15.07.11
Nach einem Sturz mit dem Fahrrad bemerkt der Krefelder Domenik Gasse nur ein paar Schrammen und blaue Flecken. Daheim verschärft sich die Situation, eine faustgroße Schwellung entsteht. Der 16-jährige Schüler spürt sein linkes Bein nicht mehr. In der Gefäßchirurgie am HELIOS Klinikum Krefeld wird er wenige Stunden später notoperiert. Sein Befund: ein Gefäßverschluss der Oberschenkelschlagader mit steigender Amputationsbedrohung.
Es sind nur noch ein paar hundert Meter bis zu seinem Elternhaus, als ein Stein Domeniks BMX-Rad aus der Bahn wirft. Bei voller Fahrt stürzt er, der Lenker rammt seinen linken Oberschenkel. Mühsam rappelt sich der Teenager wieder auf. Hände und Bein schmerzen, aber nicht übermäßig. Noch etwas benommen humpelt der 16-Jährige nach Hause. Margret Gasse verarztet ihren sonst so quirligen Sohn und kühlt die Schwellung am linken Oberschenkel. Nur ein paar Kratzer, da sind sich beide sicher, bis Domeniks Bein zu kribbeln beginnt. Die Schwellung ist inzwischen fast faustgroß, sein Bein kann er nicht mehr belasten. „Die Symptome sprachen dafür, dass
vielleicht doch etwas Schlimmeres passiert sein könnte. Ich wollte kein Risiko eingehen und habe Domenik umgehend ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht“, berichtet seine Mutter. Als der behandelnde Arzt im linken Fuß keinen Puls mehr fühlt, überweist er den Jungen umgehend in die Spezialklinik für Gefäßmedizin am HELIOS Klinikum Krefeld. Dort macht eine Kernspintomographie (MRT) schon nach wenigen Minuten den Ernst der Lage sichtbar.
„Der harte Aufprall auf den Lenker hat im Inneren der Arterie zu einem Riss geführt. Durch die losen Teile der geschädigten Gewebeschicht kam es zu einem Verschluss der Oberschenkelschlagader“, so Dr. Ursula Kempf, Gefäßspezialistin am HELIOS Klinikum Krefeld: „Die Situation war durchaus ernst. Ohne Operation hätte Domenik sein Bein verlieren können.“ In einem zweistündigen Eingriff lösen die Chirurgin und ihr Team das Blutgerinnsel heraus Die verletzten Schichten im Inneren der Arterie werden mikrochirurgisch mit hauchdünnen Nähten repariert und mit sogenannten Venenflicken abgedeckt. „Im Anschluss konnten wir nach wenigen Minuten verfolgen, wie Domeniks Bein wieder an Farbe gewann. Auch der Puls ließ sich wieder tasten.“
Mittlerweile hat sich der sportbegeisterte Teenager gut von der OP erholt. Dass er bereits in sechs Wochen wieder Wasserball spielen darf, hat Domenik der umsichtigen und schnellen Reaktion seiner Mutter zu verdanken. Denn: Gefäßverletzungen sind äußerlich nur schwer zu erkennen. „Taubheitsgefühle und Kribbeln sind durchaus als Warnsignale zu interpretieren“, betont Dr. Ursula Kempf. Auch eine leicht weiße oder bläuliche Verfärbung sowie eine auffallende Kühle der Haut können Indizien für eine Gefäßverletzung sein. Ist die Blutversorgung einmal unterbrochen, zählt jede Minute. Bereits sechs Stunden nach einem sogenannten „stumpfen Gefäßtrauma“ können irreparable Schäden in den unterversorgten Körperregionen zurückbleiben. Im schlimmsten Fall droht dann die Amputation. Wie glücklich Domenik ist, weiterhin auf zwei Beinen unterwegs zu sein, bemerkt jeder, der jetzt mit ihm spricht. „Bei dem Gedanken, ich hätte durch den eher harmlosen Sturz mein Bein verlieren können, wird mir noch heute ganz mulmig“, gesteht er.
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