10 bis 25 Prozent aller Frauen haben Gallensteine, bei Männern liegt die Zahl der von Gallensteinen Betroffenen bei 5 bis 15 Prozent. In einem Zehnjahreszeitraum entwickeln zwei bis vier Prozent der betroffenen Frauen jedes Jahr Beschwerden. Treten Beschwerden auf, so wird heute eine Gallenblasenentfernung empfohlen, da Gallensteine fast ausschließlich dort entstehen. Die Gallenblasenentfernung ist eine der am häufigsten durchgeführten Operationen und es werden in Deutschland jedes Jahr etwa 170.000 Gallenblasenentfernungen durchgeführt.
Während dazu bis Mitte der 80er Jahre noch Schnitte mit einer Länge von etwa 15 Zentimetern notwendig waren, ist heute die laparoskopische Gallenblasenentfernung als Standardeingriff in den Kliniken etabliert. Sie erfolgt über vier kleine Zugänge in den Bauchraum (sogenannte Trokare) mit einer Schnitt-Länge von jeweils 5 – 15 mm. Durch dieses Vorgehen werden die Schmerzen durch die Operation vermindert und die Erholung erleichtert. In der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie am HELIOS-Klinikum Krefeld werden über 90% der Gallenblasenentfernungen mit dieser Technik durchgeführt.
Mit einem speziellen Instrument kann die laparoskopische Gallenblasenentfernung heute noch minimal-invasiver und schonender durchgeführt werden: Bei dieser Single-Port-Operation ist nur noch ein einziger kleiner Hautschnitt im Bauchnabel notwendig, der nach Abheilung praktisch nicht mehr sichtbar ist. Im Bauchraum erfolgt die Operation den chirurgischen Regeln der laparoskopischen Gallenblasenentfernung. Die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie im HELIOS-Klinikum Krefeld gehört zu den in dieser Technik erfahrensten Zentren in Deutschland.
Bauchwandbrüche sind mit 15 % die häufigsten operationspflichtigen Erkrankungen in der Allgemeinchirurgie. Leistenhernien stellen mit über 80% der Bauchwandbrüche die größte Untergruppe dar. Über viele Jahre wurden Leistenhernien mit verschiedenen Nahtverfahren operiert, wobei besonders häufig die Methode nach Shouldice verwendet wurde.
Mit der Erkenntnis, dass im Wesentlichen die auftretende Gewebespannung für ein Wiederauftreten des Bruchs (Rezidiv) verantwortlich ist, wurde ein neuer Therapieansatz mit spannungsfreien OP-Methoden (Tension-free-Technik) verfolgt. Diese beinhalten eine Verstärkung der Bauchdecke durch eingebrachte künstliche Materialien (Kunststoffnetze = Mesh).
Heute stehen sehr körperverträgliche Kunststoffnetze aus Polypropylen (PPP) zur Verfügung. Erfahrungen mit diesem Material bei Operationen bestehen seit den 50er Jahren und die heute verwendeten Netze sind leichtgewichtig, stabil und exzellent verträglich.
Unter den verschiedenen Methoden zur Operation des Leistenbruches haben sich besonders die laparoskopischen (minimal-invasiven) Techniken (TAPP, TEP) und die Methode nach Lichtenstein bewährt.
Durch Studien ist aktuell genau belegt, dass OP-Verfahren unter Verwendung von Netzen zu geringeren Rezidivraten führen als Nahtverfahren (z.B.Shouldice, Bassini) und dass die Rate an chronischen, postoperativen Schmerzen erheblich geringer ist. Nach heutigem Wissensstand kommt es im Vergleich der Operationsmethoden mit Netz zu Vorteilen hinsichtlich postoperativer Schmerzen zu Gunsten der laparoskopischen Verfahren.
Diese Erkenntnisse werden im Konzept zur Behandlung von Leistenbrüchen in unserer Klinik umgesetzt. Hier wird als Standardeingriff der ersten Wahl das laparoskopische Verfahren (TAPP = minimal-invasiv mit Netz) eingesetzt. Patienten nach speziellen Voroperationen (z.B. Prostataoperation) oder unter bestimmten Medikamenteneinnahmen, die zur Störung der Blutgerinnung führen (z.B. ASS, Plavix, Marcumar) werden mit dem Verfahren nach Lichtenstein behandelt. Bei Frauen im gebärfähigen Alter kommt die Shouldice-OP zur Anwendung.
Mit diesem differenzierten Konzept kann die Leistenbruchversorgung auf aktuellen wissenschaftlichen Niveau mit einem hohen Patientenkomfort kombiniert werden.
Über Jahrzehnte hinweg war Betreuung nach bauchchirurgischen Eingriffen geprägt von der Sorge, dass eine Belastung der Naht durch Flüssigkeit oder gar Kot die Heilung beeinträchtigen könnte.
Aus diesem Grund wurden Patienten zu Darmoperationen mit Spüllösungen vollständig abgeführt, bis nur noch klare Flüssigkeit kam. Jeder, der diese Prozedur jemals durchlaufen musste, weiß, wie belastend das war. Es folgte die Operation und im Anschluß daran eine Phase der Nüchternheit, die rund 5 - 7 Tage dauern konnte.
Ein Däne, Hendrik Kehlet aus Kopenhagen, war einer der ersten Chirurgen, die sich angesichts der oben dargestellten Patientenführung fragte, ob diese unphysiologischen Maßnahmen nicht am Ende den Patienten „kränker“ machen, als er eigentlich war.
Ihm war aufgefallen, dass trotz chirurgisch technischer Verbesserungen die postoperative Morbidität des Patienten nur unwesentlich besser wurde. Dies lag vor allem an gleichbleibenden Raten allgemeiner postoperativer Komplikationen wie Thrombosen, Embolien, Pneumonien etc. Konsequent arbeitete er nun daran, die verschiedenen postoperativen pathogenetischen Mechanismen, die in verzögerter Rekonvaleszenz enden konnten, in Frage zu stellen und zu optimieren.
Das hieraus resultierende, multimodale perioperative Therapieprogramm wurde von ihm unter dem Namen „Fast-Track“ Rehabilitation verbreitet. Dieses Konzept stellt im Wesentlichen ein verbessertes postoperatives Regenerationsprogramm dar, in welchem stufenweise versucht wurde, einzelne evidenzbasierte Interventionen zu kombinieren.
Heute wissen wir sehr genau (Evidenz-Level-1), dass die Umsetzung des Fast-Track Konzepts die Erholung erheblich erleichtert und das Komplikationsrisiko reduziert.