HELIOS Klinik Rottweil

Arten der Anästhesie

  • Man unterscheidet grundsätzlich drei Grundformen der Anästhesie:

 

Lokalanästhesie (örtliche Betäubung):

Hierbei wird nur ein kleiner Bereich des Körpers schmerzfrei gemacht.

 

Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)

Nach den üblichen Vorbereitungen und dem Anlegen eines venösen Zuganges, in der Regel am Unterarm oder Handrücken, werden über diesen durch den Anästhesisten die Narkosemedikamente in der für Sie geeigneten Zusammensetzung verabreicht. Hierbei handelt es sich um schnellwirksame Schlafmittel (Hypnotika), Schmerzmittel (Opiate) sowie muskellähmende Medikamente (Muskelrelaxantien).

Durch die Kombination dieser Medikamente wird sehr schnell das Bewusstsein ausgeschaltet, so dass Sie vom weiteren Verlauf an keinerlei Erinnerungen und Schmerzempfindung mehr haben.

Nachdem die Operation beendet wurde, kann durch Reduktion der Narkosemedikamente das Bewusstsein des Patienten wiederhergestellt werden.

 

Regionalanästhesie

Die Regionalanästhesie, auch Teilnarkose genannt, ist eine sinnvolle Alternative zur Vollnarkose. Sie führt zur völligen Schmerzausschaltung im Operationsgebiet, dabei ist der Patient wach und ansprechbar. Besonders geeignet hierfür sind Eingriffe an Beinen, Unterleib, Becken und Armen. Wir führen in unserer Abteilung vor allem 4 Formen der Regionalanästhesie aus:

  • Spinalanästhesie
  • Periduralanästhesie
  • Armplexusanästhesie 

  • 2 in 1-Block.

 

Diese Verfahren können sowohl als Einzelinjektion (sog. Single Shot) für eine begrenzte Wirkdauer oder als sogenannte Kathetertechnik für einen längeren Zeitraum, z. B. für die Schmerztherapie nach der Operation, durchgeführt werden.

 

Spinalanästhesie

Dem Patienten wird sitzend oder liegend in Seitenlage nach örtlicher Betäubung der Einstichstelle am Rücken mit einer sehr dünnen Nadel im Bereich der unteren Lendenwirbel-säule der Rückenmarkskanal punktiert und ein Betäubungsmittel in die Rückenmarks-flüssigkeit (Liquor) eingespritzt. Das Betäubungsmittel verteilt sich im Liquor und es kommt zur Ausschaltung der Schmerzweiterleitung in das Gehirn. Der Punktionsort befindet sich unterhalb des Rückenmarks, also im rückenmarksnahen Bereich, so daß üblicherweise keine Gefahr für das Rückenmark besteht.

Innerhalb von 5 bis 10 Minuten setzt die Wirkung vollständig ein. Die Beine werden zuerst warm und es kommt zu einer vorübergehenden Bewegungseinschränkung der Beine.

Dieses Verfahren ist schon seit mehr als 100 Jahren bekannt und damals von Prof. Bier und seinem Assistenten Hildebrand zum ersten Mal ausprobiert.

 

Periduralanästhesie

Die Periduralanästhesie ist mit der Spinalanästhesie vergleichbar mit dem Unterschied, daß hier die Periduralnadel nur bis in das, die harte Rückenmarkshaut umgebende Gewebe vorgeführt wird. Bei dieser Technik kann man auch einen biegsamen Katheter über die Nadel in diesen Bereich einführen. Nach der Injektion des Lokalanästhetikums werden die Nervenströme, die dort verlaufen, blockiert. Die Wirkung setzt nach etwa 20 Minuten ein.

Ihre häufigste Anwendung findet die Periduralanästhesie in der Geburtshilfe, bei sehr ausgeprägten Wehenschmerzen und bei geplanter Kaiserschnittentbindung, in der Gefäßchirurgie und bei operationen der unteren Extremität (z. B. Kreuzbandplastik im Kniebereich).

Die Periduralanästhesie ist auch eine sinnvolle Ergänzung zur Vollnarkose, z. B. bei Operationen im Bauchbereich als Kombination einer Vollnarkose und einer Periduralanästhesie, außerdem kann der Periduralkatheter für eine gute Schmerztherapie nach der Operation verwendet werden (Stichwort Schmerzpumpe).

Da man den Katheter bei entsprechender Pflege über einen längeren Zeitraum benützen kann, kann man ihn auch zur Ausschaltung von Dauerschmerzen, z. B. bei Tumorschmerzen, verwenden (chronische Schmerztherapie).

 

Armplexusanästhesie

Bei Operationen an der Hand und am Arm (z. B. Carpaltunnelsyndrom, Unterarmfraktur, Gefäßshunt) können die Nerven der betroffenen Extremität blockiert werden.

 

Vertikaler infraclaviculärer Plexus

Kurz auch VIP genannt, wird bei stationären Patienten angewandt. Hier wird unterhalb des Schlüsselbeines (Clavicula) im Bereich des Nervengeflechtes ein Lokalanästhetikum eingespritzt.

 

Interskalenäre Blockade nach Winnie

Eine weitere Möglichkeit der Anästhesie, vor allem im Schulterbereich, ist diese Blockadeform, die auch als Kathetertechnik zur postoperativen Schmerztherapie in Kombination mit einer Vollnarkose, durchgeführt werden kann. Ein Lokalanästhetikum wird oberhalb des Schlüsselbeines zwischen den Skalenusmuskel im Halsbereich injiziert. Das Nervengeflecht wird auch hier mittels Nervenstimulator aufgesucht.

 

Der 2 in 1-Block

stellt eine Möglichkeit dar, vor allem bei Hüft- und Knieoperationen eine Schmerzausschaltung für die postoperative Phase zu erreichen. Dabei wird ein Lokalanästhetikum im Bereich der Leiste injiziert und in der Regel ein Katheter zur weiteren Schmerzausschaltung gelegt.

 

Die vier oben genannten Punktionstechniken werden bei uns durch Ultraschall gesteuert.