Eine Blasensteinbildung erfolgt nahezu regelhaft auf dem Boden einer Entleerungsstörung der Harnblase, so daß die Therapie neben der Entfernung des Konkrements auch eine Beseitigung der zugrundeliegenden Ursache der Restharnbildung beinhaltet. Dies kann bei obstruktiver Genese als Kombinationseingriff über die Harnröhre oder schnittoperativ erfolgen. Bei neurogenen Blasenentleerungsstörungen ist in der Regel eine Katheterversorgung als Dauerkatheterableitung oder intermittierenden Selbstkatheterismus erforderlich.
Die Entstehung von Konkrementen erfolgt primär im Bereich des Nierenhohlsystems, wo sie oftmals asymptomatisch wachsen. Blutbeimengungen im Urin oder uncharakteristische Beschwerden könnten hinweisend sein. Erst mit Abschwemmen des Konkrements in den Harnleiter und der damit verbundenen typischen Kolikbeschwerden werden diese Steine symptomatisch. Zur Diagnostik eignen sich der Ultraschall mit Nachweis von Konkrementen beziehungsweise Harnaufstau im Bereich des Nierenhohlsystems. Durch den direkten Nachweis des Steines, seiner Größe, Lage und vermutlichen Zusammensetzung gilt die Computertomographie heutzutage als bildgebendes Diagnostikverfahren erster Wahl. Aus diesen Informationen läßt sich auch durch ausreichende Erfahrung in der Steintherapie ein Behandlungskonzept entwickeln, dessen Ziel die komplette Steinfreiheit sein sollte. Trotz aller Erfahrung ist die Reaktion der Steine auf das gewählte Behandlungsverfahren nicht mit Bestimmtheit vorherzusehen, sodaß zur Erlangung der Steinfreiheit häufig auch kombinierte Therapieabläufe erforderlich sind.
Folgende Behandlungsoptionen stehen an unserer Klinik zur Verfügung:
Kleinere Konkremente des unteren Harnleiters zeigen eine spontane Abgangsrate von bis zu 80 %. Damit ist ein zunächst medikamentöser Behandlungsversuch gerechtfertigt. Dieser beinhaltet eine ausreichende Schmerzbehandlung sowie Medikamente zur Erweiterung des Harnleiters.
Harnsäuresteine stellen in der Steintherapie eine besondere Entität dar. Die Entstehung der Harnsäuresteine basiert auf der Ausfällung von Harnsäurekristallen im sauren Urinmilieu. Unter medikamentöser Alkalisierung können diese Steine aufgelöst werden.
Durch Druckwellen, welche über ein Wasserkissen fokusiert auf den Stein, in den Körper eingebracht werden, gerät das Konkrement in Schwingung und wird durch die entstehenden Scherkräfte in kleine Fragmente desintegriert Die entstehenden Fragmente können den Harnleiter passieren. Bei größeren Steinmassen wird vorab vorübergehend eine Harnleiterschiene eingesetzt um den Harntransport jederzeit sicher zu stellen. Limitierend für die Stoßwellenbehandlung wirken Steinlokalisationen in Knochen- oder Darmdeckung, da hierbei die Energie absorbiert wird und keine ausreichende Zerstörung des Steines zu erwarten ist.
Während die als historisch zu betrachtende Schlingenbehandlung von Steinen eine Blindmanipulation im oberen Harntrakt darstellten, verfügen wir heutzutage über miniaturisierte Endoskope, welche ein Eingehen in den Harnleiter bis zum Nierenhohlsystem unter Sichtkontrolle ermöglichen. Dabei können Steine in Abhängigkeit von deren Größe in toto entfernt, oder mittels Laser bzw. Ultraschallsonden zerstört werden. Diese endoskopische Steinentfernung wird in Vollnarkose durchgeführt und gewährleistet eine rasche und hohe Steinfreiheitsrate bei geringem Komplikationsrisiko.
Finden sich große Steinmassen im Bereich des Nierenhohlsystems, so bietet sich anstelle der ehemals üblichen schnittoperativen Nierenfreilegung dieses minimalinvasive Operationsverfahren an, bei dem unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle von der Flanke ein knapp fingerdicker Kanal zum Nierenhohlsystem geschaffen wird, über den ein Endoskop eingeführt wird. Die Steinmassen können anschließend unter Sichtkontrolle zerkleinert und ausgeräumt werden. Eine aktuelle Entwicklung stellt das Mini-PNL-Verfahren dar, bei dem das Instrumentarium und damit der Zugangsweg verkleinert und somit die Traumatisierung der Niere und das Komplikationsrisiko minimalisiert wurde.
Die chirurgische Steintherapie ist aufgrund der o.a. Behandlungsoptionen nunmehr selten erforderlich. In diesen Fällen prüfen wir jedoch grundsätzlich die Möglichkeit eines laparoskopischen Vorgehens ( Schlüssellochtechnik ), um die Gewebetraumatisierung auf ein Mindestmaß zu beschränken.
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