Leistungsorientierte Mittel (LOM) bei HELIOS: Wettbewerb um die besten Konzepte zur Mediziner-Ausbildung

  • Im ersten Jahr seiner LOM-Initiative förderte HELIOS  bislang 37 Weiterbildungsprojekte im Konzern  
  • Ein Schwerpunkt: Ausbau konzernweiter Simulatorentrainings für Anästhesisten, Chirurgen, Urologen und Gynäkologen
  • 2012 fließen insgesamt 17 Millionen Euro in die Weiterbildung der HELIOS Mitarbeiter

Mediziner und Pflegekräfte bei HELIOS werden 2012 konzernweit an medizinischen Simulatoren aus- und weitergebildet. Insgesamt acht Simulatoren für ganz unterschiedliche Anwendungen hat HELIOS gekauft. Diese werden bislang in der Anästhesie, Chirurgie, HNO, Gynäkologie und Urologie eingesetzt. Simulatoren sind vergleichbar mit  Computerspielen, wobei der Arzt mithilfe echter Instrumente trainiert und seine simulierte Operation über einen Bildschirm verfolgt. Bei einigen Simulatorentrainings kommt zudem eine programmierbare Puppe zum Einsatz. Trainiert wird an Simulatoren etwa die Ultraschalluntersuchung, das laparoskopische Operieren („Schlüssellochtechnik“), aber auch die Kommunikation eines ganzen Anästhesie-Teams in komplexen OP-Situationen.

HELIOS ist mit diesem Programm der erste Klinikkonzern in Deutschland, der sein Weiterbildungsangebot für Mediziner und Pflegekräfte mit einem strukturierten Simulatortraining an allen Kliniken ergänzt. „Die Ausbildung unseres dringend gebrauchten medizinischen Nachwuchses ist an allen Kliniken, auf allen Medizinkongressen das zentrale Thema. Deshalb freue ich mich, dass wir in der Lage sind, dieses in der Krankenhauslandschaft einmalige Projekt an unseren 50 Akutkliniken umzusetzen. Es zeigt, dass die Aus-, Fort- und Weiterbildung, das Kümmern um den medizinischen Nachwuchs bei HELIOS eine zentrale Rolle zukommt“, sagt Waltraud Georg, Leiterin der ärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung an der HELIOS Akademie, die das Programm verantwortet.

Die Ausbildung an Simulatoren bietet viele Vorteile: „Ärzte, auch Chirurgen, lernen und trainieren ihre Fertigkeiten normalerweise am Patienten. Ein Pilot in der Ausbildung dagegen sitzt zunächst im Flugsimulator - nicht in einer Maschine mit Passagieren an Bord. Simulatoren in der Medizin geben uns die Möglichkeit, das Training zeitlich nach vorn zu verlagern, noch bevor der junge Arzt seine erste eigene OP durchführt“, sagt Professor Dr. med. Jörg-Peter Ritz, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie an den HELIOS Kliniken Schwerin. Das von ihm gemeinsam mit der Fachgruppe Chirurgie (dem Zusammenschluss aller chirurgischen Klinken im HELIOS Konzern) initiierte Simulatorentrainig für laporoskopisches Operieren wurde ebenfalls über LOM finanziert und steht kurz vor dem Abschluss der Pilotphase (siehe Seite 5).

Simulatoren bieten weitere Vorteile in der Ausbildung: Nachwuchs-Mediziner, aber auch erfahrene Chefärzte und Oberärzte, werden gezielt auf Ausnahmesituationen, etwa seltene Komplikationen bei einer Operation, vorbereitet. Zudem können junge Mediziner direkt an ihren Kliniken ausgebildet werden und müssen nicht zu Fortbildungsveranstaltungen reisen - ein oft erheblicher Zeitaufwand. „Denn es gibt nicht nur einen Nachwuchsmangel in unserem Fach. Hinzu kommt, dass unsere Ärzte in der Ausbildung viel unterwegs sind, um ihre Kurse zu absolvieren. Diese Zeit fehlt wiederum in der Klinik für ihre Ausbildung bei Operationen. Und das, obwohl die Anforderungen an die Fertigkeiten der jungen Kollegen steigen. Der Simulator schafft hier Abhilfe, denn er kommt zu uns in die Klinik“, so Prof. Jörg-Peter Ritz.

