HELIOS Klinik Leisnig

Modernes Wundmanagement

 

Biochirurgie in der Gefäßchirurgie bei chronischen Wunden

Die Madentherapie

 

Seit November 2007 behandeln wir in größerem Umfang Patienten mit dieser Methode.

 

Wo kommt diese Therapie her?

 

Die Wundbehandlung mit lebenden Insektenlarven ist älter als allgemein angenommen. Bereits vor einigen Jahrtausenden heilten so Aborigenes und auch die Maya chronische Wunden ihrer Stammesangehörigen. Ende des 16. Jahrhunderts wurde diese Therapiemethode dann von einem französischen Chirurgen wiederentdeckt, der damit erfolgreich Verletzungen verwundeter Soldaten heilte. In den folgenden Jahren wurde die Methodik weiter verfeinert und schließlich auch Anfang der 30er Jahre in die zivile Chirurgie aufgenommen. Nach der Entdeckung von Antibiotika zwischenzeitlich für tot erklärt, gehört die Madentherapie heute zu einer der modernsten Heilungsmethoden für chronische und infizierte Wunden.

 

Was können Maden, was Salbe und Tabletten nicht können?

 

Der unschlagbare Vorteil der Maden der Goldfliegenart Lucilia sericata liegt klar auf der Hand: es handelt sich um Lebewesen. Dies macht bereits den entscheidenden Unterschied zu Salben oder Medikamenten aus. Da die Maden eine extrakorporale Verdauung aufweisen und sich ausschließlich von totem Gewebe ernähren, besitzt diese Therapiemethode zwei Vorteile. Zum einen wird nur nekrotisches Gewebe in einem natürlichen Prozess abgetragen. Und zum anderen besitzen die Maden durch ein abgesondertes Sekret eine besondere antibakterielle Wirkung auf das Wundgebiet.
Somit wird die Wunde gereinigt und Keime, sogar solche, die auf viele Antibiotika resistent sind, werden vernichtet. Zudem regen die Larven durch ihre Wachstumsfaktoren  und durch ihre Bewegung per se das Wachstum des Wundgrundes, die sog. „Granulation“, in hohem Maße an.
Diese entscheidenden Parameter wirken sich somit positiv auf den gesamten Heilungsprozess aus. Keine Salbe und kein Medikament beherrscht diese Form von intelligenter Wundversorgung.

 

Wie werden diese eingesetzt?

 

Die moderne Madentherapie bietet vielseitige Darreichungsformen für ein möglichst breites Einsatzspektrum. So kann der Arzt auch in Absprache und in Abhängigkeit von der jeweiligen Wunde und den Wünschen des Patienten entweder die jungen drei bis vier Millimeter großen Larven frei in die Wunde setzen oder eine größere Anzahl durch eine Wundauflage - ähnlich einem Teebeutel - in das Behandlungsgebiet bewegen. Die freilaufenden Larven werden durch eine spezielle Befestigungstechnik auf dem Wundgebiet gehalten.

 

Wie viele Maden kommen rein?

 

Die Menge der verwendeten Larven hängt in erster Linie von der Größe der zu versorgenden Wunde ab.

 

Wie lange dauert die Therapie?

 

Die Dauer und Häufigkeit der Behandlung hängt stark vom Wundzustand ab. Grundlegend verbleiben die Larven zirka zwei bis vier Tage in der Wunde und werden bei Bedarf durch neue Larven ersetzt. Die Therapiedauer kann prinzipiell über einen längeren Zeitraum erfolgen, wobei das Ende vom jeweiligen Heilungszustand abhängig gemacht wird.

 

Stationär oder ambulant möglich?

 

Im Moment führen wir die Behandlung unter stationären Bedingungen durch, prinzipiell ist bei der entsprechenden individuellen Zusammenarbeit mit dem Patienten auch eine ambulante Behandlung möglich.

 

Woher bekommen wir diese Maden und wie müssen die gelagert werden?

 

Wir beziehen die Larven über eine norddeutsche Firma frisch, dass bedeutet, bei Bedarf wird die entsprechende Anzahl und Abpackung an Larven bestellt und erreicht binnen 24 Stunden unserer Klinik. Im Normalfall werden diese dann durch den behandelnden Arzt direkt weiterverwendet, es ist aber auch eine temporäre Zwischenlagerung im Laborkühlschrank möglich, bei der die Larven ein bis zwei Tage gekühlt aufbewahrt werden können.

 

Wann kann diese Therapie verwendet werden?

 

Angewendet werden kann diese Art der Therapie bei

 

  • Wunden, die durch die Zuckerkrankheit (Diabetes) entstehen oder durch diese unterhalten werden
  • Chronische Unterschenkelgeschwüre („offenes Bein“)
  • Druckgeschwüre (Dekubitus)
  • Komplizierte Wundheilungsverläufe mit akuten  und chronischen Infektionen

 

Bei weiteren Fragen können Sie uns gern kontaktieren!

 

Oberarzt Dr. med. Peter Lübke
Facharzt für Chirurgie/Gefäßchirurgie
Station B 3
peter.luebke@helios-kliniken.de



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