HELIOS Klinikum Meiningen

Medizinische Informationen

Demenz
Epilepsie
Exzessive Müdigkeit
Facialisparese
Karpaltunnelsyndrom
Parkinsonsyndrome und Bewegungsstörungen
Schlafbezogene Atemstörungen
Schlafbezogene Bewegungsstörungen
Schlaflosigkeit
Schlaganfall
Schwindel

Demenz

Mit zunehmender durchschnittlicher Lebenserwartung nimmt auch die Anzahl von Demenzen deutlich zu. Bis zum 50. bzw. 60. Lebensjahr bleibt die Anzahl der Demenzkranken im Wesentlichen auf konstantem Niveau. Ab dem 60. Lebensjahr beginnt eine kontinuierliche und dann rasante Steigerung der Erkrankungszahlen. In der Gruppe der 80-Jährigen leiden etwa 20 bis 25 Prozent an einer Demenz.

 

Wesentliche Symptome sind Störungen der Gedächtnisleistungen, vor allem des Kurz- und Langzeitgedächtnisses, des Abstraktionsvermögens, der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit, der Orientierung sowie des praktischen Geschicks. Hinzu kommen im späteren Verlauf emotionale Begleitsymptome wie Störungen des Affektes, Störungen des Hungergefühls sowie der Nahrungsaufnahme sowie zuletzt auch ausgeprägte Schlafstörungen mit starker Störung des Schlaf-/Nachtrhythmus. Zusätzlich treten Phänomene wie Fremd- und Fehlwahrnehmungen (Psychosen) auf, die besonders für die Angehörigen belastend sind.

 

Demenzformen

Alzheimerdemenz
Diese Demenzform wurde von Alois Alzheimer Anfang des 20. Jahrhunderts genau definiert. Patienten fallen zuerst durch deutliche Vergesslichkeit, vor allem Kurzzeitgedächtnisstörungen auf. Im Verlauf kommt es dann zu Orientierungsstörungen. Grund ist ein Untergang von Nervenzellen in der Großhirnrinde und damit ein Mangel an Botenstoffen (Neurotransmitter). Verursacht wird dies hauptsächlich durch einen störenden Partikel (Betaamyloid), dessen Fehlsteuerung und dessen Behandlung aktuell noch Gegenstand intensiver Forschung ist.

 

Vaskuläre Demenz

Eine vaskuläre Demenz entwickelt sich in der Regel in Schüben. Hier kommt es durch verschiedene in unterschiedlichen Gehirnregionen angesiedelte Durchblutungsstörungen zu abrupten Verschlechterungen der Gedächtnisleistung. Begleitend können leichte neurologische Symptome wie Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen, Gangstörungen auftreten. Risikofaktoren für vaskuläre Demenz sind Rauchen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie Blutstoffwechsel- und andere Stoffwechselstörungen.

 

Alkoholdemenz

Akute Vergiftungen mit Alkohol bzw. chronische Vergiftungen begleitet von Vitaminmangelzuständen führen nicht selten zu massiven Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses. Diese sogenannte alkoholtoxische Demenz betrifft auch junge Leute und ist häufig von neurologischen Symptomen wie Gangunsicherheit, Ungeschicklichkeit, Sturzsyndrom sowie epileptischen Anfällen geprägt.

 

Demenz und Parkinsonerkrankung/Levy Body Demenz/Morbus Pick

Diese chronisch neurodegenerativen Erkrankungen sind eher selten und führen zu einer unterschiedlichen Symptomkonstellation, die sich von den oben genannten Demenzen deutlich unterscheidet. Zum einen sind neurologische Symptome wie Gangstörung, Zittern, Gehunfähigkeit und häufige Stürze, im anderen Fall frühzeitiges Auftreten von optischen Halluzinationen oder auch zu erheblichen Wesensveränderungen mit Enthemmtheit, ungezügeltem Essen oder sexueller Enthemmung vergesellschaftet.

 

Andere seltene Demenzformen

Hierunter fallen die posttraumatische Demenz durch direkte Gehirnverletzung, Normaldruck - Hydrocephalus entzündliche Formen der Demenzerkrankungen (Restzustände nach schweren Gehirn- und Gehirnhautentzündungen), Herpes- oder Lues- Erkrankung des Gehirns oder schwere Borrelieninfektion, Creutzfeld Jakob Erkrankung, seltene Vitaminmangelzustände oder Folgeerkrankungen bei schweren Epilepsien).

 

Diagnostik

  • Führend bei der Diagnostik sind die klinische Untersuchung, die Symptomerkennung sowie die allgemeine internistische/hausärztliche Voruntersuchung. Hier gilt es vor allem, Schilddrüsenerkrankungen, schwere Infektionen oder schwere Stoffwechselerkrankungen auszuschließen.
  • Die Schnittbilduntersuchung (CT oder Kernspin) des Gehirns ist bei der Demenzdiagnostik unabdingbar. Zur genauen Einschätzung der verschiedenen Demenzformen ist in der Regel die Durchführung einer Computertomographie ausreichend. In unklaren Fällen sollte auf jeden Fall auch noch eine Kernspintomographie angeschlossen werden, vor allem wenn es sich um Frühstadien von Erkrankungen handelt.
  • Hirnstrommessung (EEG): Die Hirnstrommessung gibt Aufschluss über regionale Funktionsstörungen, epileptische Aktivität oder allgemeine Hirnleistungsveränderungen, die über das Altersmaß hinausgehen. Hier liefert das EEG wertvolle Hinweise.
  • Nervenwasseruntersuchung: Durch die Untersuchung des Nervenwassers können spezifische Infektionen ausgeschlossen werden.

 

Medikamentöse Therapie
Die Behandlungsansätze einer medikamentösen Therapie haben in den letzten Jahren erfreuliche Fortschritte gemacht. Vor allem zu nennen sind die sogenannten Cholinergika, spezielle Medikamente, die den Hirnstoffwechsel anregen. Sie können den dementiellen Abbau, vor allem bei der Alzheimer Demenz, lindern, Verbesserungen herbeiführen, die emotionale Stabilität wieder herstellen sowie den Tag-/Nachtrhythmus regulieren. So gewinnen Demenzpatienten deutlich an Lebensqualität. Außerdem können sie in der Regel deutlich länger im häuslichen Umfeld verbleiben.

 

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist das Einsetzen von Memantine, einem sogenannten NMDA-Antagonisten. Er kann ebenfalls die Gedächtnisleistungen verbessern und wird vor allem bei schwereren Demenzformen empfohlen. Darüber hinaus ist bei Kombination mit Depression auch der Einsatz von antriebssteigernden Antidepressive (sogenannte SSRI) sinnvoll. Klassische Antidepressiva sind mit Vorsicht nur vom Fachmann einzusetzen, da sich die Demenz auch deutlich verschlechtern kann.