 

Leistungsorientierte Mittel (LOM) bei HELIOS

 

Ermöglicht wurde die Ausbildung an Simulatoren durch die 2011 bei HELIOS im Rahmen seiner Qualifizierungsinitiative eingeführten Leistungsorientieren Mittel (LOM). Der Klinikkonzern ist der erste private Klinikträger in Deutschland, der diese Mittel für die Umsetzung der besten Konzepte zur Weiterbildung seiner Mitarbeiter vergibt. „Mit der Initiative wollen wir alle Mitarbeiter ansprechen und die Vernetzung der unterschiedlichen Fachrichtungen und Kliniken fördern. Zudem sollen sämtliche Phasen der beruflichen Entwicklung bei der Vergabe der Mittel berücksichtigt werden“, so Karin Gräppi, HELIOS Konzerngeschäftsführerin Personal.

 

Der Wettbewerb im Konzern um die besten Konzepte ist lebhaft: Insgesamt 69 Anträge für leistungsorientierte Mittel mit Antragssummen zwischen 1.000 Euro und 1.170.000 Euro wurden in der ersten Antragsrunde bei der LOM-Jury eingereicht. Bei der Projektbewertung durch die Jury spielte das bisherige Engagement der Antragsteller im Bereich Fort- und Weiterbildung eine wichtige Rolle; zu diesem Aspekt mussten sie sich deshalb anhand verschiedener Kriterien positionieren und selbst einschätzen.

 

37 Projekte erhielten bislang den Zuschlag. Neben Simulatorentrainings gibt es auch Projekte zur Erarbeitung fester Curricula in den einzelnen Fachgebieten, zur Integration ausländischer Ärzte, oder Workshops für OP-Pflegekräfte.
LOM-Anträge können bei HELIOS alle stellen, die aus-, fort- und weiterbilden: medizinische Fachgruppen, in denen alle HELIOS Chefärzte einer Fachrichtung zusammengefasst sind, Medizinische Zentren, Bildungszentren, HELIOS Klinikverbünde und auch einzelne Kliniken. Gefragt sind auch fachgruppen- oder berufsgruppenübergreifende Ansätze zur strukturierten Weiterbildung. Bindende Voraussetzung für die Antragsstellung: Das von HELIOS bereits seit 2009 jährlich für jede Klinik bereit gesellte Mindestbudget in Höhe von 0,4 Prozent des Umsatzes ist bereits ausgeschöpft.

 

Nachwuchs und Weiterbildung im Fokus:
Die HELIOS Qualifizierungsinitiative

 

Ziel der Initiative ist, die Qualität der Aus-, Fort und Weiterbildung aller Berufsgruppen bei HELIOS weiter auszubauen. Interdisziplinarität, Interprofessionalität, Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit in der Qualifizierung sind zentrale Anliegen der Qualifizierungsinitiative. Dafür fließen zusätzliche finanzielle Mittel von jährlich bis zu fünf Millionen Euro. Weiterer Schwerpunkt der Qualifizierungsinitiative sind Angebote für Studierende bei HELIOS.
Zur HELIOS Kliniken Gruppe gehören 72 eigene Kliniken, darunter 50 Akutkrankenhäuser mit sechs Maximalversorgern in Berlin-Buch, Duisburg, Erfurt, Krefeld, Schwerin und Wuppertal sowie 22 Rehabilitationskliniken. Darüber hinaus hat die Klinikgruppe 32 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), fünf Rehazentren und 13 Pflegeeinrichtungen. HELIOS ist damit einer der größten Anbieter von stationärer und ambulanter Patientenversorgung in Deutschland und bietet Qualitätsmedizin innerhalb des gesamten Versorgungsspektrums. Sitz der HELIOS Konzernzentrale ist Berlin.
HELIOS versorgt jährlich mehr als 2,7 Millionen Patienten, davon mehr als 750.000 stationär. Die Klinikgruppe verfügt insgesamt über mehr als 23.000 Betten und beschäftigt über 43.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2011 erwirtschaftete HELIOS einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro. Die Klinikgruppe gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

 

Pressekontakt:
Constanze von der Schulenburg
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: (030) 521 321-522
E-Mail

Fotos:

