HELIOS Klinikum Warburg

Intensivmedizin

Beatmungstherapie

Menschliches Leben braucht Sauerstoff und Atmung.
Der menschliche Organismus ist mit einem komplexen Atmungssystem ausgestattet, das die Aufgabe hat, die Zellen des Körpers mit lebenswichtigem Sauerstoff zu versorgen und das bei den Stoffwechselvorgängen anfallenden Kohlendioxid abzutransportieren. Dabei wird, vereinfacht gesagt, in der Lunge Sauerstoff mit der Einatmung ins Blut aufgenommen, mit den Erythrozyten, den roten Blutkörperchen als LKW, mit dem Blutstrom zur Zelle transportiert und von dort das Kohlendioxid (CO2) auf dem Rückweg zur Lunge zur Ausatmung abtransportiert. Die Regulationsmechanismen sind dabei sehr komplex und dem jeweiligen Bedarf im Körper angepasst. Damit das alles reibungslos funktioniert, ist eine intakte Kreislauffunktion Voraussetzung.

 

Störungen können mannigfaltiger Natur sein und alle Bereiche des Atmungssystems betreffen. Schwerwiegende Störungen machen die Behandlung auf der Intensivstation erforderlich, um die lebensbedrohenden Folgen einer Gasaustauschstörung oder eines Sauerstoffmangels zu vermeiden. Bekannter Maßen reichen nur wenige Minuten eines nicht behandelten Atemstillstandes aus, um z.B. die sehr Sauerstoffmangel empfindlichen Gehirnzellen dauerhaft zu schädigen. Aber auch Verletzungen wie beispielsweise  Rippenfrakturen, Verletzungen der Lunge oder der Luftröhre können gravierende Folgen für die Atmung haben, so dass künstlich beatmet werden muss. Daneben gibt es aber noch weitere Gründe, die selbst direkt nichts mit der Lunge oder der Atmung zu tun haben, und dennoch die künstliche Beatmung eines Patienten erforderlich machen.

 

Wir sind gut auf das Erkennen und eine gezielte Behandlung Ihrer Probleme vorbereitet.
Häufig ist bereits nach einer ersten Untersuchung durch den Arzt klar, was zu tun ist. Um die Störung zu erfassen und einen Eindruck über das Ausmaß zu bekommen,  sind gegebenenfalls ergänzende Untersuchen wie Labor, Röntgen, Ultraschall, Computertomografie (CT) und die Bestimmung von Sauerstoffgehalt und CO2 im Blut neben weiteren Parametern (Blutgasanalyse) erforderlich. In lebensbedrohlichen Fällen ist schnelles Handeln nötig und setzt ein erfahrenes und eingespieltes Team von Ärzten und Pflegekräften voraus. Durch qualifizierte Aus- und Weiterbildungen ist unsere Intensivstation gut vorbereitet für solche Situationen.

 

Jeder Handgriff muss sitzen!
Wir sind in der Lage, längerfristig und ohne bleibende Schäden für die Lunge oder den Patienten selbst die Atmungsfunktion ganz (künstliche Beatmung) oder nur unterstützend zu übernehmen. Hochmoderne mikroprozessorgesteuerte Beatmungsgeräte, wir verfügen über fünf solcher Geräte, helfen uns heute, dies zu bewerkstelligen. Über einen Tubus (Schlauch in der Luftröhre des Patienten), eine Maske oder einen Beatmungshelm wird Sauerstoff und Atemgas in die Lunge des Patienten geblasen. Die Ausatmung erfolgt dann passiv.

 

Die Geräte müssen mit viel intensivmedizinischen Know How an die Situation des jeweiligen Patienten angepasst und eingestellt werden. Ob die Beatmungseinstellung optimal ist und dem Bedarf des Patienten gerecht wird, wird durch regelmäßige Kontrollen aus dem arteriellen Blut des Patienten, z. B. durch einen kleinen Schlauch am Handgelenk oder in der Leiste oder alternativ einem kleinen Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen, überprüft und bedarfsweise nachkorrigiert.

 

Unser Ziel heute: Beatmung so kurz wie möglich und nur so lang als nötig!
Um ein selbstständiges Atmen zu erreichen und schnellstmöglich die Lungenfunktion zu verbessern setzen wir auf unserer Station konsequent ergänzend folgende Maßnahmen ein:

  • Lagerungstherapie (Bauchlagerung, 135° Seitenlagerung, kinetische Therapie mit speziellen Bettensystemen, Frühmobilisation) – hierauf werden wir an anderer Stelle noch etwas ausführlicher eingehen
  • Bedarfangepasste Sedierung, Einhaltung Tag-Nacht-Rhytmus
  • Frühe normale Ernährung ggf. über eine Ernährungssonde
  • Entwässernde Therapie, bedarfsweise auch Dialyse
  • Gezielte Antibiotikagabe nach Keimbesiedelung, wenn erforderlich
  • Frühzeitige (Punktions-) Tracheotomie

