15.09.09
Ungefähr zehn bis zwanzig Prozent der Schulkinder leiden an Wachstumsschmerzen. Unter Wachstumsschmerzen versteht man wiederkehrende Schmerzsensationen der Extremitäten, zumeist der unteren, die nicht eindeutig bestimmten Strukturen wie Muskeln, Gelenken oder Sehnen zugeordnet werden können. Ursachen und Entstehung sind unbekannt. Ein sehr wichtiges Kriterium ist, dass die Schmerzen spätestens nach einigen Tagen von allein wieder verschwinden. Wachstumsschmerzen können bei Kindern von zwei bis zwölf Jahren auftreten, überwiegend spät am Tag oder nachts. Häufig erwachen die Kinder dadurch. Sie beschreiben die Schmerzen als krampfartig kriechend, eine Art „Ruhelosigkeit“ der Beine. Am Tag darauf sind die Kinder in der Regel völlig unbeeinträchtigt, einmal abgesehen von den Folgen der unruhigen Nacht. Im Normalfall verschwinden die Schmerzen in einem Zeitfenster von ein bis zwei Jahren.
Leider ist das Phänomen Wachstumsschmerz bislang wenig untersucht. Ein Zusammenhang mit akuten Wachstumsschüben konnte nicht nachgewiesen werden. Das heißt, die Schmerzen treten nicht unbedingt dann auf, wenn das Kind einen Wachstumsschub hat. Auch geht mit ihnen keine Störung des Wachstums einher. Deshalb ist der Begriff „Wachstumsschmerz“ auch eher irreführend.
Wir können allerdings eine gewisse familiäre Häufung beobachten und zwar in dem Sinne, dass Kinder, deren Eltern an Wachstumsschmerzen litten, häufig auch davon betroffen sind.
Wachstumsschmerzen an sich sind harmlos. Jedoch gibt es durchaus ernste Erkrankungen, die ähnliche Schmerzen hervorrufen können. Diese gilt es in jedem Fall zu unterscheiden. Deshalb sollte jedes Kind, dessen Schmerzen länger als fünf bis sechs Tage nacheinander anhalten, zusammen mit seinen Eltern einen Arzt aufsuchen. Kommt zusätzlich Fieber oder eine Leistungsschwäche hinzu, sollte sofort ein Arzt konsultiert werden. Dieser kann durch das Anfertigen eines Röntgenbildes sowie mittels einer Blutuntersuchung andere Erkrankungen wie Knochentumoren oder Entzündungen des Knochens relativ schnell ausschließen. Die Diagnose „Wachstumsschmerz“ ist also eine reine Ausschlussdiagnose. Aber es ist sehr wichtig, eine ernsthafte Erkrankung auszuschließen.
Die Therapie der Wachstumsschmerzen besteht hauptsächlich in der Aufklärung der Kinder und Eltern über die harmlose Natur dieses Phänomens. Eltern sollten in den Schmerzphasen dem Kind besondere Zuwendung zeigen, das schmerzende Bein massieren oder streicheln. Auch lokale Wärmeanwendungen können die Schmerzen lindern. Kommt das Kind dann immer noch nicht zur Ruhe, kann auch ein Schmerzmittel helfen. Dies sollte jedoch die Ausnahme sein.