HELIOS Klinik Volkach

Patellaluxation (Kniescheibenluxation)

Bei einer Patellaluxation springt die Kniescheibe (Patella) aus ihrem v-förmigen Gleitlager des Oberschenkelknochens meistens in Richtung Knieaußenseite. Begleitend kommt es dabei häufig zu einem Riss der Haltebänder auf der Knieinnenseite sowie zu Absprengungen am Knochen bzw. Knorpel der Kniescheibe und des Oberschenkelgleitlagers. Die Patellaluxation kann traumatisch bedingt sein, man spricht in diesem Fall auch von der akuten traumatischen Luxation. Ursächlich sind dabei vor allem Verdrehunfälle beim Sport. Eine Patellaluxation kann aber auch bei Disposition auftreten, vor allem bei anlagebedingter Veränderung der Anatomie. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und die Erstluxation tritt meist vor dem 20. Lebensjahr auf.

Eine umfassende Diagnostik ist entscheidend für die Wahl des geeigneten Therapieverfahrens. Hierfür stehen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Kernspintomographie und Computertomographie zur Verfügung. Besonderen Wert muss jedoch auf die klinische Untersuchung gelegt werden, die viel Erfahrung benötigt. Nur dann kann das für den Einzelfall passende operative Verfahren gewählt werden.

Ziel jeder Therapie ist eine stabile Zentrierung der Kniescheibe in ihrem Gleitlager wiederherzustellen, da bei jeder Luxation Knorpelschäden entstehen können, d. h. je häufiger es zu einer Kniescheibenluxation kommt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine vorzeitige Kniescheibenarthrose zu bekommen.

Besteht der Verdacht auf eine Knorpelabscherung (Flake fracture) muss eine Kniegelenksspiegelung (Arthroskopie) empfohlen werden, um das Ausmaß des Knorpelschadens zu begutachten, die Knorpelabsprengung evtl. zu refixieren oder aber zu entfernen (bei kleinen bzw. mehrfach in sich gebrochenen Stücken). Zu entscheiden ist, ob der operative Eingriff weichteilig oder knöchern durchgeführt wird, und im Falle der knöchernen Korrektur, ob diese am Oberschenkel oder am Unterschenkel erfolgt.

Aufgrund der wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten 10 Jahre wissen wir, dass in der überwiegenden Anzahl der Fälle das innere Halteband (mediale patellofemorale Ligament = MPFL) zerreißt. Somit kann durch die alleinige Raffung des inneren Halteapparates die Kniescheibe nicht genügend stabilisiert werden. Daher ist heute der plastische Ersatz des MPFL mit Hilfe einer eigenen Sehne (MPFL-Rekonstruktion mittels Gracilissehne) die häufigste Operationsmethode. Dieser Eingriff kann mit Hilfe von wenigen kleinen Schnitten („Mini-Open“) erfolgen. Die früher sehr häufig durchgeführte knöcherne Versetzung des Ansatzes der Kniescheibensehne (Patellarsehne) am Schienbeinkopf von außen nach innen ist heutzutage reserviert für ausgeprägte Fehlstellungen des Patellarsehnenansatzes bezogen auf das Zentrum des Gleitlagers.

Liegt die Ursache einer Kniescheibenluxation im Wesentlichen in einer deutlichen Achsenfehlstellung (X-Beinstellung bzw. vermehrte Oberschenkelinnenrotation) muss evtl. zusätzlich zu o. g. Operationen eine Achsenkorrektur der entsprechenden Fehlstellung mittels knöcherner Umstellungsoperation erfolgen (Varisationsosteotomie, Derotationsosteotomie).

Ist bei dem Patienten eine ausgeprägte Fehlanlage des Oberschenkelgleitlagers festzustellen, kann es erforderlich sein, dieses fehlgeformte Gleitlager plastisch zu korrigieren (Trochleaplastik). Dies stellt jedoch eine sehr aufwendige Korrekturoperation dar, die nur in seltenen Fällen angewandt wird.



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