Anhang

I. LOM-Projekte bei HELIOS (Auswahl)

Simulatorentraining in Chirurgie, Gynäkologie und Urologie (laparoskopisches Operieren)
Verantwortlich: Prof. Jörg-Peter Ritz, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie an den HELIOS Kliniken Schwerin, in Zusammenarbeit mit der HELIOS Fachgruppe Allgemein- und Viszeralchirurgie in Kooperation mit den Fachgruppen Gynäkologie und Urologie.
Zielgruppe: Alle Ärzte in Weiterbildung Chirurgie, Gynäkologie und Urologie
Lernziel: Angehende Chirurgen bei HELIOS erhalten an ihrer Klinik ein laparoskopisches Simulatorentraining, möglichst bevor sie einen Patienten operieren. Langfristiges Ziel ist ein strukturierter Ausbildungsplan (Curriculum), wonach jeder Assistenzarzt im Konzern pro Jahr ein laparoskopisches Simulatortraining erhält. Das Simulatortraining ist Bestandteil eines Gesamtkonzeptes der chirurgischen Weiterbildung, in dem Fortbildungskurse, praktische Übungen, Operationskurse und theoretische Inhalte vermittelt werden.
Lerninhalt: An einem Simulator für laparoskopisches Operieren lernen Ärzte in der Facharztausbildung das Operieren nach der „Schlüssellochtechnik“, also ohne großen Schnitt; etwa das Entfernen einer Gallenblase. Der Simulator ist eine Art Computerspiel: Der Arzt trainiert mithilfe echter Instrumente und verfolgt seinen virtuellen Eingriff über einen Bildschirm. Hierbei geht es darum, technische und manuelle Fertigkeiten zu erwerben sowie die Hand-Augen-Koordination und die Bewegungsabläufe zu trainieren. „Über das zweidimensionale Bild auf dem Bildschirm lernt der Operateur das Operieren im dreidimensionalen Raum“, erläutert Professor Ritz. Entscheidend für ihn ist: „Es reicht nicht, den Simulator nur hinzustellen, sondern das Simulatorentraining muss eingebettet sein in ein sinnvoll gestaltetes Ausbildungsprogramm.“
Status: Nach Abschluss der Pilotphase mit Trainings an neun HELIOS Kliniken optimiert die HELIOS Fachgruppe Allgemein- und Viszeralchirurgie gegenwärtig das Trainingsprogramm und wird dieses ab Herbst 2012 auf sämtliche HELIOS Kliniken ausrollen.

 

Simulatorentraining für die Anästhesie, Intensivmedizin , Kardiologie und Gastroenterologie
Verantwortlich:
Dr. Gerald Burgard, Chefarzt im Kollegialsystem am HELIOS Klinikum Erfurt, in Zusammenarbeit mit den HELIOS Fachgruppen Anästhesie, Gastroenterologie, Kardiologie und Intensivmedizin
Zielgruppe: Ärzte und Pflegekräfte der Fachrichtungen
Lernziel: Jeder HELIOS Mitarbeiter einer Intensivstation, der Anästhesie, eines Herzkatheterlabors oder der Endoskopie erhält in seinem Team einmal im Jahr ein Simulatorentraining, bei dem Routinemaßnahmen und ihre Komplikationen, aber auch Ausnahmesituationen gezielt trainiert und ausgewertet werden.
Lerninhalt: Das fachübergreifende Trainingsprogramm dient dazu, seltene und schwerwiegende Komplikationen zu managen sowie das Know-how, die Interaktion und die Kommunikation im Team in der Krise zu professionalisieren. Das Besondere: Trainiert wird an den einzelnen Standorten in den bestehenden Teams (acht bis zehn Mitarbeiter), die auch im Alltag zusammen arbeiten. Zum Training gehören eine programmierbare Puppe, ein Bildschirm sowie die Ausstattung eines Operationssaals und einer Intensivstation. Die Puppe wird so programmiert, dass das Team mit Ausnahmesituationen oder besonders schweren Komplikationen konfrontiert wird, die im Alltag nur selten vorkommen. Die Teams erhalten eine professionelle Begleitung ihres Trainings, die Reaktionen in der Trainingssituation werden anschließend ausgewertet (Audio/Video) und team-intern besprochen. „Ärzte und Schwestern erhalten hier ein regelrechtes Stresstraining, sie üben ihr professionelles Agieren in Ausnahmesituationen und erhalten anschließend ein Experten-Feedback im geschützten Raum“, fasst Dr. Gerald Burgard den Trainingseffekt zusammen.
Verwendung der leistungsorientierten Mittel (LOM): konzernweite Ausbildung an 350 Trainingstagen im Jahr durch ein externes Expertenteam (einschl. der technischen Ausstattung).
Status: Trainings für die Teams der anästhesiologischen Abteilungen laufen seit 2008, seit 2012 wurde das Projekt im Rahmen von LOM erweitert und konzernweit ausgerollt.