 

Spezifische Symptome von Schlafstörungen, Psychosen, Angstzustände, Vergiftungsängsten sollten durch spezifische und gezielte Gabe von Neuroleptika in geringen Dosen behandelt werden.

 

Von Fachleuten nicht empfohlen sind Medikamente wie Ginko, Nimodipin, Piracetam und unspezifische Vitamincocktails. Umstritten ist die Wirkung von Ginseng, Miskelknoblauch, Weißdorn, Rodiola-Roseapflanze und Lezithin.

 

Nicht medikamentöse Therapie
Zu nicht medikamentösen Therapieformen gehören Gedächtnistraining, Gehirnjogging mit Konzentrationsspielen und Merkspiele im Rahmen einer neuropsychologischen oder ergotherapeutischen Behandlung. Hier können Angehörige selbst aktiv werden – und zwar bereits bei Beginn der Erkrankung.

 

Auch die Musiktherapie ist ein wichtiges Instrument. Mit deren Hilfe können emotionale Gefühle oder Probleme auch ohne Worte ausgedrückt werden.

 

 

Zusammenfassung
Es gibt eine Vielzahl von Ursachen sowie Erkrankungsformen von Demenzerkrankungen. Jede Demenzerkrankung muss individuell diagnostiziert und behandelt werden. Hierzu gehört eine ausreichende neuropsychologische Abklärung kombiniert mit neurologischen und psychiatrischen Spezialuntersuchungen. Die Durchführung eines CTs oder einer Kernspintomographie sind obligat. Ebenso bei der Erstdiagnostik die Durchführung einer Nervenwasseruntersuchung zum Ausschluss von spezifischen Entzündungen. Im Anschluss an die Diagnostik ist die geeignete Therapieform für den Patienten zu wählen. Hier werden die oben genannten, wirkungsvollen Medikamente ohne Einschränkungen von den Kostenträgern übernommen und sind auch vom Hausarzt rezeptierfähig. Die Einstellung auf ein Spezialmedikament sollte jedoch dem Fachmann vorbehalten sein.

 

Die psychosoziale Betreuung spielt in Zukunft bei Demenzpatienten eine ganz große Rolle. Vor allem zu nennen sind die vielen Einpersonenhaushalte, die als Wohnform für das Alter nicht die günstigste darstellt. Hier gibt es eine Vielzahl von Anstrengungen durch betreutes Wohnen, Wohngruppen, Seniorenwohngemeinschaften und andere um den Lebensabend in nicht stationären Einrichtungen zu verbringen. Auch zählen hier Nachbarschaftshilfe sowie spezielle Angebote sozialer Einrichtungen.

 

Die alternde Gesellschaft muss sich mit der zunehmenden Zahl von Demenzerkrankungen beschäftigen und ein entsprechendes Angebot bereitstellen. Umso wichtiger ist es, frühzeitig die Weiche einer richtigen Therapie zu stellen und auch entsprechende Therapieangebote wahrzunehmen.

 

nach oben

 

 

Epilepsie

Der Begriff Epilepsie bezeichnet eine Gruppe von Erkrankungen des Gehirns, bei denen von Zeit zu Zeit Anfälle auftreten. Epileptische Anfälle sind durch unterschiedlich lang andauernde Veränderungen der elektrischen Hirnfunktion ausgelöst. Das Erscheinungsbild der Anfälle ist vielfältig und reicht von äußerlich nicht erkennbaren Sinneswahrnehmungen oder flüchtigen Muskelzuckungen über kurze Bewusstseinspausen bis zu Zuckungen am ganzen Körper mit Stürzen und Bewusstseinsverlust und oder komplexen, stereotypen Handlungen. Dabei sind Hirnfunktionen wie z.B. die Bewegungs- und Wahrnehmungsfähigkeit, das Sprechvermögen, das Gedächtnis oder das Bewusstsein vorübergehend beeinträchtigt.

 

Häufigkeit und Ursachen
Etwa fünf Prozent aller Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall. Bei einem Prozent treten die Anfälle wiederholt auf und erfüllen damit die Kriterien einer Epilepsie.

 

Epilepsien können einerseits ohne erkennbare Ursache auftreten (idiopathisch), andererseits Folge einer anderen Erkrankung sein (symptomatisch). Häufige Ursachen einer symptomatischen Epilepsie sind Hirnverletzungen, Hirntumoren, Schlaganfälle. Hierbei sind meist nur ganz bestimmte Hirnregionen betroffen; man spricht dann von fokalen Epilepsien. Bei ausgedehnten Hirnschädigungen kann sogar das gesamte Gehirn betroffen sein. Bei Epilepsien ohne erkennbare Ursache geht man von einer genetisch bedingten Prädisposition zu epileptischen Anfällen aus.

 

Geschichte der Epilepsie
Insbesondere bedingt durch Unkenntnis und Vorurteile in der Bevölkerung wird das Leiden von Betroffenen und Angehörigen häufig als stigmatisierend empfunden. Dies beruht wohl auf den religiösen Interpretationen der Symptome ausgehend von Hippokrates ca. 400 a.C. als „heilige Krankheit“ sowie auf religiösen Deutungen im Mittelalter mit Zuschreibung eines Schutzheiligen (Heiliger Valentin). Auch Persönlichkeiten der Weltgeschichte wie Alexander der Große oder Julius Caesar sowie Dichter und Künstler wie z.B. Dostojewski und Moliere litten mutmaßlich unter einer Epilepsie.

 

Das Auftreten einer Epilepsie greift tief in das Leben der betroffenen Patienten und ihrer Angehörigen ein und berührt zahlreiche Teilaspekte der Lebensführung wie Berufswahl, Partnerschaft, Hobbies, Reisen und Teilnahme am Straßenverkehr.

 

Diagnostik
Im Zentrum der diagnostischen Bemühungen steht die Epilepsie-spezifische Krankengeschichte unter Einbeziehung von Informationen zu Schwangerschaft, Geburt, frühkindlicher Entwicklung, Familienanamnese, Hirnverletzungen und Hinweisen auf entzündliche ZNS-Erkrankungen sowie Medikation. Sofern verfügbar, ist auch die Schilderung durch Personen, die Anfälle beobachtet haben, von Bedeutung. Dies erleichtert das Einordnen der Anfälle und eine Abgrenzung gegenüber nicht epileptischen Anfällen.

