Fußball, Sonne, Alkohol: Wenn aus der Feierlaune eine Alkoholabhängigkeit wird

Notfall Alkoholabhängigkeit: Immer mehr Jugendliche sind betroffen.
(Bild: HELIOS Kliniken)

Die Spannung vor dem Viertelfinale steigt: Wenn die deutsche Nationalelf am Donnerstag in Basel alles geben wird, steigen zu Hause Fanpartys, Feierlaune und Fußballtrubel. Nicht selten jedoch wird das Fußball-Sommermärchen zum Alptraum und die Party endet für viele Jugendliche im Vollrausch. Aus Sicht von Medizinern ist dies - nicht nur während der EM - eine äußerst beunruhigende Entwicklung. Denn gerade Jugendliche sind besonders suchtgefährdet. HELIOS Experten geben Ratschläge, wie Eltern erkennen können, ob bei ihrem Kind aus der Feierlaune eine Alkoholsucht geworden ist.

Sich mal betrinken, richtig die Kante geben und es allen in der Clique zeigen, dazugehören: Fast jeder hat das schon einmal erlebt. Auch für Prof. Axel

Sauerbrey, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am HELIOS Klinikum Erfurt, gehört das in seiner Klinik zum medizinischen Alltag. "Ein bis zwei Jugendliche im Vollrausch werden bei uns pro Woche mit dem Notarztwagen eingeliefert", berichtet der Mediziner. Die Symptome sind meist die gleichen: Unterzuckerung, Bewusstseins- und Atemfunktionsstörungen. Oft können die 12- bis 17-Jährigen nicht einmal mehr ihren Namen nennen.

 

Was passiert, wenn es nicht beim berühmten "einmal ist keinmal" bleibt und die Lust auf Alkohol zur Sucht wird? Welche Auswirkungen hat dies auf die Gesundheit der Jugendlichen, die oft sogar noch Kinder sind? "Die Hirnfunktionen werden massiv gestört –Gedächtnisverlust ist keine Seltenheit", sagt Prof. Sauerbrey. "Chronischer Alkoholkonsum führt außerdem zu Schädigungen der Leber und des Magens. Eine besonders dramatische Folge ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, ein lebensbedrohliches Krankheitsbild."

 

Damit es bei jungen Menschen nicht zu einer Alkoholsucht kommt, ist eines besonders wichtig:  miteinander reden. Kinder brauchen und suchen oft einen Halt und die Unterstützung der Familie. Das weiß Dr. Markus Stuppe, Chefarzt der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen der HELIOS Kliniken Schwerin. Er bietet Jugendlichen und Erwachsenen eine Perspektive, um von der Sucht loszukommen. "Alkohol zu trinken ist Teil des Entwicklungsprozesses im Leben. Junge Menschen müssen jedoch die Regeln des Alkoholkonsums kennen und lernen, mit ihnen umzugehen", so Stuppe.

 

Mit seinem Team begleitet der Mediziner Jugendliche und Erwachsene, die sich ihrer Suchterkrankung stellen und einen Weg aus dem Teufelskreis suchen.

Aus eigenen Stücken den Weg in die Klinik finden – ob in einer akuten Konsumphase oder nach gescheiterten ersten Schritten aus der Suchthölle – ist für einen guten Therapiebeginn wichtig, aber nicht entscheidend. "Die Patienten haben hier auch viel Eigenverantwortung", so Dr. Stuppe. "Sie müssen mit unseren Regeln einverstanden sein und lernen, in einem Haus miteinander zu leben."

 

So wirken zum Beispiel die abgeschlossenen Türen nicht bedrohlich oder einengend. Vielmehr erinnern sie sie die jungen Patienten daran, nicht impulsiv einem plötzlichen Verlangen nach Alkohol oder Drogen nachzugehen. Alle Patienten haben ein gemeinsames, sehr großes Ziel vor Augen: Nach drei Wochen Klinikaufenthalt wollen sie zurück in ihr eigenes, selbständiges Leben zurückkehren. Das ist nicht immer einfach. Ein guter Therapieplan wie in Schwerin trägt dazu bei: Bereits während dem harten körperlichen Entzug  - sowohl mit Medikamenten als auch mit alternativen Mitteln wie Tee und Akupunktur – wird ein individueller Therapieplan für jeden Betroffenen erstellt. Mit auf dem Programm: Gemeinsame Mahlzeiten, individuelle Gesprächstherapie, Stresskompensationsübungen und sehr viel Sport. "Das Auspowern ist wichtig", sagt Dr. Stuppe.

 

Für psychosoziale Probleme stehen den Patienten Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter zur Seite. Sie leisten gute Vorarbeit – für die Zeit danach. Die ist oft besonders hart und nicht selten kommen die Patienten zurück. "Aber das ist in Ordnung. Jeder hat diese Chancen verdient", sagt der Mediziner mit Überzeugung.

 

Sechs Kriterien: Ab wann spricht man von einer Alkoholabhängigkeit?

  • Wenn der Suchtdruck "Ich muss trinken" überwältigend ist
  • Wenn ein Kontrollverlust über das Trinkverhalten besteht
  • Wenn Entzugserscheinungen auftreten, sobald man keinen Alkohol mehr trinkt
  • Wenn man seinen Alkoholkonsum steigern muss, um denselben Rauschzustand zu erreichen
  • Wenn man seine sozialen Kontakte und wichtigen Interessen vernachlässigt
  • Wenn man trinkt, obwohl man schon Folgeschäden hat

Treffen drei dieser sechs Kriterien - über einen Zeitraum von einem Jahr betrachtet - zu, so spricht man von einer Alkoholabhängigkeit.

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