Diese Maßnahmen sind in der Regel sehr effektiv und verschaffen meist schnell Besserung. Auch wenn dies für einen Außenstehenden zunächst als abschreckend und unangenehm für den Patienten empfunden werden könnte, die Patienten erinnern sich später meist nicht mehr an diese schwere Zeit Ihrer Erkrankung! Durch die angepasste Gabe von Schmerz-, Beruhigungs- u. Schlafmitteln wird die Situation für den Patienten erträglich und ist nicht oder nur wenig belastend. Seien Sie als Angehörige oder Freunde nicht erschreckt, wenn wir den Patienten auf den Bauch legen und beatmen, es dient der schnelleren Gesundung! Wir sprechen diese Maßnahme selbstverständlich im Vorfeld mit Ihnen ab! Um unansehnliche, sich aber wieder schnell rückbildende, Schwellungen im Gesichtsbereich während der Bauchlage zu vermeiden, wird bei uns der Kopf des Patienten routinemäßig gut mit Watte abgepolstert und mit einer elastischen Binde straff gewickelt. Der Aufwand der Bauchlagerung ist für unsere Mitarbeiter und uns insgesamt sehr groß und erfordert ein eingespieltes Team. Dennoch rechtfertigt der Erfolg die Durchführung.

 

Nicht in jedem Fall sind diese eingreifenden Maßnahmen erforderlich, um Besserung zu erzielen. Häufig ist die alleinige Gabe von Sauerstoff über eine Nasensonde oder Maske in Kombination mit einer intensiven Atemtherapie und einer medikamentösen Behandlung ausreichend. In Absprache mit dem Patienten, soweit das möglich ist, und mit Ihnen als Angehörige und in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation werden wir entscheiden, was zu tun ist.

 

Anhand des heute immer am Überwachungsmonitor angezeigten Sauerstoffgehalts im Blut - dieser Wert wird über einen kleinen Clip am Finger oder am Ohr des Patienten abgenommen -, der erforderlichen Sauerstoffkonzentration am Beatmungsgerät und der Art der durchgeführten Beatmung können Sie sich selbst ein Bild davon machen, ob es dem Patienten besser geht. Fragen Sie den Arzt oder die Pflegekräfte nach diesen Dingen, wenn Sie zu Besuch sind!

 

Schonendes invasives Verfahren: Punktions-Tracheotomie (Luftröhrenschnitt)
Ist auf Grund einer Erkrankung eine längerfristige Beatmung erforderlich oder sind  bei der Entwöhnung vom Beatmungsgerät Schwierigkeiten zu erwarten, setzen wir über einen kleinen (ca. 1 cm langen) Schnitt am Hals mittels einer speziellen Technik einen Tubus in die Luftröhre ein. Über diesen kann der Patient dann beatmet werden oder selber atmen, wenn sein Zustand dies zulässt.

 

Das Verfahren ist komplikationsarm, wenig belastend und wird in Narkose direkt auf der Intensivstation durchgeführt. Der früher erforderliche Weg in den OP entfällt. Anschließend kann der bis zu diesem Zeitpunkt notwendige Beatmungsschlauch aus dem Mund oder der Nase des Patienten entfernt werden. Dieser so eingesetzte Tubus (Trachealkanüle) wird in der Regel gut toleriert, normales Essen ist möglich. Mittels eines speziellen Ventils, das auf die Kanüle aufgesetzt wird, ist sogar Sprechen möglich.

 

Nachdem eine ausreichende und stabile Eigenatmung des Patienten wieder hergestellt ist, wird die Trachealkanüle einfach und schmerzfrei gezogen und das kleine Loch am Hals mit einem Verband verklebt. Die Stelle verheilt innerhalb weniger Tage. Ein Verfahren, das uns hilft, unsere Patienten schneller und leichter vom Beatmungsgerät abzutrainieren und eine schnellere Rückkehr zur eigenen Atmung zu ermöglichen.

 

Wenn ein Schlauch zur Beatmung in der Luftröhre am Sprechen hindert…
… dann ist das immer eine besondere Ausnahmesituation für den Patienten, weil er sich nur eingeschränkt äußern kann. Gerade in dieser Situation braucht er Sie als Angehörige, um ihm unnötige Ängste zu nehmen, er spürt Ihre Nähe und Wärme. Haben Sie keine Scheu, Ihrem Angehörigen die Hand oder das Gesicht zu streicheln. Auch eine eingeschränkte Kontaktaufnahme über Ablesen von den Lippen oder über eine Schreibtafel ist möglich. Es kann sein, dass Sie nicht gleich verstehen,  was Ihr Angehöriger Ihnen mitteilen möchte! Es braucht etwas Zeit und Geduld, bis Sie sich beide aufeinander eingestimmt haben. Sie stärken den Patienten durch Ihre Anwesenheit ungemein, geben Ihm das Gefühl, in dieser Situation für Ihn da zu sein! 

 

 



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