HELIOS Klinikum Warburg

Intensivmedizin

Umgang mit Sterbenden

Wenn das Leben sich dem Ende neigt….
 
Intensivmedizin ist auch eine Medizin im Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Durch eine schwere Erkrankung oder Verletzung werden der Patient und die Angehörigen häufig unvermittelt und unvorbereitet mit Fragen um das Sterben konfrontiert. 

 

Wie viel Intensivmedizin muss sein?
Wie viel Intensivmedizin darf sein?
Wann erscheint Intensivmedizin als aussichtslos im Kampf ums Überleben, muss beendet werden, um ein Sterben auf Raten zu vermeiden?

  

Wir Intensivmediziner und unser Team müssen uns täglich neu diesen Fragen stellen, müssen im Konsens mit dem Patienten, soweit das möglich ist, und den Angehörigen Entscheidungen treffen über Leben und Tod. Schwere Entscheidungen, wie man sich vorstellen kann. Und dennoch, ein würdevolles Abschiednehmen muss auch auf unseren Intensivstationen möglich sein. Nicht alles was intensivmedizinisch machbar und möglich ist, darf eingesetzt werden, um Leben künstlich zu verlängern. Wo es keine Aussicht auf Genesung gibt und kein Weiterleben mit Lebensqualität zu erwarten ist, muss man im Einzelfall über eine Beendigung der Therapie entscheiden.

 

Überleben ist nicht messbar!
Trotz der Vielzahl der Daten, die wir täglich von unseren Patienten erheben und die wir rechnergestützt in Scores (= Prognose und Risikoklassifizierung) und Trendberechnungen miteinander verknüpfen können, ist es nicht möglich Überleben berechenbar zu machen. Es bleiben statistische Aussagen, exakte Vorhersagen sind nicht möglich. Und wenn wir es könnten, so wären immer noch keine Aussagen zur Qualität des Weiterlebens möglich.

 

Die Entscheidungen müssen und werden immer individuell sein, müssen den Willen des Patienten berücksichtigen und setzen große Erfahrung und ethische Stärke des intensivmedizinischen Teams voraus. Darüber hinaus müssen sie täglich aufs Neue mit allen Beteiligten bedacht und festgelegt werden. Uns ist bewusst, dass auch die Intensivmedizin ihre Grenzen hat.

 

Auf unserer Intensivstation wollen wir den Todkranken und den Angehörigen ein würdevolles, schmerzfreies Abschiednehmen für immer in angemessenem Rahmen ermöglichen. Wir sind in der glücklichen Lage einen Seelsorger an unserer Seite zu haben, der den Sterbenden und Angehörigen Beistand und Trost spendet, wenn sie es wünschen. Er begleitet die Patienten und Angehörigen in den schweren Stunden und berät und stärkt uns in unseren Entscheidungen.

 

Es ist hilfreich für uns, den Willen des Patienten zu kennen.
Wir respektieren den Willen des Patienten und werden ihn in unserer Behandlungsplanung gebührend berücksichtigen. Das Vorhandensein einer Vorsorgevollmacht / Gesundheitsvollmacht und einer rechtsgültigen Patientenverfügung (entsprechende Informationen stehen unten zum Herunterladen bereit) sind für einen solchen Krankheitsfall wünschenswert und heute anerkannte und verbindliche Instrumentarien. Patientenverfügungen sind Handlungsanweisungen für Situationen einer nicht mehr heilbaren Erkrankung oder Verletzung. Es ist sinnvoll, auch wenn es schwer fällt, sich mit den Fragen um Krankheit, Sterben und Tod rechtzeitig zu beschäftigen und Entscheidungen bereits im Vorfeld zu treffen.

 

Notfalls werden wir auch eine Patientenverfügung, die erst mit einer Krankenhausaufnahme angefertigt wird, anerkennen. Bei Fehlen einer Verfügung versuchen wir uns immer an die Willensäußerungen unserer Patienten zu halten und sie zu respektieren, wenngleich die letztendliche Entscheidung dem verantwortlich betreuenden Arzt oder, bei unklarer Lage, dem Vormundschaftsgerichts obliegt.

 

Viele der Patientenverfügungen werden heute allerdings auch aus Sorge vor einer möglicherweise inhumanen und quälenden, das Leben künstlich verlängernden Intensivmedizin erstellt. Dies sollte jedoch für unsere Patienten keine Motivation sein, denn Ziel der Intensivmedizin ist es, die akute Phase der Erkrankung oder Verletzung zu überbrücken, um einen möglichst normalen und lebenswerten Zustand des Patienten wieder herzustellen. Nach unserem Ethos ist dies der einzige sinnvolle Einsatz der Intensivmedizin. Erscheint aber das Weiterführen der Therapie als aussichtslos und ist die Rückkehr in ein normales Leben nicht zu erwarten, versuchen wir dem Patienten ein würdevolles Sterben zu ermöglichen.

 

 



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