HELIOS Kliniken Schwerin

Kurzer geschichtlicher Überblick

Die ursprüngliche Planung hatte die Unterbringung von "150 heilbaren Patienten" vorgesehen. Schon bald aber mussten, nach der Errichtung weiterer Gebäude, auch "Tobsüchtige und Unheilbare" Aufnahme finden. Bereits in den Anfangsjahren der Klinik wurde auch ein großer Park unter Leitung des damaligen Ludwigsluster Garteninspektors angelegt, der aufgrund seiner Lage am Schweriner Ziegelsee und einer Vielzahl seltener Pflanzen und Bäume eine besondere landschaftliche Schönheit darstellte. Es gab eine Vielzahl arbeitstherapeutischer Möglichkeiten, so dass sich die Anstalt mit Hilfe von Bäckerei, Viehwirtschaft und verschiedener Handwerke selbst versorgen konnte. Zur Freizeitgestaltung wurde 1895 eine beheizbare Kegelanlage in Betrieb genommen. 1912 kamen neben weiteren Gebäuden ein Waschhaus und eine Kapelle hinzu. Zur Erweiterung der ergotherapeutischen, musiktherapeutischen und bewegungstherapeutischen Angebote wurden in den 20er Jahren Musikinstrumente, Radioanlagen und mehrere Ruderboote gekauft. Schon damals umfasste die Patientenbibliothek 3000 Bände. Konzerte, Theaterveranstaltungen und Erntefeste unterstrichen den freundlichen Charakter der Klinik.

 

 

Die Zeit des Nationalsozialismus stellt ein dunkles Kapitel der Klinikgeschichte dar. Im Rahmen des von Berlin aus gesteuerten berüchtigten Euthanasieprogramms T 4 wurden auch aus der Schweriner Klinik 275 Patienten nach Bernburg in Sachsen-Anhalt "verlegt" und dort vergast. Auch in Schwerin kamen psychisch kranke Menschen und mindestens 300 geistig und körperlich behinderte Kinder durch aktive oder passive Tötungsmaßnahmen ums Leben. Der damalige Direktor der Nervenklinik beging 1945, gemeinsam mit seiner Familie, Selbstmord. Eine entsprechende Aufarbeitung dieser Geschehnisse war zeitnah in beiden deutschen Staaten schwierig; in der DDR konnte diese Aufarbeitung erst nach der Wende offener und offensiver - auch im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen - geführt werden.

Nach dem 2. Weltkrieg musste mit Mühe ein neuer Anfang gesucht werden, nicht nur im Hinblick auf die damals stark beeinträchtigte Bausubstanz. Immerhin konnte durch die Einführung der Psychopharmaka für viele der psychisch erkrankten Menschen eine deutliche Besserung des Zustandes erreicht werden.



Bis 1960 hatten sich in der damaligen "Bezirksnervenklinik" Abteilungen für Psychiatrie, Neurologie sowie ein Pflegehaus etabliert. Über die Jahre des materiellen Mangels wird von Zeitzeugen berichtet, dass viele Mitarbeiter ein hohes Maß an persönlichem Einsatz, Belastbarkeit, Flexibilität und Phantasie aufbrachten, um fehlende Behandlungsmöglichkeiten im psychiatrischen Alltag auszugleichen.



Anfang der 70er Jahre kam es auch in der DDR zu einer allmählichen Verbesserung der Versorgung psychisch kranker Menschen. Zum einen entstanden in gewisser Analogie zur Enquetekommission in der Bundesrepublik die so genannten "Rodewischer Thesen", in denen es um die Schaffung einer modernen Krankenhauspsychiatrie in Kombination von Pharmakotherapie, Psychotherapie, Soziotherapie und psychiatrischer Rehabilitation ging. Trotz eines großen Engagements vieler in der DDR tätigen Psychiater gelang es auf der materiellen Ebene nur in engen Grenzen, angemessene bauliche und personelle Voraussetzungen für eine einigermaßen ausreichende und menschenwürdige Behandlung der Betroffenen zu erreichen.