 

Sonografie-Ausbildung für Chirurgen
Verantwortlich:
Dr. med. Bernd Klinge, Chefarzt der Klinik für Allgemein, Viszeral- und Gefäßchirurgie am HELIOS Klinik Sangerhausen mit der HELIOS Fachgruppe Viszeralchirurgie
Lernziel: Konzernweites Angebot einer systematischen Ausbildung Sonographie Abdomen und Retroperitoneum.
Zielgruppe: Ärzte in Weiterbildung in den Fächern Allgemein- und Viszeralchirurgie, Innere Medizin, Urologie etc.
Lerninhalt/Ziel: Systematische Sonografie-Ausbildung im Kurssystem, standortnah als fester Bestandteil der Weiterbildung, eng verzahnt mit dem Viszeralchirurgischen Curriculum, das in der HELIOS Fachgruppe abgestimmt wurde.

„Es ist immer schwerer geworden, Sonografie-Kurse für Ärzte in Weiterbildung zu organisieren. Nicht nur die Kosten, auch Organisation und Logistik sind aufwendig für die Kliniken. In der Folge wird die Sonografie-Ausbildung heute oft nur noch lückenhaft durchgeführt. Das kann bedeuten, dass ein Arzt Befunde übersieht, eine notwendige Operation bei einem Patienten nicht angesetzt wird“, erklärt Dr. med. Bernd Klinge die Ausgangssituation für sein Projekt. Das bei HELIOS mithilfe LOM etablierte Sonografie-Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) basiert auf einem anerkannten Trainingsprogramm, bei dem interdisziplinär Basisuntersuchungen, etwa des Bauchraumes, geübt werden - unter professioneller Anleitung. Die Kurse erhält nun jeder Arzt in Weiterbildung (AiW) der Inneren Medizin, Radiologie, Urologie etc. bei HELIOS – und zwar nah bei seiner Klinik. Die jeweils dreitägigen Kurse kosten normalerweise ca. 600 Euro, für HELIOS Mitarbeiter 300 Euro, diese werden in der Regel über das Fortbildungsbudget der Klinik gezahlt.
Verwendung der leistungsorientierten Mittel (LOM) zur Organisation und Personalausstattung der konzernweiten Kurse. Teilnehmer erhalten das DEGUM Siegel.
Status Quo: Die Kurse wurden in der HELIOS Region Mitte bereits durchgeführt, die Kurse für die Kliniken der HELIOS Regionen Süd und West stehen an. Im nächsten Schritt sollen sie nun entsprechend dem europäischen Standard angepasst werden. Damit wird sich der Praxisanteil der Kurse weiter erhöhen.

II. Weitere LOM-Projekte im Überblick

  • Workshop für OP-Personal (Pflege) in der Wirbelsäulenchirurgie
  • Familienbezogene Behandlungen in der stationären und teilstationären Kinder- und Jugendpsychiatrischen Behandlung
  • Strukturierte Ausbildung bei transurethralen bzw. bei hysteroskopischen Eingriffen am Simulator
  • Geburts- und CTG-Simulator zur Aus- und Weiterbildung mit dem Geburtssimluator
  • Simulatortraining  zur Erlernung endovaskulärer Techniken
  • Ausstattung HELIOS Echokardiologie Ausbildungskonzept
  • Minimale invasive Pankreasresektion
  • Fächer- und berufsübergreifendes Ausbildungscurriculum der HELIOS Fachgruppe Neuromedizin
  • Qualifizierung der Pflege in der Neurochirurgie
  • Qualifizierung Intraoperatives Neurophysiologisches Monitoring (IONM) in der Neurochirurgie
  • Felsenbeinpräparationslabor
  • Integrationsprozess für Ausländische Ärzte
  • AiW Weiterbildungskonzept  der HELIOS Fachgruppe Dermatologie
  • AiW Simulatortraining endovaskuläre Diagnostik und Therapie der HELIOS Fachgruppe Radiologie
  • Bronchoskopiekurs Pädiatrie
  • Fortbildungskurse Reanimation  für Neugeborene und Kinder
  • Simulations- und CRM-Training der Notaufnahmen der HELIOS Kliniken der Region Ost
  • Einführung einer „familienorientierten neuropädiatrischen Komplexbehandlung”
  • Interdisziplinär nutzbares chirurgisches Trainingslabor an den HELIOS Kliniken Schwerin
  • Entwicklung und Implementierung eines  WB-Curriculums Innere Medizin
  • Berufs- und standortübergreifende Qualifizierung intensivmedizinischer Ziele  in der HELIOS Region Süd
  • Multidisziplinäres multiprofessionelles Notfall- und Schnittstellen-Simulatortraining
  • Multidisziplinäres Rotationsprogramm Intensivmedizin


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