 

Elektroenzephalographie
Als diagnoseunterstützendes technisches Verfahren besitzt die Elektroenzephalographie (EEG) den höchsten Stellenwert. Bei der Elektroenzephalographie wird die elektrische Oberflächenaktivität der Hirnrinde abgeleitet und kann die Bereitschaft des Gehirns zu epileptischen Entladungen zeigen. Dieses Verfahren ermöglicht im Idealfall einerseits den direkten Nachweis von Anfällen, bei Registrierung zwischen Anfällen können häufig ebenfalls Veränderungen der elektrischen Aktivität, so z.B. die Lokalisation eines Herdes bei herdförmigen Anfällen nachgewiesen werden. Weiterhin unterstützt das EEG die Unterscheidung zwischen genetisch bestimmten Formen der Epilepsie und durch Hirnverletzungen und -erkrankungen verursachte Formen. Bei speziellen Fragestellungen wie nächtlichen Anfällen können auch Langzeitableitungen (Langzeit-EEG) oder Ableitungen mit gleichzeitiger Videoaufzeichnung des Patienten (Video-Doppelbild-EEG) durchgeführt werden.

 

Bildgebende Verfahren
Kernspintomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) werden zielgerichtet eingesetzt zum Nachweis bzw. Ausschluss epileptogener struktureller Hirnerkrankungen. Bei besonderen Fragestellungen in der prächirurgischen Epilepsiediagnostik können die funktionelle Magnetresonanztomographie sowie Positronen-Emissionstomographie (PET) und Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT) zur genauen Lokalisation Epilepsie auslösender Herde sowie zur Abschätzung neurologischer Ausfälle durch eine Operation eingesetzt werden.

 

Spezielle Laboruntersuchungen
Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor) werden durchgeführt zum Ausschluss entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems als mögliche anfallsauslösende Ursachen.
Ein erstmalig aufgetretener epileptischer Anfall sollte Anlass für eine stationär neurologische Aufnahme mit ausführlicher Abklärung möglicher Ursachen sein. Ebenso sollte eine Serie von epileptischen Anfällen oder ein sogenannter „Status epilepticus“ zur sofortigen stationären Aufnahme führen.

 

Therapiemöglichkeiten

Nichtmedikamentöse Aspekte
Patienten, die an einer Epilepsie erkrankt sind, sollten frühzeitig zu Möglichkeiten der Vermeidung anfallsfördernder Verhaltensweisen aufgeklärt werden. Dazu gehört z.B. Schlafhygiene, Verhalten bei Reisen mit Zeitverschiebung und der Konsum alkoholhaltiger Getränke. Dies alles kann zu einer Reduktion der Anfallshäufigkeit beitragen. Grundsätzlich kann dies aber nicht eine medikamentöse Therapie ersetzen.

 

Arzneimitteltherapie
Durch erhebliche Fortschritte in der Arzneimittelentwicklung gehört die Epilepsie zu den gut behandelbaren neurologischen Erkrankungen. Primäres Ziel der Behandlung ist die Anfallsfreiheit. Bei etwa zwei Dritteln aller Betroffenen kann dies mit einer medikamentösen Therapie erreicht werden. Bei einem Drittel aller Patienten gelingt es erfahrungsgemäß nicht, dauerhaft Anfallsfreiheit zu erreichen. Allerdings gelingt es häufig, wenigstens die Schwere und Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren.

 

Bei etwa 20 Prozent dieser Patienten mit pharmakoresistenten Epilepsien kann nach gezielter Diagnostik gegebenenfalls durch eine epilepsiechirurgische Behandlung eine deutliche Reduzierung der Anfallsfrequenz erreicht werden.

 

Die Wahrscheinlichkeit der Anfallsfreiheit bei indikationsgerechter operativer Therapie beträgt 50 bis 80 Prozent.

 

Zum Erreichen des Ziels, möglichst vielen Patienten eine Lebensweise zu ermöglichen, die ihren Fähigkeiten und Begabungen gerecht wird, gehören insbesondere Aufklärung und Beratung, Anleitung zur Anfallsdokumentation in Form eines Anfallstagebuchs sowie Unterstützung zur Integration in Schule, Beruf und Gesellschaft.

 

 

 

Exzessive Müdigkeit (Narkolepsie/Hypersomnie)

Müdigkeit kann viele Erscheinungsformen haben. So ist zu unterscheiden, ob es sich um ein Erschöpftsein handelt, eine starke Lustlosig- oder Antriebslosigkeit oder um ein echtes Schlafbedürfnis. Ein krankhaftes Schlafbedürfnis unterscheidet sich von einer Müdigkeit, für die es eine verantwortliche Ursache wie zu wenig Schlaf oder nicht erholsamer Schlaf durch zu viele Aufwachvorgänge (Arousal) gibt.

 

Bei der Narkolepsie kommt es zu einem unbeherrschbaren Schlafbedürfnis wie auch häufig zu Muskelschwäche infolge einer emotionalen Erregung wie Freude, Stolz oder Ärger. Forschungsergebnisse deuten auf einen Mangel an Hypocretin (Orexin) als Ursache. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich der Untergang einer kleinen, Orexin produzierenden Zellregion im Hypothalamus. Diese im Hirnwasser nachzuweisende Substanz steuert bei Gesunden den Schlaf-Wachrhythmus.

 

Moderne Medikamente und schlafhygienische Maßnahmen wie auch eine Reglementierung des Tag-Nacht-Ablaufs werden zur Behandlung dieser relativ seltenen Erkrankung eingesetzt.

 

 

 

Facialisparese

Bei angeborenen Erkrankungen, Verletzungen oder auch häufig nach Tumoreingriffen ist der große Gesichtsnerv, der Nervus facialis, gelähmt. Betroffene Patienten können die Gesichtshälfte nicht mehr bewegen, was ein emotionsloses Gesicht zur Folge hat. Die Erkrankten sind sozial und in ihrer emotionalen Ausdrucksfähigkeit isoliert.

 

Besonders unter Verwendung mikrochirurgischer Techniken wie der Transplantation von Nerven und Muskulatur kann das Gesicht reanimiert werden. Dynamische und statische Wiederherstellungen der Gesichtsmimik können große Erfolge in der Wiederherstellung des Lachens oder des Lidschlusses erzielen.

 

 

 

Karpaltunnelsyndrom - Einengung der Nerven am Handgelenk

In Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger treten insbesondere nachts oder frühmorgens Schmerzen und Kribbeln auf. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem ständigen Taubheitsgefühl der Finger kommen. Häufige Ursache ist eine Einengung des Handmittelnervs in seinem Verlauf durch den Handwurzelkanal. Bei entsprechendem neurologischem Befund ist eine operative Behandlung angezeigt.

 

Bei der Operation wird bei der offenen Technik über einen etwa zwei bis drei Zentimeter langen Hautschnitt zwischen Daumen- und Kleinfingerballen eine Bandstruktur über dem Karpaltunnel aufgesucht und durchtrennt. Bei der endoskospischen Technik genügt ein ein Zentimeter langer Hautschnitt. Bei länger bestehender Taubheit zeigt sich eine langsamere Rückbildung der Beschwerden, bis sich der Nerv von der Einengung erholt hat.

