HELIOS Kliniken Schwerin

Verhalten nach Fieberkrämpfen

Liebe Eltern,

 

hiermit möchten wir Sie über fiebergebundene epileptische Anfälle informieren. Sicher haben Sie von Ihrem Arzt schon einige Erklärungen dazu gehört. Damit Sie sich aber auch zu Hause noch daran erinnern können, fassen wir alles Wissenswerte hier noch einmal zusammen.

 

Was sind Fieberkrämpfe?

 

Fieberkrämpfe gehören zu den Gelegenheitsanfällen. Darunter versteht man Anfälle, die nur bei Provokation durch äußere Umstände auftreten, in diesem Fall bei Fieber. Das typische Alter für Fieberkrämpfe liegt zwischen 6 Monaten und 5 Jahren.

 

Sie treten nicht bei allen Kindern auf, sondern nur bei denen, die eine Veranlagung dazu aufweisen. Meistens kommen in der Familie mehrere Personen vor, die ebenfalls als Kind Fieberkrämpfe durchgemacht haben.

 

In den meisten Fällen tritt das Fieber im Rahmen von Infekten der oberen Atemwege, Mittelohrentzündung, 3-Tage-Fieber oder Lungenentzündungen auf. Typischerweise tritt der Krampfanfall im ersten oft sehr raschen Fieberanstieg auf, so dass die Temperaturerhöhung bei den Kindern noch nicht bemerkt wurde.

 

Der klassische Fieberkrampf läuft als den ganzen Körper betreffenden tonisch-klonischer Anfall ab mit Versteifung des Körpers und rhythmischen Zuckungen an Armen und Beinen. Manchmal zuckt nur eine Extremität oder es kommt, v. a. bei Säuglingen, zu einem plötzlichen Erschlaffen des Körpers. Dabei können sich die Lippen des Kindes auch kurz bläulich verfärben. Auf diese Zeichen sollte geachtet werden, um sie später dem Arzt mitteilen zu können. Die Dauer ist variabel, meistens zwischen 3 und 10 Minuten, selten auch noch länger, bis zu einer halben Stunde. Nach dem Anfall schlafen die Kinder meist kurz oder sind noch nicht ganz orientiert, sie erholen sich in der Regel jedoch rasch und reagieren adäquat.

 

Die Anfälle können sich während eines Infektes wiederholen. Wenn sie so gehäuft auftreten, dass das Kind über längere Zeit (> 15 min) nicht zu Bewusstsein kommt, sollte ein Arzt hinzugezogen werden.

 

Verlauf bei Fieberkrämpfen

 

Ungefähr 30% der Kinder mit einem ersten Fieberkrampf erleiden mindestens einen weiteren. In 96% der Fälle hören die Anfälle nach dem 5. Lebensjahr auf. Im Allgemeinen treten keine Komplikationen auf, die Entwicklung der Kinder ist normal.

 

In seltenen Fällen (ca. 3%) entwickelt sich aus den Anfällen im späteren Kindesalter eine Epilepsie. In sehr seltenen Fällen ist der Fieberkrampf Ausdruck einer schweren Erkrankung des Gehirns.

 

Die normalen Fieberkrämpfe sind gutartig, nicht lebensbedrohlich und hinterlassen bei Ihrem Kind keine weiteren Schäden.

 

Wie verhalte ich mich bei einem Fieberkrampf?

 

Wenn Ihr Kind den ersten Fieberkrampf erlitten hat, sollte es immer sofort einem Arzt vorgestellt werden, gegebenenfalls einem Notarzt.

 

Bei den nächsten Fieberkrämpfen verabreichen Sie Ihrem Kind bei jedem Anfall, der länger als 5 Minuten dauert, eine Tube Diazepam rektal, die Sie vorher von Ihrem Arzt erhalten haben. Bitte achten Sie darauf, dass Sie die Tube zusammengedrückt halten, wenn sie aus dem Anus wieder herausgezogen wird. Das Medikament kann sonst durch die Elastizität der Tube wieder in diese zurückgezogen werden. Hört der Anfall schnell wieder auf (< 5 min), sollte auf das Medikament verzichtet werden.

 

Danach sollten Sie Ihr Kind einem Arzt vorstellen, um sicherzugehen, dass es sich bei der fieberhaften Erkrankung nicht um eine Infektion der Hirnhäute oder des Gehirns handelt.

 

Kann ich Fieberkrämpfe verhindern?

 

Als Prophylaxe empfiehlt sich eine konsequente Fiebersenkung bei Infekten, damit es nicht zu dem kritischen Temperaturanstieg kommt. Das bedeutet, dass bereits bei Temperaturen ab 38°C Paracetamol oder Ibuprofen verabreicht werden sollten.

 

Trotzdem gelingt es, v. a. bei sich rasch entwickelndem Fieber, nicht immer, die Anfälle zu unterdrücken.

 

Wann sollte auf jeden Fall sofort ein Arzt hinzugezogen werden?

 

  • bei jedem ersten Fieberkrampf
  • bei länger als 15 min anhaltenden Anfällen
  • bei allen Anfällen, die nicht durch die Gabe von Diazepam unterbrochen werden können
  • bei anhaltenden Bewusstseinstörungen
  • bei allen Anfällen, die sich in ihrem Ablauf von den vorhergehenden unterscheiden
  • immer wenn Sie Angst haben oder unsicher sind

 

Falls Ihnen noch weitere Fragen einfallen, können Sie uns gerne jederzeit telefonisch erreichen unter der Nr.: 0385/520-2731 zwischen 8:00 und 15:00 Uhr.

 

CA Dr. med. Olaf Kannt

 

 

 



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