Nach der telefonischen Annahme eines polytraumatisierten Patienten erfolgt die Alarmierung des „Alpha-Teams" durch die Schwester des Notfallzentrums (NFZ) über den Polytrauma-Sammelruf (9632999).
Hierdurch werden benachrichtigt:
Die Anrufzeit der Leitstelle/des Rettungsdienstes, das angekündigte Verletzungsmuster und die Auslösezeit des Sammelrufes werden auf einer Polytrauma-Alarm-Liste dokumentiert.
Die Oberärzte der Kliniken für Unfallchirurgie und Anästhesie werden durch ihre diensthabenden Ärzte sofort gesondert telefonisch informiert.
Diensthabende Ärzte anderer Fachabteilungen können bei Bedarf über die bekannten Rufnummern zusätzlich angefordert werden.
Durch die NFZ-Schwestern wird der Laborkurier alarmiert.
Der Schwerverletzte wird in Begleitung seines Notarztes, des Rettungsdienstpersonals und einer NFZ-Schwester auf der Rettungstrage in den Schockraum gefahren, wo das Alpha-Team bereit steht.
Zum "Alpha-Team" zählen:
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Im Beisein des OA Unfallchirurgie (Traumaleader) und des OA Anästhesie erfolgt die mündliche Übergabe des Verletzten durch den Notarzt. Die Fachabteilung für Anästhesie übernimmt zeitgleich die Sicherung der Vitalparameter (Beatmung, Volumengabe, Analgosedierung, Monitoring).
Aufgrund der bei der Übergabe gewonnenen Informationen über das Verletzungsmuster wird durch den Traumaleader über die Hinzuziehung weiterer Fachabteilungen entschieden. Die nötigen Telefonate werden durch das NFZ-Personal geführt.
Der diensthabende Arzt der Klinik für Allgemeinchirurgie führt noch auf der Rettungstrage eine abdominelle sonographische Untersuchung zum Nachweis bzw. Ausschluss einer intraabdominellen Blutung durch. Ergibt diese Sonographie die Diagnose einer massiven intraabdominellen Blutung bei gleichzeitig bestehender Kreislaufinstabilität, so wird unverzüglich der Oberarzt der Allgemeinchirurgie hinzugerufen und nach interdisziplinärer Absprache (Traumaleader-Anästhesie-Allgemeinchirurgie) keine weitere Schockraumdiagnostik durchgeführt, sondern der Patient sofort zur notfallmäßigen Laparotomie in den OP-Saal verbracht.
Zuvor jedoch werden die Routine-Laboruntersuchungen einschließlich Blutgruppen-Bestimmung und Bereitstellung von Konserven sowie der Bedside-Test mittels ABO-trol forte II veranlasst und eine Tetanus-Simultan-Immunisierung durchgeführt.
Das Routine-Labor umfasst:
Liegt keine lebensbedrohliche intraabdominelle Blutung mit Kreislaufinstabilität vor, wird der Patient auf den CT-Tisch mit aufliegendem Beckentuch ohne Vakuummatratze umgelagert. Der Verletzte wird im Anschluss entkleidet, kraniokaudal durch den Unfallchirurgen untersucht und ggf. mit Extremitätenschienen versorgt, wobei offene Verletzungen mit sterilen Verbänden provisorisch abzudecken sind.
Die Anästhesie-Abteilung legt eine arterielle Druckmessung an und platziert einen Shaldon-Katheter, wenn eine hämodynamische Instabilität besteht oder das Verletzungsmuster relevante Blutverluste erwarten lässt.
Im Anschluss wird der Patient zur Spiral-CT-Untersuchung gelagert.
Während des Ablaufes der CT-Diagnostik wird der Überwachungsmonitor so positioniert, dass aus dem Vorraum des Schockraumes die Vitalparameter ständig kontrolliert werden können.
Nachdem der Scout des Schädels und der HWS in 2 Ebenen, der Schädel nativ sowie die HWS mit Kontrastmittel (evtl. zusätzliche Schichtung des Mittelgesichtes) gefahren worden, ist die Lagerung beider Arme über Kopf nach Rücksprache mit dem Traumaleader durchzuführen, wenn offensichtlich keine Schulterverletzungen u./o. Verletzungen der Oberarme vorliegen.
Zeigt die Schnittbilddiagnostik Verletzungsfolgen im Schädel- und HWS-Bereich, ist durch den diensthabenden Arzt der Neurochirurgie der Oberarzt Neurochirurgie hinzuzurufen. Durch die Neurochirurgen ist zu diesem Zeitpunkt über die Indikation notfallmäßiger operativer Maßnahmen auf neurochirurgischem Fachgebiet zu entscheiden. Der zeitliche Ablauf der Notoperationen wird interdisziplinär abgestimmt (Traumaleader-Anästhesie-Neurochirurgie-Allgemeinchirurgie).
Die Beurteilung des Thorax-, Abdomen- und Beckenscouts erfolgt gemeinsam durch Radiologen und Unfallchirurgen. Im Falle einer instabilen Beckenverletzung entscheidet der Traumaleader über die Anlage einer Beckenkompression mit dem Beckentuch.
Resultiert aus der CT-Diagnostik des Thorax die Notwendigkeit der sofortigen Entlastung eines Spannungspneumothorax oder Hämatothorax, so wird diese notfallmäßige Intervention (Thoraxdrainage) im Schockraum nach Abschluß der Spiral-CT durch den diensthabenden Arzt der Allgemeinchirurgie durchgeführt.
Ergibt die CT den Verdacht auf eine intrathorakale Verletzung, ist der diensthabende Oberarzt der Thoraxchirurgie telefonisch hinzuzurufen, um über die Indikation zur Thorakotomie zu entscheiden.
Sollte die Kontrastmitteluntersuchung des Abdomens eine intraabdominelle Verletzung zeigen, ist durch den diensthabenden Arzt der Klinik für Allgemeinchirurgie unverzüglich der Oberarzt der Allgemeinchirurgie zu informieren, der das weitere Vorgehen bezüglich der abdominellen Verletzung festlegt.
Nach Abschluss der Spiral-CT befindet der Traumaleader über die Notwendigkeit weiterer Diagnostik (Rö-Untersuchungen, Angiographien, MRT etc.). Interdisziplinär wird im Anschluss entschieden, ob der Patient den Schockraum in Richtung OP-Saal oder Intensivstation verlässt.
Alle persönlichen Gegenstände werden durch das NFZ-Personal aufgelistet und dem Patienten mitgegeben.
Blatt 1 des DGU-Traumaregister-Erhebungsbogens wird vom Notarzt, Blatt 2 vom diensthabenden Arzt der Klinik für Unfallchirurgie ausgefüllt. Die gesamte Dokumentation verbleibt am Patienten.