 

 

 

Parkinsonsyndrome und Bewegungsstörungen

Parkinsonsyndrome sind Syndrome von Unterbeweglichkeit. Sie sind auf verschiedene neurodegenerative Prozesse zurückzuführen. Durch geeignete Diagnostik und Therapie kann die Krankheit im Frühstadium erkannt und behandelt werden. Im Einzelfall ist auch eine direkte kausale Therapie möglich (Normaldruckhydrozephalus, Infektion oder Intoxikation). Durch den Einsatz verschiedener Medikamente in unterschiedlichsten Darreichungsformen hat die Erkrankung heute wesentlich bessere Prognosen und Verläufe als noch vor wenigen Jahren.

 

Generell unterscheidet man zwischen Bewegungsstörungen, die mit Über- oder Unterbeweglichkeit einhergehen. Insgesamt sind Bewegungsstörungen mit Unterbeweglichkeit deutlich vermehrt anzutreffen.

 

Parkinson (idiopathisches Parkinsonsyndrom)
Die Parkinsonsche Erkrankung wurde im Jahre 1811 vom englischen Neurologen James Parkinson erstmals beschrieben. Die Kardinalsymptome sind Rigor (Muskelsteifigkeit), Tremor (Zittern) und Akinese (verminderte Beweglichkeit). Da nicht bei jedem Patienten die Symptome gleichwertig ausgeprägt sind, unterscheidet die Neurologie zwischen Parkinson vom „akinetischen“ Typ, Parkinson vom Tremordominanztyp und Parkinson vom Äquivalenztyp. Dies hat auch große Bedeutung für die Therapie, da nicht alle Symptome gleich auf Medikamente ansprechen.

 

Biologisch liegt dem idiopathischen Parkinsonsyndrom eine drastische Verminderung der dopaminproduzierenden Zellen in der Substancia nigra, einer speziellen Gehirnregion, zugrunde. Nach Untergang von etwa 50 bis 70 Prozent dieser Zellen kommt es zu den ersten Symptomen, die in der Regel einseitig beginnen. Am häufigsten festzustellen ist der einseitige Rigor, die einseitige Steifigkeit der Muskulatur, mit entsprechendem Zittern. Dies äußert sich in vielen Fällen in vornüber gebeugter Haltung mit oft langjährig bestehenden Rückenschmerzen. Ein deutlich herabgesetztes Riechvermögen kann der Bewegungsstörung lange Jahre voraus gehen.

 

Im Verlauf kommt es nach durchschnittlich fünf bis sieben Jahren zur Ausprägung von deutlichen Gangstörungen, kleinschrittigem Gang mit vermehrten Wendeschritten sowie Standunsicherheit mit Verminderung der Schutzreflexe (postorale Instabilität). Daneben treten zahlreiche vegetative Begleiterscheinungen auf wie Darmverstopfung, Salbengesicht sowie Blutdruckschwankungen, vor allem Blutdruckabfall im Stehen.

 

Multisystematrophie
Eine zweite Gruppe von Parkinsonsyndromen wird mit dem Überbegriff Multisystematrophie zusammengefasst. Hier kommt es in verschiedenen Gehirnarealen zu einer sogenannten Neurodegeneration, dem Absterben von bestimmten Hirnzellengruppen. Je nachdem, in welchem Gehirnareal sich der Hauptbefund findet, wird auch die Multisystematrophie bezeichnet (z.B. Multisystematrophie vom cerebellären Typ (MSA-C), (OPCA Typ) oder Multisystematrophie Pontinatyp (MSA-P). (PSP Typ)). Dementsprechend kommen bei diesen Erkrankungen noch andere neurologische Zeichen wie frühzeitiges Einsetzen von Ungeschicklichkeit, Gedächtnisstörungen, Blasenfunktionsstörungen und erhebliche Störungen des autonomen Nervensystems vor.

 

Aufgrund der verschiedenartigen Degenerationen im Gehirn ist diese Gruppe von Erkrankungen sehr unterschiedlich ausgeprägt und spricht in der Regel nicht so gut auf die medikamentöse Therapie an.

 

Normaldruckhydrozephalus (NPH)
Beim Normaldruckhydrozephalus (NPH) sammelt sich vermehrt Nervenwasser in den Hirnkammern an. Kennzeichnend für das Krankheitsbild ist eine spezielle Symptomkonstellation mit Gedächtnisstörung mit Affektlabilität, schwerer Gangstörung mit Magnetphänomen (Füße „kleben“ am Boden fest) und Inkontinenz (Unfähigkeit der Urinkontrolle). Ursache für die vermehrte Nervenwasseransammlung ist ein Missverhältnis zwischen Resorption und Bildung des Nervenwassers. Dieser Überschuss führt zwar nicht zu einem Überdruck, erweitert jedoch chronisch die Hirnkammern und beeinträchtigt somit auch gesunde Hirnstrukturen.

 

Diagnostisch ist neben dem CT-Befund die sogenannte Entlastungspunktion wichtig. Hierbei werden unterhalb des Rückenmarks etwa 30 bis 50 ml Nervenwasser entnommen. Dadurch bessern sich in der Regel alle Symptome relativ rasch und nachhaltig und es können weitere therapeutische (meist operative) Schritte in Erwägung gezogen werden.

 

Medikamenteninduziertes Parkinsonsyndrom
Eine Vielzahl von Psychopharmaka (Neuroleptika) haben als Nebenwirkung die Ausbildung einer deutlichen Unterbeweglichkeit. Im Frühstadium kommen bei diesen Medikamenten Blickgrenze und Zungen-/Schlundgrenze vor, die als Frühdiskinesien bezeichnet werden. Auch bestimmte Medikamente gegen Übelkeit können diese Symptome auslösen. Werden diese Medikamente abgesetzt, bilden sich die Symptome in der Regel zurück; im Umkehrschluss dürfen sie bei Patienten mit typischem Parkinsonsyndrom niemals verordnet werden.

 

Seltene Parkinsonsyndrome
Darunter fallen Parkinsonsyndrome bei Tumoren, nach schweren Kopfverletzungen, Gehirnentzündungen, einseitiger Neurodegeneration (Corticobasalganglien-Degeneration) oder chronischen Vergiftungen.

 

Diagnostik und Therapie
Die Diagnostik und Therapie von Parkinsonsyndromen muss durch einen geschulten Neurologen erfolgen. Zur Grunddiagnostik gehört die Durchführung eines Computertomogramms, eines Elektroencephalogramms (EEG) sowie im Einzelfall auch eine Nervenwasseruntersuchung zum Ausschluss entzündlicher Erkrankungen.

 

Die Therapie richtet sich nach den Symptomen und nach dem Erkrankungsalter. Am besten sprechen die Symptome bei dem idiopathischen Parkinsonsyndrom auf das Medikament L Dopa an. Dieser Nervenbodenstoff kann direkt ergänzt werden und führt in der Regel prompt zu einer Verbesserung der Beschwerden. Bei jüngeren Patienten sollte jedoch die Gabe von sogenannten Dopa-Agonisten vorgezogen werden.

