief verwurzelt, dass Rauchen auch sehr hilfreich sein kann: bei Stress, gut für die Konzentration, gut für's Gewicht usw. Solange solche Irrtümer mein Denken beherrschen und solange ich glaube, ich würde etwas aufgeben, was so angenehme Begleiteffekte hat, bleibt mein Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, sehr vordergründig und brüchig.

 

Das hört sich so an, als ob man es mit den guten Vorsätzen von vornherein ganz lassen sollte?

 

Nein, ganz und gar nicht. Gute Vorsätze sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Verhaltensänderung. Wichtig ist, dass die guten Vorsätze nicht so einfach aus einer Laune heraus oder zwischen Tür und Angel beschlossen werden, sondern dass man in Ruhe und auch etwas tiefer gehend nachdenkt. Gerade das ist in der Weihnachtszeit aber oft gar nicht möglich. Dies ist aber notwendig, um Fragen wie die folgenden wirklich ganz klar zu bekommen: Will ich wirklich mit dem Rauchen aufhören? Oder mehr Sport treiben? Welche Gründe sprechen dafür? Am Besten ist es, alle Argumente, die dafür sprechen, schriftlich zu sammeln. Was spricht dagegen? Hier muss überprüft werden, ob wirklich echte Gründe dagegen sprechen. Wichtig ist, dass man an dieser Stelle im Kopf zu einer absoluten Klarheit kommt.

 

Sie meinen, die klare Entscheidung und der Wille sind das Entscheidende?

 

Ja, aber noch etwas ist wichtig. Über Jahre eingeschliffene Gewohnheiten sind nicht leicht zu überwinden, ohne eine gute Handlungsstrategie geht es nicht. Zum  Beispiel Sport: Hier ist ein realistischer Trainingsplan erforderlich, der mit kleinen Schritten beginnt und dann vielleicht erst nach Monaten den gewünschten Level erreicht. Entscheidend ist, dass man den Plan wirklich Schritt für Schritt befolgt und hierzu auch tägliche Eintragungen in ein Protokoll, ein sogenanntes Aktivitätstagebuch, macht. Die Teilschritte müssen natürlich realistisch sein und es sollte sich mit der Zeit eine gewisse Freude an der Aktivität entwickeln. Anfangs darf man sich allerdings nicht davon abschrecken lassen, dass es jeden Tag wieder Überwindung kostet. Dafür sollte man sich dann belohnen.

 

Das hört sich nach harter Arbeit an!

 

Ja, es erfordert in der Regel harte und konsequente Arbeit, wenn man sein Verhalten wirklich verändern will. Die Verhaltenstherapie beschäftigt sich ja im Kern gerade damit, wie ein Mensch sein Problemverhalten dauerhaft verändern kann. Wenn es im Alleingang einfach nicht klappt, sollte man die Frage nach einer therapeutischen Unterstützung stellen. Dann kann auch genau analysiert werden, warum es beim letzten Anlauf nicht funktioniert hat, wodurch sich die Chancen für den nächsten Versuch deutlich erhöhen.

 

Haben Sie zum Abschluss noch einen Tipp für diejenigen, die zu Beginn des  neuen Jahr wirklich etwas verändern wollen?

 

Ich persönlich habe die besten Erfahrungen damit gemacht, zwei bis drei Tage in ein Kloster oder eine vergleichbare Einrichtung fährt. Gerade eine Zeit des Schweigens, in der man sich nicht durch Telefonate, Bücher oder Gespräche ablenken lässt, führt dazu, dass sich vieles im Kopf neu ordnet, dass man erkennt, was wirklich wichtig ist und wie die nächsten Schritte ganz praktisch aussehen sollten.

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