HELIOS Klinikum Warburg

Glück im Unglück – Wie sich das Leben eines Darmkrebspatienten von heute auf morgen verändern kann

Hubert Simon freut sich über den Besuch seiner Ehefrau während seines Reha-Aufenthaltes.

Als im Jahr 2010 bei Hubert Simon (71) aus Ossendorf eine deutlich hohe Blutarmut diagnostiziert wurde, war ihm noch nicht bewusst, dass sich ab diesem Tag sein Leben ändern würde.

 

Zunächst wurde sein Eisenmangel,  einhergehend mit der Blutarmut, wie bei vielen Patienten mit Tabletten bekämpft. Leider ohne Erfolg.

 

Es erfolgte zunächst eine Dickdarmspiegelung, ohne das ein krankhafter Befund erhoben werden konnte. Dennoch verlor Herr Simon weiterhin Blut aus dem Darm. Um auch den Dünndarm zu untersuchen, wurde in einem Klinikum in Nordhessen eine Kapselendoskopie initiiert. Hierbei handelt es sich um eine elektronische Kapsel, etwas größer als eine Vitamintablette, die neben einer hochauflösenden Kamera, lichtstarke LED`s, sowie einen Sender und eine Energiequelle enthält. Bei dieser U-Bootähnlichen Fahrt durch den Darm, werden viele Fotos, insbesondere von dem sonst endoskopisch schlecht untersuchbaren Dünndarm aufgenommen und gespeichert.

 

Dies ermöglicht dem Arzt Krankheiten des Dünndarms festzustellen. Normalerweise wird diese Kapsel beim nächsten Stuhlgang wieder frei gesetzt und kann anschließend ausgewertet werden.

Nicht so bei Hubert Simon. Sämtliche Abführmittel wurden eingesetzt um die Kapsel aus seinem Körper zu bergen, ohne Erfolg.

 

Wochen später kam er mit starken Bauchschmerzen und Erbrechen in das damalige St. Petri-Hospital Warburg. Auch hier versuchten die Internisten mit Hilfe von Abführmitteln die Kapsel frei zu setzen. Als kein Erfolg eintrat, riet der hinzu gerufene Chefarzt der Allgemein und Vizeralchirurgie, Dr. Bernd Parnitzke, ihm die Kapsel mit einer Operation zu entfernen. Bei dieser Operation wurde eine besondere Form des Darmkrebses im Dünndarm entdeckt, der eine weitere Passage der Kapsel behindert hatte. Dieser Tumor wurde entsprechend den Onkologischen Behandlungsrichtlinien entfernt.  Auch bei den halbjährlichen Kontrolluntersuchungen konnte ein wieder auftreten des Tumors nicht nachgewiesen werden.

 

Am 16.06.2014 wollte sich Hubert Simon gemütlich mit seiner Frau das Fußball  WM –Spiel Deutschland-Portugal ansehen, doch plötzlich traten wieder stechende Bauchschmerzen und starke Übelkeit auf. Aufgrund seiner Vorerkrankungen brachte ihn seine Ehefrau  umgehend, in das Helios Klinikum Warburg.

 

Diagnose: Darmverschluss . Herr Simon musste erneut von Dr. Parnitzke operiert werden. Doch auch Dr. Parnitzke und sein Team wurden überrascht.  Statt der erwarteten  Verwachsungen entdeckten die  Chirurgen einen langen, krankhaften Dünndarmabschnitt.

 

Hatte der Tumor erneut zugeschlagen? Der kranke Darmabschnitt wurde entfernt. Der Patient wurde nach der Operation auf der Intensivstation und IMC nachbetreut. Fast drei Tage Unsicherheit und mehrere Telefonate später endlich die Gewissheit: kein neuer Krebs, dafür aber ein hochakuter Schub einer schweren Systemischen unklaren Darmerkrankung.

 

Gut um das Wissen der Krankheit, damit aber war sie noch nicht geheilt. Nach kurzzeitiger Besserung und Stabilisierung des Zustandes folgte der dramatische Einbruch. Lebenswichtige Organe wie Niere und Lunge arbeiteten nicht mehr, Fieber trat auf, die Bauchfunktionen erlagen.

 

In einer 5 stündigen nächtlichen Notoperation zeigt sich, dass die schwere Entzündung weitere Darmabschnitte befallen hat. Es blieb keine andere Alternative als einen künstlichen Darmausgang anzulegen.

 

LEBEN –VOR LEBENSQUALITÄT

 

Die Ehefrau von Herrn Simon stand ihm stets zur Seite. „Dr. Parnitzke hat immer tröstende Worte gefunden, um uns aufzubauen“ so Frau Simon.

 

Es folgten 17 intensiv-medizinische Tage und chirurgische Therapien bis Hubert Simon endlich auf die Normalstation verlegt werden konnte. Von dort aus war es nur ein kleiner Schritt zur Entlassung und der anschließenden Rehabilitationsmaßnahme.

 

Nun steht Herrn Simon eine weitere Herausforderung bevor. Das Leben mit einer bis heute nicht ursächlich abgeklärten, entzündlichen Darmerkrankung, die einer ständigen Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem stärken erfordert. Die Lebensweise von Herrn Simon hat sich verändert. Ein strenger Diätplan muss eingehalten werden. Reichlich Flüssigkeit muss er zu sich nehmen und das Stoma-Versorgungssystem regelmäßig leeren.  Für die Hilfe und Anleitung in dieser Situation stand im schon im Klinikum eine Stomatherapeutin  zur Seite, die ihn auch weiter in der häuslichen Umgebung  betreut.

 

„Ich habe den Krebs überstanden. Das ist das Wichtigste und dafür bin ich sehr dankbar. Der künstliche Darmausgang ist dagegen nur etwas an das man sich gewöhnen muss“, so Hubert Simon. Wenn alles gut verheilt, haben ihm die Ärzte Hoffnung gemacht, dass vielleicht an Weihnachten der künstliche Darmausgang zurückgelegt wird und er das köstliche Weihnachtsessen seiner Frau ohne Einschränkungen wieder genießen kann.



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