 

Im mittleren Erkrankungsstadium und den Spätstadien kommen verschiedene andere therapeutische Optionen zum Zuge. In Einzelfällen kann zum Beispiel in spezialisierten Zentren ein sogenannter Hirnschrittmacher implantiert werden (tiefe Hirnstimulation).

 

nach oben

 

 

 

 

Schlafbezogene Atemstörungen

Unter die schlafbezogenen Atemstörungen fällt ein ganzer Formenkreis verschiedener Erkrankungen, die durch Atempausen oder Atemverminderungen mit einhergehenden Sauerstoffentsättigungen und Aufwachreaktionen (Arousals) gekennzeichnet sind.

 

Eine Atempause wird als Apnoe, eine Atemverminderung als Hypopnoe bezeichnet. Der Begriff Apnoe leitet sich aus dem Griechischen her und heißt übersetzt Windstille. Mehr als zehn solcher Atemereignisse pro Stunde auf die ganze Schlafzeit gemittelt gelten als pathologisch bzw. behandlungsbedürftig. Die Grenzen zur Behandlungsbedürftigkeit sind dabei fließend. So können beispielsweise fünf einminütige Ereignisse pro Stunde für einen Kreislauf belastender sein als 30 zehnsekündige Atempausen/Stunde.

 

Auch hat sich in neuerer Zeit eine schlafbezogene Atemstörung besonderer Form in der Schlafmedizin etabliert. Es handelt sich um das „Upper Airway resistance Syndrom“ – kurz: UARS. Lautes Schnarchen oder schweres Atmen ohne prominente Sauerstoffentsättigung  mit und ohne häufige Aufwachvorgänge. Den Schlaf unerholsam macht diese Erkrankung durch die Erschöpfung der Atempumpe bzw. die erhöhte Anstrengung durch das schwere Atmen infolge einer Verengung der oberen Atemwege (Hypopharinx) im Schlaf bzw. vermehrtes Aufwachen.

 

Unterschieden werden außerdem obstruktive und zentrale Atemstörungen.

 

Die therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung der Apnoen sind vielfältig. Als sogenannter Goldstandard ist die Beatmung über eine Nasen- oder Nasen-Mund-Maske gesichert. Durch das durch Überdruck vermittelte Offenhalten der oberen Atemwege wird eine kontinuierliche Atmung bei der Behandlung der obstruktiven Apnoe gesichert.

 

Zentrale Atemstörungen haben eine andere Pathopyhsiologie. Ihre Ursache kommt aus einem gestörten Atemantrieb und/oder Verminderung der Pumpleistung des Herzens. Deren Behandlung erfolgt ebenfalls über Nasen oder Mund/Nasen-Maske, jedoch mit anderen Beatmungsmodalitäten.

 

Der therapeutische Nutzen einer erfolgreichen Behandlung ist groß. Abgesehen von einer deutlichen Verbesserung der subjektiven Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit für den Tag wie auch Erholsamkeit des Nachtschlafes kann mit einer mittelfristigen Verbesserung und Stabilisierung des Blutdruckes und morgendlichen Blutzuckerwertes gerechnet werden. Durch die nächtliche Entlastung des Kreislaufs vermindert sich das Risiko für lebensbedrohliche Herz-Kreislauferkrankungen.

 

 

 

Schlafbezogene Bewegungsstörungen

Das „Restless-Legs-Syndrom“ ist eine inzwischen häufig gestellte Diagnose. Allein durch die Beantwortung folgender vier Aussagen mit „Ja“ kann von dem Vorliegen einer solchen Diagnose ausgegangen werden:

  • Quälende Missempfindungen in den Beinen und/oder Armen wie Ziehen, Reißen, Jucken oder Prickeln
  • Unruhe der Gliedmaßen oder des ganzen Körpers. Bewegung hilft.
  • Die Beschwerden machen sich hauptsächlich in Ruhe und Entspannung bemerkbar
  • Es liegt eine tageszeitliche Verteilung der Beschwerden vor. Überwiegend treten sie in den Abendstunden auf.

Es gibt mehrere gut wirksame Medikamente zur Behandlung dieses quälenden Leidens. Allerdings sollte unterschieden werden, ob es sich bei dem RLS-Syndrom um die idiopathische und familiär gehäuft vorkommende Form handelt, oder ob eine Niereninsuffizienz oder Mangel an Eisen bzw. anderer Mangel einer wichtigen Substanz dafür verantwortlich zu machen ist.

 

Oftmals leiden Patienten im Schlaf unter einer ähnlichen Symptomatik von Bein- und/oder Armbewegungen. Dieses Syndrom nennt sich „Syndrom periodischer Bewegungen im Schlaf“ (PLM-Syndrom). Erinnerlich ist dem darunter Leidenden seine motorische Unruhe nicht. Allerdings kommt es wie bei vielen Schlafstörungen zu vermehrten Weckreaktionen (Arousals) und unerholsamem Nachtschlaf. Ob eine Erkrankung vorliegt, lässt sich nur in einem Schlaflabor diagnostizieren und dementsprechend behandeln.

 

 

 

Schlaflosigkeit, Insomnie

Etwa ein Drittel der Bevölkerung leidet bisweilen unter mehr oder weniger belastenden Phasen der Schlaflosigkeit. Ein- und Durchschlafstörungen erreichen dann Krankheitscharakter, wenn sie für länger als drei Wochen bestehen bzw. immer wieder seit einem längeren Zeitraum für mehr als drei Monaten auftreten. Der Griff zum Schlafmittel kann nicht die Lösung für eine Dauertherapie sein, denn Nebenwirkungen und die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung sind vielfältig.

 

Die Gründe für Schlaflosigkeit können vielfältig sein und bedürfen einer genauen Anamnese sowie Differentialdiagnose. Es kommen häufig chronische Erkrankungen wie Infektionen dafür in Frage. Ebenso spielen verschiedene Medikamente bei der Entstehung von Ein- oder Durchschlafstörungen eine Rolle. Häufig können bei genauer Analyse mehrere Ursachen für eine Schlafstörung gefunden werden. Die Erkrankungen, auf die in diesem Text näher eingegangen wird, können ebenfalls zu insomnischen Beschwerden führen, und sollten dementsprechend vorher ausgeschlossen werden.

 

Eine der häufigsten Insomnien stellt die Primäre Insomnie dar. Sie ist gekennzeichnet durch Beschwerden über ungenügend Erholschlaf, zu lange Einschlafzeiten bzw. generell einem massiven Unzufriedensein mit dem Nachschlaf. Oftmals bildet die „innere“ Beschäftigung mit dem nicht ausreichenden Schlaf einen Teufelskreis im Sinne einer stetig wachsenden Erregung, dem „Hyperarousal“. Aus einem relativ unbedeutendem Anlass oder einer Phase der Schlaflosigkeit heraus kann so eine sich verselbständigende, ausgeprägte Erkrankung erwachsen.