Für die damalige Nervenklinik Schwerin war es ein großes Glück, dass 1964 mit Dr. Berthold ein Ärztlicher Direktor seinen Dienst begann, der einerseits den Rodewischer Thesen nahe stand, und der andererseits den Mut hatte, die Ansprüche der Nervenklinik gegenüber dem Staat offensiv zu vertreten. So konnte er durchsetzen, dass die Personaldecke entgegen der katastrophalen Planung verbessert wurde und dass der so genannte Langzeitbereich mit Hunderten von schwer geistig behinderten Menschen mit ärztlicher Betreuung in das Kloster Dobbertin verlagert werden konnte. Auf dem Sachsenberg erhalten blieb eine große, auch nach heutiger Sicht z.T. vorbildlich gestaltete Rehabilitationsabteilung, die auch für die Aufrechterhaltung des Klinikbetriebes eine wichtige Rolle spielte (Gärtnerei, Park, Wäscherei, Hol- und Bringdienst etc.) Unter der Leitung von Herrn Dr. Berthold gelang es, eine für DDR-Maßstab ausgezeichnete Akutklinik aufzubauen, die den Vergleich mit westdeutschen Bezirkskrankenhäusern nicht hätte scheuen müssen.



Neu geschaffen wurden eine eigene Neuropathologie, Röntgenabteilung, Labor sowie eine Physiotherapieabteilung. Leider verstarb Dr. Berthold auf dem Höhepunkt seiner kaum ausbremsbaren Schaffenskraft bereits mit 49 Jahren an einem Herzinfarkt. Sein Nachfolger, Prof. Giercke, trieb die Klinikspezialisierung in die Bereiche Allgemeinpsychiatrie, Alterspsychiatrie, Suchterkrankungen voran, später ab 1975 kam eine Klinik für funktionelle Störungen und Neurosen hinzu. Trotz seiner engen Anbindung an staatliche Stellen gelang es ihm nicht, den baulichen und ausrüstungsmäßigen Verfall der Nervenklinik aufzuhalten. An Sanierungen war nicht zu denken, um jedes Toilettenbecken und jede Dachrinne musste nach Aussagen von Zeitzeugen gekämpft werden.


Bereits im März 1990, vor den ersten (freien) Volkskammerwahlen, wurde ein Personalrat gewählt und die Abwahl der alten und Neuwahl der neuen Klinikleitung veranlasst. Diese bestand aus Herrn Dr. Dieter Herrig als Verwaltungsdirektor, Dr. med. Jörgen Fuchs als Ärztlichem Direktor und Herrn Werner Beutin als Pflegedienstdirektor.

Pflege auf Station



Da diese neue Leitungsstruktur mit großer Dynamik und pragmatischer Entscheidungsfreudigkeit ans Werk ging gelang es in den folgenden Jahren, diverse und umfangreiche Fördergelder für Schwerin zu gewinnen, während andere Einrichtungen im Land zunächst noch mit der personellen Erneuerung an der Spitze beschäftigt waren und erst später finanzielle Mittel beschaffen konnten.



Mit der Durchsetzung der in Westdeutschland etablierten Psychiatrie-Personalverordnung war es erstmals möglich, eine psychiatrisch- psychotherapeutische Versorgungswirklichkeit zu realisieren, die bereits in den Rodewischer Thesen gefordert worden war. Neben zahlreichen neuen ärztlichen Stellen kam es zum Ausbau komplementärer Therapiemöglichkeiten wie Kunsttherapie, Reittherapie und Bewegungstherapie. Hinzu kamen eine Schwimmhalle, im Bereich der Neurologie die Computertomografie, ein Bewegungsbad im Keller sowie ein gut ausgestattetes Schlaflabor.



Es wurde damit begonnen, den Ausbau psychotherapeutischer Ansätze innerhalb der Psychiatrie zu betreiben, was im Erwachsenenbereich in Form der Etablierung einer speziellen psychotherapeutischen Station gelang. Auch die Etablierung psychotherapeutischer Strategien in die Basisbehandlung psychotischer und depressiver Krankheitsbilder wurde vorangetrieben.



1998 erfolgte die Berufung von Herrn Prof. Schmidt-Degenhard als Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Direktor der Nervenklinik, die 1999 anlässlich des 200. Geburtstages ihres Gründungsdirektors in Carl-Friedrich-Flemming-Klinik umbenannt wurde.



