HELIOS Vogtland-Klinikum Plauen

Geschichte des Plauener Krankenhauses

1800 bis 1899

In den folgenden Jahren ergaben sich für das Gesundheitswesen grundlegende Entscheidungen, welche auch für Plauen wirkungsvoll wurden. Inzwischen war 1815 die chirurgisch-medizinische Akademie in Dresden gegründet worden, deren Abgänger als Ärzte einen guten Ruf hatten. 1824 regelte ein Mandat die Ausübung der inneren Heilkunde. Im Jahr 1847 entfiel die Pflicht, dass Barbiere und Bader eine wundärztliche Ausbildung haben mussten.

In Dresden waren zwischen 1864 und 1877 so genannte "ambulatorische Kliniken" für Innere Medizin, Chirurgie, HNO, Augenheilkunde, Neurologie und Gynäkologie gegründet worden. 1865 entstand in Sachsen das Landesmedizinalkollegium. Aus diesem ging 1912 das Landesgesundheitsamt hervor, während das Reichsgesundheitsamt schon seit 1876 in Berlin existierte.

Nach der Reichsärzteordnung, die am 01.04.1936 in Kraft trat, wurden die Rechtsverhältnisse der Ärzte und ihrer Standesorganisation neu geordnet. Der ärztliche Beruf stellte kein Gewerbe mehr dar, sondern eine durch Gesetz geregelte öffentliche Aufgabe.

Ein großer Fortschritt fand am 17.11.1881 mit der Einführung der Sozialversicherung in Deutschland mittels der kaiserlichen Botschaft statt. 1934 wurde ein Gesetz zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens erlassen. Als 3. Durchführungsverordnung erschien dazu 1935 die Dienstordnung für die Gesundheitsämter. Damit war erstmalig die Grundlage für eine einheitliche deutsche Medizinalstatistik geschaffen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen in Plauen die beiden Hospitäler St. Elisabeth und St. Johannis im Mittelpunkt von Auseinandersetzungen zwischen den Rat der Stadt, der Landesregierung und Kirchenrat. 1855 wurden die Stiftungen vereinigt unter dem Namen "Vereinigtes Aerar der Hospitäler St. Elisabeth und St. Johannis, jetzt Stadtkrankenhausaerar" fortgeführt.

Nach dem Verkauf der vormaligen Hospitalgebäude wurde von 1858 bis 1860 ein dreigeschossiges Corridorkrankenhaus mit 34 Betten an der Hammerstraße erbaut und am 31.08.1860 unter der Leitung von Dr. Böhler in Betrieb genommen. Nach anfänglichen Misstrauen erhielt die Einrichtung immer mehr Zuspruch in der Bevölkerung, so dass die Betten nicht ausreichten. Deshalb musste 1886 im Grundstück des Krankenhauses eine Wellblechbaracke mit 20 Betten aufgestellt werden.

Interessant erscheint die Bettenaufteilung des 1. Plauener Krankenhauses um 1860:

  • 2 Betten erster Klasse
  • 8 Betten zweiter Klasse
  • 6 Betten dritter Klasse
  • 4 Betten für Hautkranke
  • 3 Betten für eine best. Abteilung von Kranken
  • 1 Kinderbett

Die ständige Überfüllung hatte bereits 1883 zu dem Entschluss des Stadtgemeinderates geführt, ein neues, großes Krankenhaus zu erbauen. Der Neubau begann 1885 an der Reichenbacher Straße. Am 07.12.1889 fand die Eröffnung des neuen Krankenhauses mit einer vorläufigen Kapazität von 114 Betten statt. Das alte, zum Vermögen der vereinigten Hospitäler gehörige Krankenhaus an der Hammerstraße wurde an den Militärfiskus vermietet.

Die Kapazität von Krankenhausbetten hatte sich in Plauen folgendermaßen entwickelt:

  • 1860 -   34 Betten
  • 1889 - 114 Betten
  • 1900 - 148 Betten
  • 1907 - 317 Betten
  • 1911 - 404 Betten
  • 1913 - 502 Betten

Im weiteren Verlauf kam Plauen durch Erweiterungsbauten des Krankenhauses, die Einrichtung einer Säuglingsabteilung und die Inbetriebnahme mehrerer Privatkliniken bis in die 30iger Jahre des 20. Jahrhunderts auf etwa 1.000 Krankenbetten. 1925 gab es in Plauen insgesamt 14 Privatkliniken auf den Fachgebieten Chirurgie/Orthopädie, Augen, HNO und Gynäkologie.

So wurde dann auch in den Jahren 1887 bis 1889 mit einem Kostenaufwand von nicht ganz 600.000 M für Bauland, Gebäude und Inventar ein neues Krankenhaus an der Reichenbacher Straße errichtet. Dieses bestand aus zehn Baukörpern, die in offiziellen Berichten mit Ausnahme des Hauptgebäudes als Baracken bezeichnet, gleichzeitig aber zu Recht als "sämtlich massiv in deutscher Renaissance" beschrieben wurde.

Schon im ersten Jahrzehnt des neuen Krankenhauses war man beständig auf Verbesserung und Ergänzung der Ausstattung bedacht.

So erfolgte bereits 1896 "die Anschaffung eines Apparates zur Erzeugung von Röntgenstrahlen" - also schon ein Jahr nach deren Entdeckung!

Zwei Jahre später folgten eine elektrische Beleuchtungseinrichtung, ein neuer Desinfektionsapparat, eine Vervollständigung der Laboreinrichtung und der Anfang einer medizinischen Bibliothek.



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