 

In unserem Labor legen wir Wert darauf, es gar nicht erst zu einer Chronifizierung dieses Leidens kommen zu lassen. Schnelle effiziente Hilfe ist eine der wichtigsten Maßnahmen. Aufklärung und differenzierte Selbstwahrnehmung, das Führen von Schlaftagebüchern und schlafhygienische Maßnahmen, die kurzfristige Gabe eines Schlafmittels und Aktometrie (ambulante Messung des Aktivitätsrhythmus) sind einige uns zur Verfügung stehende Mittel zur schnellen Hilfe.

 

Einen Termin zur stationären Aufnahme empfehlen wir dann, wenn akute Hilfen keine ausreichende Wirkung zeigen. Letztendlich ist es unser Ziel, den an Schlaflosigkeit leidenden in eine Situation zu bringen, in der die Zufriedenheit mit dem Erholschlaf wieder ausreichend ist, die Tagesbefindlichkeit gut, das Beschäftigen mit dem kommenden Nachtschlaf aufhört und hierzu möglichst keine Schlafmittel nötig sind. Eine länger währende ambulante Betreuung ist hierbei häufig notwendig.

 

 

 

Schlaganfall

Bei einem Schlaganfall kommt es zu einem plötzlichen Ausfall bestimmter Funktionen des Gehirns. Unter dem Begriff werden verschieden Erkrankungen zusammengefasst, wobei die häufigste Ursache eines Schlaganfalles (80 Prozent) eine lokal begrenzte Mangeldurchblutung des Gehirns ist („Gehirninfarkt“). Daneben können aber auch Blutgefäße einreißen und zu einem Bluterguss im Gehirn oder Kopf führen („Gehirnblutung“, etwa 20 Prozent der Fälle). Weitere seltenere Erkrankungen können die Symptome eines Schlaganfalles auslösen.

 

Ursachen
Ein Gehirninfarkt entsteht durch einen Blutgefäßverschluss. Die Blutgefäße werden dabei entweder durch eine zunehmende Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) immer enger, sodass schließlich nicht mehr ausreichend Blut durch die Engstelle fließen kann. Oder ein Blutpfropf bildet sich im Herzen (zum Beispiel bei unregelmäßigem Herzschlag (Vorhofflimmern) oder nach Herzinfarkt, und schwimmt mit dem Blutkreislauf in die Hirngefäße, die er dann verstopft (Thromboembolie). Schließlich können auch die kleinen Blutgefäße im Gehirn geschädigt werden (vor allem durch zu hohen Blutdruck), was dann wiederum zu einer zunehmenden Wandverdickung kleiner Adern (Mikroangiopathie) und schließlich zum Gefäßverschluss mit den Folgen eines Hirninfarktes führen kann.

 

In etwa 20 Prozent der Fälle kann ein Schlaganfall auch durch Blutungen im Inneren des Gehirns entstehen, also durch Hirnblutungen. Dabei tritt Blut unter hohem Druck aus geplatzten, meist durch eine Arterienverkalkung vorgeschädigten Gefäßen in das umliegende Hirngewebe ein.

 

Zwei bis fünf Prozent der Schlaganfälle werden durch sogenannte Subarachnoidalblutungen hervorgerufen. Dabei handelt es sich um eine Blutung im Raum zwischen Gehirn und der weichen Hirnhaut (Arachnoidea).

 

Seltenere Ursachen können Gefäßentzündungen, -missbildungen oder -verletzungen, Störungen im Blutgerinnungssystem oder Gerinselbildungen der venösen Blutleiter (z.B. eine sogenannte Sinusvenenthrombose) sein.

 

Symptome und Diagnostik
Plötzlich auftretende neurologische Symptome, also Ausfallzeichen bestimmter Gehirngebiete, weisen auf einen Schlaganfall hin. Aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben des Gehirnes können die Symptome sehr unterschiedlich sein.

 

Zu den häufigsten Symptomen eines Schlaganfalls gehören:

  • Halbseitige Lähmung/Gefühlsstörung
  • Sprachstörung, Sprachverständnisstörung
  • Sehstörung (Verschwommen sehen, halbseitige Sehstörungen, Doppelbilder)
  • Gangstörung
  • Bewusstseinsstörungen
  • Schluckstörungen, verwaschene Sprache
  • Heftige akute Kopfschmerzen
  • Schwindel, Übelkeit, Erbrechen

Bei Verdacht auf Schlaganfall muss SOFORT der NOTARZT (TELEFON 112) verständigt werden. JEDE MINUTE ZÄHLT!

 

Das gilt auch, wenn die Symptome nur vorübergehend aufgetreten sind. Sie könnten Vorboten eines massiven Anfalls sein und müssen in jedem Fall schnellstmöglich neurologisch abgeklärt werden.

 

Die Zeit vom Auftreten der ersten Symptome bis zum Behandlungsbeginn ist entscheidend für die Prognose. Je schneller die Therapie begonnen wird, desto mehr Therapiemöglichkeiten bestehen und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer bleibenden Behinderung oder Tod. Um keine Zeit zu verlieren, sollten Sie nicht selber eine Klinik aufsuchen oder den Hausarzt anrufen, sondern immer zuerst den Notruf (112) verständigen.

 

Was können Sie tun, wenn einer Ihrer Angehörigen Symptome eines Schlaganfalls zeigt?

  • Sofortige Verständigung des Notrufes 112 – auch bei geringen Beschwerden!
  • Beruhigung des Betroffenen
  • Keine Gabe von Getränken oder Medikamenten! Beengende Kleidung lockern
  • Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage, sonst mit leicht erhöhtem Oberkörper lagern
  • Bei Herz- Kreislaufstillstand Mund-zu-Mund Beatmung und Herzdruckmassage
  • Erkundigen Sie sich genau, wann die Symptome begonnen haben.
  • Geben Sie alle Medikamente an, die eingenommen werden (insbesondere Marcumar!)
  • Geben Sie an, welche Vorerkrankungen bestehen.
  • Bleiben Sie immer (!) erreichbar. Geben Sie Ihre Telefonnummer an oder fahren Sie mit dem Rettungswagen mit!

