28.09.11
Überlingen, 28.09.2011
Neues Verfahren bringt mehr Sicherheit bei Schilddrüsen-Operationen
Mehr als 120.000 Schilddrüsen-Operationen finden pro Jahr in Deutschland statt. Da der Hals von tausenden dünner Nervenbahnen durchzogen ist, ist der Schutz dieser Nerven während der Operation besonders wichtig. Unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfram Lamadé, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am HELIOS Spital Überlingen wurde deshalb eine neue Elektrode entwickelt, mit der eine ständige Überwachung von Nervenfunktionen möglich ist. Dadurch können Komplikationen wie Nervenschädigungen während einer Schilddrüsen-Operation vermieden werden. Das Verfahren ist das Ergebnis eines 2,7 Millionen Euro umfassenden Forschungsprojektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt wurde. Der grundsätzliche Unterschied zu den bisherigen als Neuromonitoring bezeichneten Systeme besteht darin, dass bei dem neuen Verfahren eine wirkliche kontinuierliche Dauerüberwachung des Nerven erfolgt. Das System ist erstmals so empfindlich, das schon kleinste Belastungen des Nervs erfasst und angezeigt werden.
Im Sommer 2011 kam das Forschungsprojekt, das sich mit der kontinuierlichen Überwachung von Nervenfunktionen während Operationen beschäftigt hatte, zum Abschluss. Das Ergebnis ist eine kleine saxophonförmige Elektrode, die ähnlich wie bei einem Elektrokardiogramm (EKG) die Aktivitäten eines Nervs erfasst. Durch die neuartige Form und die hohe Flexibilität des Materials kann die nur einen halben Zentimeter breite Sonde auch bei komplizierten Operationen problemlos zum Neuromonitoring eingesetzt werden.
In einer klinischen Studie wurde die Elektrode ausgiebig am Stimmbandnerv getestet. Dieser kleine Nerv in der Nähe der Luftröhre ist insbesondere bei Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsen-Operationen, aber auch bei Operationen an der Halsschlagader einem Schädigungsrisiko ausgesetzt. Die Ursache ist die Ähnlichkeit dieses Nerven mit einem Blutgefäß oder umliegendem Bindegewebe. In Einzelfällen wird der Nerv von krankem Schilddrüsengewebe sogar umwachsen. Jede Zug- oder Druckbelastung, sei sie direkt oder indirekt kann zu einer Nervenschädigung führen. Aus diesem Grund ist eine Schädigung dieses Nervs, eine der häufigsten Komplikationen von Schilddrüsenoperationen. Sie kann Stimmbandlähmungen zur Folge haben, was sich in Heiserkeit, Atemnot oder in einem reduzierten Stimmumfang äußert.
Die Analyse des Nervensignals ohne Zeitverlust in Echtzeit ist die Grundvoraussetzung für ein verlässliches Neuromonitoring. „Wir wollten das perfekte Verfahren zum Wohle der Patienten entwickeln“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Wolfram Lamadé. Der Facharzt für Chirurgie hatte vor einigen Jahren als erster ein kontinuierliches Neuromonitoring in der Schilddrüsenchirurgie entwickelt, eingeführt und stets weiter verfolgt. Die neue Elektrode ermöglicht mehr Ruhe bei der Operation, da sich der Chirurg auf das Wesentliche wie beispielsweise die Schilddrüse, die Nebenschilddrüse oder Halsschlagader konzentrieren kann. Dr. Johannes Danckert, Klinikgeschäftsführer: „Wir freuen uns und sind auch ein wenig stolz, dass dieses innovative Verfahren seit kurzem hier bei uns am HELIOS Spital Überlingen im Rahmen von allen Schilddrüsenoperationen angewendet wird.“
Das Krankenhaus Überlingen gehört seit Februar 2007 zu den HELIOS Kliniken. Das Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung verfügt über 170 Betten. In der Klinik mit ihren Fachabteilungen Innere Medizin, Orthopädie und Unfallchirurgie, Viszeral- und Allgemeinchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Anästhesie und Radiologie sowie den Belegabteilungen HNO und Augenheilkunde arbeiten 415 Mitarbeiter. 2009 verzeichnete das Krankenhaus rund 7.000 stationäre und 11.000 ambulante Behandlungsfälle.
Zur HELIOS Kliniken Gruppe gehören 64 eigene Kliniken, darunter 44 Akutkrankenhäuser und 20 Rehabilitationskliniken. Mit fünf Maximalversorgern in Berlin-Buch, Erfurt, Krefeld, Schwerin und Wuppertal nimmt HELIOS im deutschen Klinikmarkt eine führende Position bei der Privatisierung von Kliniken dieser Größe ein. Darüber hinaus hat die Klinikgruppe 29 Medizinische Versorgungszentren (MVZ). HELIOS ist damit einer der größten Anbieter von
stationärer und ambulanter Patientenversorgung in Deutschland und bietet Qualitätsmedizin innerhalb des gesamten Versorgungsspektrums. Sitz der HELIOS Konzernzentrale ist Berlin.
HELIOS versorgt jährlich mehr als zwei Millionen Patienten, davon rund 650.000 stationär. Die Klinikgruppe verfügt insgesamt über rund 19.000 Betten und beschäftigt über 34.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2010 erwirtschaftete HELIOS einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro. Die Klinikgruppe gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.
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