HELIOS Klinikum Pforzheim

Leistungsspektrum

Das Untersuchungsgut der Pathologie stammt aus allen Fachrichtungen der Medizin und umfasst Zellmaterial, Zupfpräparate, Excisate und Resektate, die durch Abstrich von Oberflächen (z.B. Muttermund), Punktion von Organen und Körperflüssigkeiten (z.B. Schilddrüse bzw. Pleuraerguss), Biopsie (z.B. Magen-Zupfpräparate), Excision (z.B. Brustdrüsen-Excisate) oder Organresektion (z.B. Dickdarm-Resektat) gewonnen werden.


Die morphologische Analyse des Untersuchungsgutes erfolgt zuerst makroskopisch und später mikroskopisch, wobei je nach Zell- bzw. Gewebsmaterial, klinischer Fragestellung und morphologischer Veränderung unterschiedliche diagnostische Prinzipien eingesetzt werden. Das Prinzip der ersten Ordnung ist die konventionelle makroskopische Beurteilung und die mikroskopische Analyse der Hämatoxilin-Eosin-gefärbten Schnittpräparate. Das Prinzip der zweiten Ordnung ist die immunhistochemische und das Prinzip der dritten Ordnung die molekularbiologische Analyse der Schnittpräparate.

 

Wenn wir z.B. einen Tumor aus der Brustdrüse einer Patientin bekommen, wird der Tumor nach der makroskopischen Beurteilung zunächst anhand konventioneller Färbungen in gut- oder bösartig kategorisiert. Bei Schwierigkeiten in der Klassifizierung des Tumors werden Spezialfärbungen wie die Immunhistochemie eingesetzt. Dadurch werden gewebsspezifische Antigene detektiert, die Aufschlüsse über den Ursprung, Dignität (Gutartigkeit oder Bösartigkeit) und den histologischen Typ des Tumors geben. Sollte es sich um einen bösartigen Tumor handeln, können prognostische Aussagen durch die Bestimmung der Proliferationsrate der Tumorzellen getroffen werden.

 

Darüber hinaus kann der Pathologe Therapie-Empfehlungen abgeben, indem er feststellt, ob ein bösartiger Brustdrüsentumor über bestimmte Signalempfänger (Rezeptoren) für Medikamente verfügt, die in der Lage sind, das Wachstum des Tumors zu verlangsamen. Beispielsweise können wir auf der Grundlage einer standardisierten immunhistochemischen Methode genau feststellen, ob ein bösartiger Brustdrüsentumor mit Hormonrezeptoren (Östrogen-Rezeptor bzw. Progesteron-Rezeptor) oder dem Tirosinkinase-Rezeptor HER-2-neu (c-erb-B2) ausgestattet ist. Bei zweifelhaften immunhistochemischen Befunden kann die Diagnostik durch molekularpathologische Methoden ergänzt werden. Dazu gehört z.B. die In-situ-Hibrisierung zum Nachweis der Amplifikation des HER-2-neu-Gens. Die Expression von Hormonrezeptoren bzw. des Tirosinkinase-Rezeptors HER-2-neu ermöglicht dann den Einsatz entsprechender Therapeutika, die durch Blockade der Signaltransduktionskaskaden das Wachstum des Brustdrüsentumors signifikant hemmen.

 

Neben der konventionellen zytologischen Diagnostik von Körperflüssigkeiten und Sekreten (Urin, Sputum, Liquor und Bronchialsekret), Abstrich-Präparaten von Organoberflächen (Gynäkologische Exfoliativ-Zytologie), Punktaten aus Körperhöhlen (Pleuraerguß und Aszites) und Beurteilung von Gewebsproben und Operationspräparaten wird die histologische Standarddiagnostik durch histochemische Verfahren und immunhistochemische Methoden komplettiert. Zusätzlich soll in absehbarer Zeit die kolorimetrische In-situ-Hybridisierung zum Nachweis viraler DNA-Fragmente (z.B. Epstein-Barr-Virus-DNA) bzw. zur Detektion amplifizierter Onkogene (z.B. HER-2-neu-Gen) etabliert und eingesetzt werden.

 

Über die intravitale Diagnostik von Krankheiten hinaus hat die Pathologie die Aufgabe, bei verstorbenen Patienten eine exakte Feststellung der Todesursache durch eine Obduktion zu ermöglichen. Dabei werden die klinische Diagnose und Therapie überprüft, vorher ungeklärte pathogenetische Zusammenhänge aufgeklärt und eine epikritische, auch alle Vorkrankheiten berücksichtigende Analyse der Krankheitsabläufe dargestellt. Die Obduktion sorgt somit für Sicherheit und Vertrauen zwischen Arzt und Patient bzw. seinen Angehörigen und ist von immenser Bedeutung in der Qualitätssicherung.



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