Zu den besonderen Verdiensten von Herrn Prof. Dr. Schmidt- Degenhard gehört es, eine qualifizierte Fort- und Weiterbildung für Mitarbeiter und niedergelassene Kollegen auf hohem fachlichen Niveau etabliert zu haben. Die inneren Strukturen wurden Schritt für Schritt den neuen Erfordernissen angepasst, differenzierte psychotherapeutische Ansätze wurden gefördert und umgesetzt.



Die Klinik für Neurologie wurde im Rahmen des Übergangs der alten Nervenklinik zur neuen Carl-Friedrich-Flemming-Klinik organisatorisch den somatischen Fächern des Klinikums zugeordnet, womit auch der bundesweiten Entwicklung zur Eigenständigkeit der beiden Fächer Neurologie und Psychiatrie/Psychotherapie Rechnung getragen wurde. Im Sinne der Ökonomisierung wurden Klinikum und Carl-Friedrich-Flemming-Klinik nun einer einheitlichen Verwaltung unterstellt, auch die Wirtschafts- und Versorgungsdienste wurden zunehmend gemeinsam genutzt.

 

Nach dem Wechsel von Prof. Schmidt-Degenhardt an eine Düsseldorfer Klinik wurde Prof. Dr. med. Andreas Broocks am 1. Juni 2003 neuer Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Die Behandlungskonzepte der Klinik sollten nach Auffassung von Prof. Broocks dem aktuellen Erkenntnisstand der Wissenschaft entsprechen, gleichermaßen biologische, psychotherapeutische und soziale Behandlungsmöglichkeiten umfassen, aber auch existentielle Grundfragen berücksichtigen.

 
"Unter der Leitung von Professor Broocks ist es gelungen, durch ein internes Weiterbildungscurriculum die Facharztweiterbildungsmöglichkeiten für Ärztinnen und Ärzte sowie auch für andere Berufsgruppen innerhalb der CFFK deutlich zu verbessern. Die tagesklinischen Behandlungsmöglichkeiten konnten auf von damals 32 auf demnächst 110 Plätze ausgebaut werden. Dies hat nicht nur zu einer Ausweitung der Schweriner Tageskliniken geführt, auch am Standort Ludwigslust konnte eine Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Leitender Arzt Dr. med. J. Flachsmeier) sowie eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie neu etabliert werden (Chefarzt Dr. med. Dipl.-Psych. C. Haase). In Wismar wird zukünftig ebenfalls eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hinzukommen.

 

Professor Broocks hat als Leiter der bundesweiten HELIOS-Fachgruppe Psychiatrie und Psychosomatik ein neues, sehr kurzes Dokumentationssystem eingeführt, das zur Qualitätssicherung innerhalb der Kliniken beiträgt, aber auch Vergleiche zwischen den Standorten ermöglicht. Bürgernahe Veranstaltungen gehören mittlerweile zum festen Programm der CFFK. Insbesondere wurden im Rahmen der zweijährigen Kampagne "Bündnis gegen Depressionen" viele Veranstaltungen in der Stadt (z. B. Volkshochschulen, Betriebe oder Kirchengemeinden) durchgeführt. Die traditionell gute Zusammenarbeit mit Sozialpsychiatrischen Einrichtungen in der Region wurde kontinuierlich fortgesetzt. Wichtigster Kooperationspartner ist nach wie vor der "Anker", hinzu kommen gemeinsame Projekte mit der Evangelischen Suchtkrankenhilfe sowie mit der Poliklinik Schelfstadt. Hier wurde ein unter dem Begriff "Rehabilitation psychisch Kranker" (="RPK") ein neues Angebot geschaffen, das psychisch erkrankten Menschen die Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen soll."

 

"Abschließend kann gesagt werden, dass die CFFK mit derzeit 278 vollstationären und zukünftig 110 teilstationären Behandlungsplätzen und einer großen Psychiatrischen Institutsambulanz in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen in Mecklenburg-Vorpommern auch weiterhin eine zentrale Stellung in der Region behalten wird. "

 



Prof. Dr. med. Andreas Broocks

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