Kinder aus Afghanistan erhalten medizinische Hilfe im HELIOS Klinikum Siegburg

Dr. Marcus Raum und der leitende Physiotherapeut Jakob Wiens mit den Kindern aus dem Friedensdorf. (Foto: HELIOS Klinikum Siegburg)

Bereits zum zweiten Mal haben Ärzte im HELIOS Klinikum Siegburg Kinder aus Afghanistan operiert. Amir und Sami*, zwölf und neun Jahre alt, kamen Mitte August mit schweren Verletzungen an den Beinen ins Klinikum. Mitarbeiter der Hilfsorganisation Friedensdorf International hatten die Jungen aus Afghanistan nach Deutschland geholt, um ihnen hier die notwendige medizinische Versorgung zu ermöglichen. Die Ärzte der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie behandelten die Kinder. Insgesamt drei Monate waren sie in der Klinik. Die letzte Nachuntersuchung hat jetzt gezeigt: Der Weg nach Deutschland hat sich für die beiden gelohnt.

 

Die medizinische Betreuung der kleinen Patienten lag in der Verantwortung von Chefarzt Dr. Marcus Raum. „Wir hatten Schwierigkeiten herauszufinden, wie sich die Kinder die Verletzungen zugezogen haben - auch wenn wir einen Arzt im Haus haben, der für uns ins Deutsche übersetzt hat. Letztlich gehen wir von Verkehrsunfällen aus. Den neunjährigen Sami hat es besonders schwer getroffen.“ Als der Junge in die Klinik kam konnte er nicht Laufen und saß im Rollstuhl. Die Ärzte stellten alte Brüche beider Unterschenkel fest. Im rechten Bein fehlte ein Teil des Knochens und es zeigten sich Spuren von schwersten Verbrennungen. „An Samis rechtem Bein fehlte ein Großteil seiner Haut. Sein linkes Knie war so stark vernarbt, dass das Bein über die Zeit völlig unbeweglich geworden war. Eine Streckung war nicht mehr möglich, Gehen völlig ausgeschlossen.“ In mehreren Operationen stellten die Siegburger Ärzte zunächst die Beweglichkeit des linken Beines wieder her. Zudem erhielt Sami eine spezielle Knieschiene für die Weiterbehandlung. Die Knie-Orthese dient dem Schutz, der Stabilisierung und der Entlastung des Kniegelenks und unterstützt die Streckfähigkeit seines Beines.

 

Den rechten Unterschenkel des kleinen Jungen konnten die Ärzte nicht retten, er wurde amputiert. „Das war für uns keine leichte Entscheidung und hat uns als behandelnde Ärzte sehr mitgenommen“, so der Chefarzt. „Wir haben lange über diesen Schritt beraten und alternative Behandlungsmöglichkeiten besprochen.“ Bei der Entscheidung sei jedoch auch die wenige Zeit, die den Ärzten in Deutschland für die Behandlung zur Verfügung steht, zu beachten gewesen. Ein halbes Jahr sind die Kinder aus dem Friedensdorf in Deutschland, danach müssen sie zurück in ihre Heimat. „Eine alternative Behandlung hätte Jahre gedauert – und selbst in Deutschland mit ungewissen Erfolgsaussichten. So haben wir uns nach Rücksprache mit dem Friedensdorf, als vorübergehender Vormund der Kinder, für die Amputation des Unterschenkels entschieden.“ Das Friedensdorf hat für Sami eine Beinprothese finanziert. „Die Prothese kann von Ärzten in Afghanistan überprüft und angepasst werden, da sehen wir keine Probleme. Wir haben Sami zudem durch intensive Krankengymnastik auf den Umgang und das Leben mit Prothese vorbereitet.“

 

Der zwölfjährige Amir hatte in seiner Heimat einen Unterschenkelbruch erlitten. Durch die unzureichende Behandlung vor Ort entwickelte sich eine Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis). Hierbei vermehren sich Bakterien im Knochenmark und zerstören die Stabilität des Knochens. Unbehandelt kann dies zu Wachstumsschäden und Fehlstellungen des Knochens führen. „Wir haben die Verletzung operiert und mit Antibiotika behandelt. Das Bein ist super verheilt, Schäden sind nicht zurückgeblieben“, so Dr. Marcus Raum.

 

Bevor die beiden im Februar in ihre Heimat zurückkehren, stand jetzt die letzte Nachuntersuchung in der Klinik an. „Sami kann bereits mit Krücken und kleinere Strecken sogar ohne laufen. Er ist super glücklich darüber, sich endlich ohne Rollstuhl fortbewegen zu können. Amir spielt sogar schon wieder Fußball. Das ist für uns der größte Erfolg. Es ist toll, dass wir helfen können und so große Fortschritte, so viel Lebensmut und Freude bei den Jungen sehen. Zum zweiten Mal waren nun Kinder aus dem Friedensdorf bei uns– bestimmt nicht das letzte Mal“, so der Mediziner.

 

Seit 1967 vermittelt die Hilfsorganisation Friedensdorf International aus Oberhausen verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten, die in ihren Heimatländern nicht behandelt werden können, zur medizinischen Versorgung in deutsche Kliniken. Hier werden sie ohne Kosten behandelt und kehren nach ihrer Rehabilitation in den Einrichtungen der Hilfsorganisation zu ihren Familien in die Heimat zurück. In dieser Zeit lernen sie etwa mit Prothesen zu laufen oder den Umgang mit Medikamenten. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Homepage der Hilfsorganisation.

 


*Namen geändert

 

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Info:
Das HELIOS Klinikum Siegburg ist ein Akut-Krankenhaus für gesetzlich und privat versicherte Patienten mit mehr als 350 Planbetten. Es garantiert ein abgestimmtes Angebot von fünf medizinischen Zentren, acht Fachkliniken, Belegärzten und Kooperationen im stationären und ambulanten Bereich. Ein Team aus über 850 Mitarbeitern arbeitet Hand in Hand für die Gesundheit und das Wohl der jährlich rund 43.000 stationären und ambulanten Patienten. Zukunftsorientiert betreibt das HELIOS Klinikum Siegburg eine eigene Krankenpflegeschule mit rund 75 Ausbildungsplätzen.

 

Zur HELIOS Kliniken Gruppe gehören 112 eigene Akut- und Rehabilitationskliniken inklusive sieben Maximalversorger in Berlin-Buch, Duisburg, Erfurt, Krefeld, Schwerin, Wuppertal und Wiesbaden, 72 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), fünf Rehazentren, 18 Präventionszentren und 14 Pflegeeinrichtungen. HELIOS ist damit einer der größten Anbieter von stationärer und ambulanter Patientenversorgung in Deutschland und bietet Qualitätsmedizin innerhalb des gesamten Versorgungsspektrums. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin. 

 

HELIOS versorgt jährlich mehr als 4,7 Millionen Patienten, davon rund 1,3 Millionen stationär. Die Klinikgruppe verfügt insgesamt über rund 35.000 Betten und beschäftigt rund 71.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2015 erwirtschaftete HELIOS einen Umsatz von rund 5,6 Milliarden Euro. Die HELIOS Kliniken gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius und sind Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“.

 

 

Pressekontakt:
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Referentin der Unternehmenskommunikation
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