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14.01.10

Schmerztherapie

Dr. med. Tilman Teuteberg, Oberarzt Bereich Schmerztherapie der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin

Sabine S. (39) fragt: Von Zeit zu Zeit habe ich Kopfschmerzen.  Jedes Mal überlege ich, ob ich ein Schmerzmittel nehme oder nicht. Hilft es oder schadet es mehr? Wie verhalte ich mich richtig?

 

Noch immer gibt es Defizite im Grundwissen über den Umgang mit Schmerz. Und das sowohl bei Patienten als auch bei medizinischem Personal. Viele Schmerzpatienten werden leider gar nicht oder nur unzureichend behandelt. Auf der anderen Seite ist aber auch ein unkritischer Umgang mit Schmerzmitteln keine Seltenheit.

Prinzipiell gilt: Die Dauer des beklagten Schmerzes ist ausschlaggebend für die Therapie. Hier unterscheidet man den akuten und den chronischen Schmerz.

Der akute Schmerz lässt sich in der Regel einer bestimmten Ursache zuordnen. Er hat Signal- und Warnfunktion. Der Schmerz, der beispielsweise entsteht, wenn sich ein Kind die Hand an der heißen Herdplatte verbrennt, führt dazu, dass reflektorisch die Hand blitzschnell weggezogen wird und die Schädigung so gering wie möglich ausfällt. Für den Akutschmerz, wie er beispielsweise auch nach einer Operation auftritt, gilt: So schnell wie möglich gut behandeln, so dass der Patient keinen Schmerz mehr verspürt. Denn, bei anhaltenden Schmerzen ist eine Chronifizierung, das heißt eine Abkopplung des Schmerzes von seiner eigentlichen Ursache möglich. Das geschieht durch neuroplastische Veränderungen von Nervenzellen im Gehirn, das sogenannte Schmerzgedächtnis entsteht. Der Schmerz verliert seine Warn- und Signalfunktion, die Schmerzwahrnehmung wird krankhaft. Und ist der Schmerz erst einmal chronisch geworden, ist er oft nur noch zu lindern, aber nicht mehr vollständig zu beseitigen.

In der professionellen Schmerztherapie setzen wir verschiedene Behandlungselemente ein. Klassisch konservativ ist die Behandlung mit Medikamenten. Dabei wenden wir neben allgemeinen auch spezifische, speziell gegen eine Krankheit gerichtete Schmerzmittel an, zum Beispiel bei der Migräne. Begleitmedikationen, die die eigentliche Therapie verträglicher machen, ergänzen die Behandlung.

Reicht die konservative Therapie nicht aus, bietet die Mikroinvasive Schmerztherapie gute Möglichkeiten, Stichwort: Schmerzkatheter. Hier wird ein dünner Kunststoffschlauch durch eine Spezialnadel in die Nähe des zu betäubenden Nervs platziert. Über den Katheter kann mittels einer speziellen Medikamentenpumpe ein örtliches Betäubungsmittel kontinuierlich an den Nerven abgegeben und so über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen sicher eine Schmerzfreiheit erzielt werden.

Die Therapie chronischer Beschwerden ist meist komplexer. Neben der medikamentösen Behandlung spielen hier die Physio-, Verhaltens- und Psychotherapie eine große Rolle.