Erläuterung zur Tabelle „Multiresistente und andere infektionsrelevante Erreger“

Den idealen Parameter zur Beschreibung der Hygienequalität gibt es nicht. Aber diese Zahlen ermöglichen uns, zu erkennen, wo wir möglicherweise ein Hygieneproblem haben. Darüber hinaus wird der Verlauf dieser Kennzahlen über die Zeit zeigen können, ob wir uns in die richtige Richtung bewegen und wo wir unser Hygienemanagement gegebenenfalls anpassen müssen.

Ein Patiententag bedeutet die Belegung des Krankenhauses an einem Tag mit einem Patienten. Dabei ist es egal, ob es sich bei mehreren Patiententagen um ein- und denselben Tag oder immer um denselben Patienten handelt. 1000 Patiententage können also, vereinfacht ausgedrückt, entweder durch 1000 Patienten, die alle nur einen Tag im Krankenhaus verweilen oder durch einen einzelnen Patienten, der 1000 Tage im Krankenhaus verweilt, generiert werden. Nosokomial bedeutet "im Krankenhaus erworben".

1. Spalte: Die Anzahl aller Fälle, bei denen bei Aufnahme oder im weiteren Verlauf des Klinikaufenthaltes eine positive Testung erfolgt ist, bezogen auf 1000 Patiententage. Es erfolgt keine Differenzierung zwischen einer Besiedelung mit dem Erreger (ohne Infektion) oder einer Infektion. Ferner wird nicht unterschieden, ob der Patient den Keim mitgebracht oder im Krankenhaus erworben hat. Diese Zahl ist also davon abhängig, wie häufig Screeninguntersuchungen durchgeführt wurden. Je häufiger diese erfolgen, desto höher wird die angegebene Zahl sein. 

2. Spalte: Die Anzahl der Patienten, bei denen bereits bei Aufnahme der Keim nachgewiesen werden konnte, bezogen auf 100 Patienten. Auch diese Zahl ist erheblich vom Umfang der primären Screeninguntersuchung abhängig.

3. Spalte: Die Anzahl der Fälle, bei denen im Verlauf des Aufenthaltes ein Erreger nachgewiesen wurde und davon ausgegangen werden muss, dass die Übertragung des Erregers während des Aufenthaltes erfolgte. Von einem solchen nosokomialen Fall muss immer dann ausgegangen werden, wenn nicht zweifelsfrei gezeigt werden kann, dass der Patient den Erreger bereits bei Aufnahme mitgebracht hat (Als „mitgebracht“ zählt ein Keim immer dann, wenn er im Rahmen einer Screeninguntersuchung in den ersten 72 Srunden nach Aufnahme nachgewiesen wird). Das heisst, auch diese Zahl ist erheblich vom Umfang der Screeninguntersuchungen abhängig. Erfolgt kein primäres Screening, muss bei allen Keimnachweisen von einer nosokomialen Übertragung ausgegangen werden. Unter der Annahme, dass die Intensität des des ersten Screenings bei Aufnahme vergleichbar ist, zeigt diese Zahl aber auch, wie gut das Hygienemanagement in einem Haus ist.

4. Spalte: Die Anzahl der Patiententage, die durch Patienten mit erfolgtem Keimnachweis generiert wurden, bezogen auf 100 Patiententage. Diese Zahl zeigt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, auf einen Patienten mit positivem Keimnachweis zu treffen. Eine hohe Zahl bedeutet eine besondere Herausforderung an das Hygienemanagement. Eine niedrige Zahl bedeutet aber nicht zwingend, dass das Risiko einer nosokomialen Übertragung geringer ist: Sie kann auch durch ein zurückhaltendes Screeningverfahren bedingt sein.

5. Spalte: Die Anzahl der im Krankenhaus erworbenen Besiedlungen und Infektionen bezogen auf 1000 Patiententage, die durch Patienten mit stattgehabtem Keimnachweis generiert wurden. Diese Zahl zeigt somit, wie häufig es bei einem vergleichbaren Risiko tatsächlich zu einem nosokomialen Nachweis kommt. Mit dieser Zahl wird die Qualität des Hygienemanagements am besten beschrieben. Auch hier gilt jedoch, dass bei zurückhaltendem Screeningverhalten die Zahl zu hoch berechnet wird, da Fälle als nosokomial gewertet - d.h. im Krankenhaus erworben - werden müssen, wenn primär kein Screening erfolgt ist (siehe 3.)



Über uns