HELIOS Vogtland-Klinikum Plauen

Geschichte des Plauener Krankenhauses

1900 bis 1949

1904 "bewilligte der Stadtgemeinderat" mehrere Neubauten, von denen die Errichtung eines Pavillons für psychiatrische Erkrankungen auf dem Gelände eines Krankenhauses ein fast revolutionärer Akt war.

Dabei schlugen die Kosten für ein Verwaltungsgebäude, einen Pavillon für Haut- und Geschlechtskranke und den für Geisteskranke stark zu Buche - sie waren höher als die des ganzen Neubaus 15 Jahre zuvor.

Ebenfalls um diese Zeit entstand ein neues Maschinen- und Kesselhaus "mit Aufsehen erregender, mechanisch angetriebener Warmwasserheizung" einer Dresdener Firma.

Der Beginn des ersten Weltkrieges machte sich im Hause schnell bemerkbar. So wurden sämtliche Schwestern und zwei Drittel des sonstigen Pflegepersonals zum Kriegsdienst herangezogen, was wiederum zu einem unliebsamen Wechsel des Personals führte.

Und welche Tragödie 1918! Im Juli dieses Jahres hatte das Haus eine ganz außerordentliche Belastungsprobe zu bestehen. Nach einer furchtbaren Explosion in einer Plauener Kartuschierwerkstätte waren nicht nur 299 Tote (fast ausschließlich Frauen und Mädchen) zu beklagen, sondern binnen kürzester Zeit mussten 178 "Brandverunglückte" aufgenommen werden, von denen 139 im Krankenhaus starben. "Brandsalbe und Mastisol wurden zentnerweise verbraucht", Anstaltsbetttücher für Verbandszwecke zerschnitten.

Bemerkenswert ist auch, wie man immer wieder bemüht war, durch Nutzungsänderung der Räume sich den aktuellen Bedürfnissen zu stellen. So kam es 1921 zur Inbetriebnahme neuer Apothekenräume und zur Einstellung eines Apothekers.

In den Jahren des nationalsozialistischen Systems floss das Geld in die Rüstung und in den Krieg. Der 2. Weltkrieg brachte für die städtischen Krankenanstalten Plauens keine Neubauten, sondern Gebäudeschäden und übermäßig viele kranke Menschen. Diese mussten besonders auf Kriegsende in räumlich unzureichenden Verhältnissen bei teilweiser Auslagerung von Krankenstationen in die Umgebung, z.B. nach Leubniz, versorgt werden. So kam Plauen bis 1945 weder zu einer großen und modernen Krankenanstalt, noch zu einer staatlichen Frauenklinik.

Im Zeitabschnitt bis 1945 gab es außer staatlichen Fürsorgeeinrichtungen keine staatliche, poliklinische Behandlungsstelle. Die ambulante Versorgung der Bevölkerung lag allein in der Hand der praktischen Ärzte. Diese hielten auch in Plauen noch um 1950 ihre Sprechstunde im Wohnzimmer ab, später in dafür eingerichteten Behandlungszimmern.

An der Krankenpflege beteiligten sich seit auch 1882 die beim Albert-Zweig-Verein (gegründet im Februar 1869) stationierten Schwestern, die Albertinerinnen. Außer dem direkten Einsatz als Schwestern im Stadtkrankenhaus dienten die aus dem Stammhaus in Dresden kommenden Albertinerinnen in der Armen-Kranken- und Privat-Krankenpflege. So wurden Hausbesuche, Tagespflegen, Nachtwachen und Hilfeleistungen verschiedener Art (Versorgung mit Nahrung und Kleidung) durchgeführt.

1933 kam es zur Einrichtung einer städtischen Schwesternschaft, Ende des Jahrzehnts entstanden die sog. Schwesternhäuser in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses.

Doch dann hatte das Haus den zweiten Weltkrieg zu überstehen. Die Einberufung von Mitarbeitern zum Kriegsdienst, die in vielfältiger Weise erschwerten Arbeitsbedingungen und die Auslagerung von Teilbereichen in benachbarte Orte prägten den Arbeitsablauf. Als der Krieg längst entschieden war, zerstörten schwere Luftangriffe die Stadt Plauen zu 75%, darunter auch Teile des Stadtkrankenhauses.

Schmerzliche Verluste an Menschen und Material waren zu beklagen. Der Neubeginn war unendlich schwer.



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