HELIOS Klinikum Uelzen

Kyphoplastie

Ein verbessertes Verfahren zur Versorgung von Wirbelbrüchen

Wirbelbrüche entstehen bei gesunder Knochensubstanz nur durch große Krafteinflüsse, sogenannte Hoch-Energie-Traumata. Das sind meist Verkehrsunfälle, Sportunfälle oder Stürze aus größerer Höhe.
Diese Brüche gehen mit Instabilitäten der Wirbelsäule und nicht selten mit Lähmungen durch Verletzungen des benachbarten Rückenmarkes einher.
Wenn stabilisierende Operationen nötig sind, handelt es sich dann häufig um große Eingriffe, bei denen zur Aufrichtung und Stabilisierung des Wirbels der „Fixateur interne“ zum Einsatz kommt. Bei starken Zerstörungen kann der gesamte Wirbel durch Titanimplantate ausgetauscht werden.
Solche Eingriffe werden in der Unfallchirurgie des HELIOS Klinikum Uelzen durchgeführt.

Wenn die Knochensubstanz geschwächt ist können Brüche auch ohne ein entsprechendes Trauma entstehen. Hauptursache für einen solchen Knochenschwund ist die Osteoporose. Bei dieser Erkrankung nimmt der Kalksalzgehalt des Knochens ab und die Stabilität des Knochengerüstes geht zurück. Es kann dann zu spontanen Brüchen kommen, wobei die Wirbelkörper am häufigsten betroffen sind. Die Folgen für die Wirbelsäule sind Höhenminderungen, Verschleiß und letztendlich chronische Schmerzen.
Seltener können auch andere Stoffwechselerkrankungen und Tumoren die Ursache für Spontanfrakturen sein.
Im Gegensatz zu den traumatischen Brüchen liegt in diesen Fällen meist keine Gefährdung des Rückenmarkes vor und statt Trümmerbrüchen liegen meist eingestauchte „Kompressionsfrakturen“ vor. Daher wird in der Regel versucht die Betroffene (Frauen sind deutlich häufiger betroffen) oder den Betroffenen zu mobilisieren. Gelingt dies unter moderaten Schmerzen wird die konservative Therapie fortgeführt. Falls die Beschwerden dies allerdings nicht zulassen scheint sich der Bruch nicht ausreichend zu stabilisieren. Dann verbleiben Bewegungen der Bruchstücke. Wie bei jedem anderen unversorgten Bruch verursacht das natürlich starke Schmerzen.
Seit vielen Jahren bietet unser Klinikum in diesen Fällen die sogenannte „Vertebroplastie“ an. Hier wird in Narkose eine Hohlnadel unter Röntgenkontrolle von hinten in den Wirbelkörper vorgeschoben und dieser dann mit einem speziellen Klebstoff (Knochenzement) aufgefüllt. Dieser Zement läuft dann in die Bruchspalten hinein und stabilisiert nach der Aushärtung den Wirbel. Dadurch kann der Patient anschließend belasten, ohne dass es zu Wackelbewegungen in der Fraktur kommt. Die Schmerzen lassen direkt deutlich nach.

Bereits dieses Verfahren besitzt eine gute Erfolgsquote und wenig Komplikationen. Dennoch sind Nachteile vorhanden, die durch das verbesserte Verfahren der „Kyphoplastie“ deutlich minimiert wurden. Wir haben mit dieser Technik so gute Erfahrungen gesammelt, dass es inzwischen unser Standard-Vorgehen darstellt.
Ähnlich zur Vertebroplastie werden in Narkose zwei Hohlnadeln im Wirbelkörper platziert. Der Patient liegt dabei in Narkose in Bauchlage. Statt nun allerdings direkt den Zement einzufüllen, werden Ballonkatheter hindurchgeschoben und mit hohem Druck dilatiert. Dadurch entstehen entsprechende Hohlräume, die dann mit Zement aufgefüllt werden. Siehe hierzu die Röntgenaufnahmen der Lendenwirbelsäule in den Abb. I und II (rechts)

Dieses Verfahren bietet klare Vorteile, die das Ergebnis für den Patienten verbessern und die Komplikationen minimieren. So wird der „gesinterte“, also höhengeminderte Bruch durch die Dilatation der Ballone von innen wieder aufgerichtet. Bei frischen Brüchen kann hierdurch nicht selten die alte Höhe weitgehend wieder hergestellt werden. Dies hat, wie oben beschrieben, Vorteile in Bezug auf spätere Schmerzen. Außerdem wird das Knochenmark des Wirbels durch die Wirkung der Ballone am Rand der entstehenden Hohlräume so komprimiert, dass beim Auffüllen mit Zement kaum Austritte desselben in die Umgebung zu erwarten sind. Dies ist bei der Vertebroplastie anders. Hier sucht sich der Zement den Weg des geringsten Widerstandes und das sind oft Bruchlinien, die bis nach außen reichen. Dann muß der Operateur die OP beenden, um dadurch entstehende Schäden zu vermeiden. Das führt dazu, dass bei der Kyphoplastie durchschnittlich deutlich mehr Klebstoff eingebracht und dadurch eine höhere Stabilität erbracht werden kann.

Natürlich steht die richtige Therapie der Volkskrankheit Osteoporose im Vordergrund, ist es aber zu spontanen Wirbelbrüchen gekommen, stellt dieses Verfahren eine sichere und erfolgreiche Versorgungsmöglichkeit dar.

Abb. I: Kyphoplastie von vorn
Abb. II: Kyphoplastie seitlich


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