 

Untersuchungen bei Verdacht auf Schlaganfall
Nach Aufnahme in der Klinik wird schnellstmöglich die Notfallbehandlung festgelegt. Zunächst erfolgt eine Befragung durch den Arzt. Mit Hilfe des Patienten und den Angehörigen wird geklärt, ob es sich bei den geschilderten Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Schlaganfall oder möglicherweise doch um eine andere Erkrankung handelt. Außerdem muss für eine optimale Behandlung die medizinische Vorgeschichte einschließlich der Medikation bekannt sein. Es folgt eine internistische und neurologische Untersuchung. Bei weiter bestehendem Verdacht auf Schlaganfall wird eine Aufnahme vom Kopf angefertigt, die das Gehirn in vielen dünnen Schichtbildern darstellt. Im HELIOS Klinikum Meiningen stehen hierfür ein Computertomograph der neuesten Generation  und ein moderner Kernspintomograph zur Verfügung.

 

Sofern zeitlich möglich, wird ein EKG angefertigt, um Herzrhythmusstörungen als Schlaganfallursache nicht zu übersehen. Eine eventuell erforderliche Röntgenaufnahme des Brustkorbes gibt einen Überblick über Herz- und Lungenform und -funktion.

 

Bei den meisten Schlaganfallpatienten erfolgt bereits in der Notaufnahme eine ständige Überwachung von Puls, Blutdruck, Sauerstoff im Blut und Atemfrequenz mittels eines Monitors.

 

Die eigentliche Therapie erfolgt meist auf der spezialisierten Schlaganfallstation „Stroke Unit“. Hier kümmert sich ein interdisziplinäres Team aus spezialisierten Ärzten und Pflegepersonal, Sprach- und Schlucktherapeuten, Krankengymnasten und Ergotherapeuten um den Patienten. In der Regel ist für die ersten Stunden oder Tage eine kontinuierliche Monitorüberwachung erforderlich, um optimale Bedingungen für eine Genesung zu schaffen und bedrohliche Erkrankungen zu erkennen. Zudem erhält man so oft wertvolle Hinweise auf die Schlaganfallursache. Aber auch die neurologischen Ausfallserscheinungen werden ständig durch das Pflegepersonal und die Ärzte überwacht, um rechtzeitig eingreifen zu können.

 

In den folgenden Tagen schließen sich weitere Untersuchungen an. Diese dienen insbesondere der Ursachensuche für den Schlaganfall. Ein Langzeit-EKG zeigt, ob eventuell bislang unbemerkte Herzrhythmusstörungen vorliegen. Eine Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Gefäße kann nachweisen, ob Verengungen oder Verkalkungen vorliegen. Mit Kontrastmittel können auch schwer darstellbare Gefäße noch abgeleitet werden. Zudem können „Kurzschlüsse“ zwischen den großen Blutgefäßen aufgedeckt werden. In einigen Fällen können mit dem Computertomographen mit Kontrastmitteluntersuchungen die gehirnzuführenden Gefäße vom Herzen bis zu den kleinsten Verästelungen dargestellt werden. Insbesondere Engstellen oder Missbildungen können dadurch erkannt und in ihrer Lage und Form genau abgebildet werden.

 

Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (durch die Brustwand oder von der Speiseröhre aus) kann nachweisen, ob eventuell Abnormalitäten (offenes „Herzloch“), Blutgerinnsel oder Aussackungen im Herzen die Ursache für den Schlaganfall sind.

 

Ausführliche Blutuntersuchungen können weitere Risikofaktoren wie Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen aufdecken.

 

Therapiemöglichkeiten
Alle Schlaganfälle, ob Durchblutungsstörungen oder Hirnblutungen, sollten auf einer spezialisierten Schlaganfallstation „Stroke Unit“ von einem erfahrenen Schlaganfallteam behandelt werden. Das HELIOS Klinikum Meiningen hält eine eigene Stroke Unit vor. Die Betreuung erfolgt rund um die Uhr durch ein interdisziplinäres Team aus spezialisierten Ärzten, Pflegepersonal, Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten.

 

Bei einer Durchblutungsstörung muss schnellstmöglich entschieden werden, ob das Blutgerinnsel, das die Ader verstopft, aufgelöst werden kann. Die Therapie mit den größten Erfolgsaussichten in der Frühphase ist die sogenannte systemische Thrombolyse oder Lysetherapie. Dabei wird ein Medikament über die Vene verabreicht, das die Blutbahn wieder frei macht. Diese Behandlung kann jedoch nicht bei allen Patienten durchgeführt werden. Entscheidend ist unter anderem, dass die Behandlung spätestens drei Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome begonnen wird. Deshalb muss beim Auftreten von Symptomen, die auf einen Schlaganfall hinweisen, so schnell wie möglich gehandelt werden.

 

Leider erreichen nach wie vor viel zu viele Betroffene zu spät die Klinik, so dass eine direkte Beeinflussung der bereits fortgeschrittenen Erkrankung manchmal nicht mehr möglich ist. Aber auch den Patienten, denen aufgrund bestimmter Faktoren eine Thrombolyse nicht angeboten werden kann, kann oft noch durch eine anderweitige Blutverdünnung geholfen werden, bzw. können die gefürchteten Zweitereignisse nach einem Schlaganfall durch Medikamente verhindert werden.

 

Andere Maßnahmen zur Verbesserung der Durchblutung (mechanische Gerinnselentfernung o.ä.) sind bislang nicht ausreichend untersucht, großenteils in ihrer Wirksamkeit fraglich, mit deutlich größeren Risiken behaftet und kommen daher nur in seltenen Ausnahmefällen in Betracht.

 

Patienten mit Hirnblutungen werden ebenfalls auf der Stroke Unit behandelt. Einige Erkrankte kommen für eine Operation in Frage, bei der die Blutung behoben wird. Im Schlaganfallzentrum erleichtert das Einbeziehen unserer Neurochirurgen die Entscheidung über eine möglicherweise erforderliche Operation.

 

Auf der Schlaganfallstation erfolgt neben der spezifischen Behandlung eine engmaschige Kontrolle und Behandlung von Begleiterkrankungen und -erscheinungen des Schlaganfalls, z.B. Therapie von Blutdruck-, Puls-, Blutzucker-, Atmungsstörungen, Überwachung und Behandlung von Ausfallserscheinungen wie Lähmungen und Schluckstörungen und Vorbeugung von Komplikationen wie z.B. Lungenentzündungen oder Beinthrombosen. Bereits in der Frühphase werden die aufgetretenen Ausfälle durch Sprech- und Schlucktherapeuten, Ergo- und Physiotherapie behandelt.

 

Betroffene können bei stabilem Zustand meist nach etwa 24 Stunden von der Stroke Unit in ein normales Patientenzimmer innerhalb des spezialisierten Schlaganfallbereiches verlegt werden. Es folgt die Phase der erweiterten Ursachensuche, der Untersuchung und Behandlung von Risikofaktoren, der Vorbeugung erneuter Ereignisse und der Erholung bzw. Vorbereitung einer Verlegung in eine geeignete Rehabilitationsklinik.

