31.05.11
(Ro. / SB.) „Wenn ich damals meinem Vater gesagt hätte, dass ich Autor werden möchte, hätte er mich für verrückt erklärt!“ Hans-Jürgen Conrad ist es trotzdem geworden. Der gebürtige Gelsenkirchener, der seit vielen Jahren in Remscheid lebt, brauchte dafür allerdings eine lange Zeit. Conrad ist Jahrgang 1937. Die Kindheit verbrachte er in Holstein. Aufgrund der Kriegswirren eine schwierige Zeit. Obwohl ihm die Lehrer bereits in der Schule ein hohes Talent bescheinigten, wird er zunächst Schweißer und arbeitet später im Ruhrgebiet als Bergmann. Dass er dazwischen noch im Osten Europas gelebt hat, wird fast zur Nebensache. Hans-Jürgen Conrad lebt hier, lebt da, reist, wandert und macht eins: schreiben.
Als er seine Frau kennen lernt, zieht er nach Remscheid und schreibt ein autobiographisches Werk mit dem Namen „Der Spatzenfresser“. Die Geschichte eines Jungen, der nach dem Krieg mit Mutter und Bruder flieht und später als „elendes Flüchtlingspack“ zurück in ein Dorf in den Westen kommt. Genau wie der Protagonist in seinem Roman kämpfte Conrad gegen Vorurteile und scheinbare Überlegenheit.
Fünf Taschenbücher sind mittlerweile erschienen. Geschichten, Gedichte, Lyrik und Prosa. Verfasst aus seinen Erlebnissen beim Wandern, beim Denken und beim Träumen. Märchen für Erwachsene, aber auch Realitäten mit feinsinnigem Humor und ernstem Hintergrund. Selbst den Jakobsweg nach eigener Vorstellung beschritt er. Von Remscheid nach Königsmark, am Rhein entlang nach Basel und bis nach Genf. Seine Erlebnisse wird er in seinem neuen Buch verarbeiten.
Vor kurzem machte Hans-Jürgen Conrad unfreiwillig in Ronsdorf Station. Krankheitsbedingt hielt er sich drei Wochen in der Klinik Bergisch Land auf. Bescheiden sitzt der Mann mit der leisen und sympathischen Stimme dort beim Gespräch mit dem SonntagsBlatt auf der Bank und hält eines seiner Bücher in der Hand. „Ich habe Angst vor dem, was danach kommt. Vor den Bestrahlungen“, gesteht er. Und als würde er Kraft aus seiner Arbeit ziehen, hielt er drei Lesungen für andere Patienten der Klinik. Alle drei ein Erfolg. „So lange ich kann, werde ich schreiben“, sagt er. Und seine Augen glänzen als wären sie sich sicher, dass das noch lange so sein wird.
Quelle:
Stephan Braun
Ronsdorfer Sonntagsblatt