 

 

 

Schwindel

Schwindelsyndrome - häufige Erkrankungen in der Neurologie
Schwindelerkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen, mit denen die Patienten zu uns kommen. Diese Erfahrung stimmt mit der Tatsache überein, dass für Schwindel eine sehr hohe Lebenszeitprävalenz besteht. Häufig sind betroffene Patienten durch die Akutheit der Schwindelerkrankung und die daraus resultierende Stand- und Gangstörung sowie vegetative Begleitreaktionen (Erbrechen, Blutdruckentgleisung etc.) erheblich beeinträchtigt. In anderen Fällen sind Patienten bei rezidivierenden, also wiederkehrenden,  oder chronischen Verlaufsformen in ihrer sozialen Teilhabe z.B. mit gehäuften Fehlzeiten am Arbeitsplatz, Verzicht auf Reisen, Einschränkung der körperlichen Aktivität u.ä., schwer beeinträchtigt.

 

Starker Schwindel erfordert häufig die Einweisung in ein Krankenhaus.

 

Die Ursachen sind äußerst vielfältig. Eine sichere Zuordnung eines Schwindelsyndroms und somit eine zielführende Behandlung ist häufig nur durch eine gezielte Schwindelanamnese und eine spezielle körperliche Untersuchung durch einen Experten gegebenenfalls unter Zuhilfenahme technischer Verfahren möglich.

 

Beispiele für Schwindelerkrankungen

  • Benigner peripherer Lagerungsschwindel
  • Neuritis vestibularis
  • Phobischer Schwankschwindel
  • Morbus Meniere
  • Vestibuläre Migräne
  • Vestibularisparoxysmie
  • Perilymph-Fistel

Was bedeutet Schwindel?
Unter dem Begriff „Schwindel“ (lat. Vertigo) werden im engeren Sinne subjektiv wahrgenommene Bewegungsillusionen, also Scheinbewegungen, meist als Drehbewegung (Karusselempfinden) oder Schwank- oder Liftgefühl, verstanden. Häufig werden allerdings auch Symptome einer Kreislauffunktionsstörung wie z.B. Benommenheitsgefühl, Schwarz-werden-vor-den-Augen, Leeregefühl im Kopf, Fremdheitserleben oder Gangstörungen als Schwindel bezeichnet. In der englischen Sprache wird der Begriff „Schwindel“ (vertigo) treffender von „Benommenheitsgefühl“ (dizziness) unterschieden.

 

Unsere Orientierung im Raum sowie die Wahrnehmung von Bewegung resultieren aus der Integration von Informationen aus verschiedenen Sinnessystemen, wobei Sehsinn, Lagesinn und Sinneswahrnehmung von Beschleunigungen besondere Bedeutung besitzen. Die Empfindung eines Schwindels resultiert aus inkongruenten Informationen aus verschiedenen Sinnessystemen bzw. aus einem Ungleichgewicht der zentralen Verarbeitung sensorischer Informationen. Dies ist z.B. bei der sogenannten „Bewegungskrankheit“ (Kinetose) der Fall. Ein Beifahrer, der während einer Autofahrt eine Straßenkarte betrachtet, erhält über seine Augen den Eindruck von Bewegungslosigkeit, gleichzeitig registrieren die Gleichgewichtsorgane im Innenohr Dreh- und Winkelbeschleunigungen. Diese unterschiedlichen Informationen können schließlich Schwindelwahrnehmung und Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen auslösen.

 

Die sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte – Schlüssel zur richtigen Diagnose
Eine sorgfältige und zielgerichtete Erhebung der Krankengeschichte ermöglicht in etwa 90 Prozent aller Fälle die Zuordnung der Symptome zu einem Krankheitsbild. Hierbei muss sowohl nach der Art des Schwindels (Dreh-, Schwankschwindel, Liftgefühl, Benommenheitsgefühl etc.) als auch nach Dauer der Beschwerden (Dauerschwindel, Schwindelepisoden), auslösenden oder lindernden Faktoren sowie Begleitsymptomen (Ohrgeräusche, Hörminderung, Druckgefühl im Ohr, Cephalgien, Sprechstörungen, Gefühlsstörungen, Lähmungen etc.) gefragt werden.

 

Die körperliche Untersuchung
Die anschließende körperliche Untersuchung führt meist zur Sicherung der Diagnose. Hier ist eine Unterscheidung der Schwindelformen mit Ursachen im Gehirn (Zentraler Schwindel), im Gleichgewichtsnerv (Neuritis vestibularis) oder im Innenohr (z.B. Morbus Menière) von besonderer Bedeutung. Andere Schwindelformen wie z.B. kreislaufbedingte Schwindelformen (orthostatische Dysregulation, Herzrhythmusstörungen), oder Schwindelwahrnehmung bei ausgeprägtem Angsterleben (Phobischer Attackenschwankschwindel) müssen identifiziert werden. Zur körperlichen Untersuchung gehören: Blutdruckmessung, Untersuchung der Augenbewegungen, Gleichgewichts- und Koordinationsprüfung, eine vollständige neurologische Untersuchung sowie eine Gehörprüfung. In Abhängigkeit vom körperlichen Untersuchungsbefund und der Syndromzuordnung können technische Zusatzuntersuchungen (Audiometrie, Nystagmographie, zerebrale Bildgebung mit Computertomographie oder Kernspintomographie, Doppler/Duplex-Sonographie, EEG oder Evozierte Potenziale) erforderlich sein.

 

Therapie
Die Therapie von Schwindelerkrankungen erfolgt differenziert und abhängig von der jeweiligen Ursache. Sie umfasst physiotherapeutische Verfahren (z.B. Lagerungsmanöver beim Lagerungsschwindel) sowie Gleichgewichtstraining zur Förderung der Kompensation im Gehirn bei peripher und zentralvestibulären Funktionsstörungen. Eine Arzneimitteltherapie sollte mit sogenannten Antivertiginosa nur vorübergehend in der akuten Krankheitsphase zur symptomatischen Behandlung erfolgen. Dies stellt jedoch keine ursächliche Behandlung dar. Eine auf die Schwindelerkrankung abgestimmte Arzneimittelbehandlung ist verfügbar z.B. in der Therapie des Morbus Meniere (Betahistin), der Neuritis vestibularis (Kortikosteroide) und der vestibulären Migräne (Betablocker, Topiramat). Eine psychotherapeutische Behandlung stellt das Verfahren der Wahl zur Behandlung des phobischen Schwankschwindels dar.

 

Grundsätzlich gilt für alle Schwindelformen durch eine adäquate Behandlung die Bewegungsbereitschaft des Patienten mit therapeutischer Unterstützung zu fördern und frühzeitig Vermeidungsverhalten zu erkennen und zu behandeln.

 

nach oben

 

 

So erreichen Sie uns

HELIOS Klinikum Meiningen
Neurologie

Bergstraße 3
98617 Meiningen

Telefon: (03693) 90-10 40
Telefax: (03693) 90-18 10 40

E-Mail



Über uns