HELIOS Klinikum Hildesheim

Definition des geriatrischen Patienten

Konsensus der DGG, der DGGG, der BAG Geriatrie , des BDI, Sektion Geriatrie, und zugleich Diskussionsgrundlage der Europäischen Fachärztevereinigung, Sektion Geriatrie, ist:

  • Ein geriatrischer Patient ist definiert durch die „Geriatrietypische Multimorbidität“ und
  • höheres Lebensalter (überwiegend 70 Jahre oder älter),
  • oder durch „Alter 80+“ („oldest old“) auf Grund der alterstypisch erhöhten Vulnerabilität, z.B. des Auftretens von Komplikationen und Folgeerkrankungen, der Gefahr der Chronifizierung sowie des erhöhten Risikos eines Verlustes der Autonomie mit Verschlechterung des Selbsthilfestatus.

Die geriatrietypische Multimorbidität  ist hierbei vorrangig vor dem kalendarischen Alter zu sehen. Sie ist in zahlreichen Publikationen beschrieben und beinhaltet folgende Merkmale:

  • Immobilität, Sturzneigung und Schwindel,
  • kognitive Defizite, Depression, Angststörung,
  • Inkontinenz (Harninkontinenz, selten Stuhlinkontinenz),
  • Dekubitalulcera,
  • Fehl- und Mangelernährung,
  • Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt,
  • chronische Schmerzen,
  • Sensibilitätsstörungen,
  • herabgesetzte körperliche Belastbarkeit / Gebrechlichkeit,
  • starke Sehbehinderung, ausgeprägte Schwerhörigkeit,
  • rezidivierende Infektionen, verminderte Immunkompetenz,
  • Mehrfachmedikation,
  • herabgesetzter Medikamententoleranz,
  • häufige Krankenhausbehandlung (Drehtüreffekt).

Geriatrische Patienten zeichnen sich somit neben dem höheren Lebensalter durch eine jeweils individuell zu betrachtende Problemkonstellation aus, wobei die physiologischen Veränderungen des geal-terten Organismus eine fundamentale Rolle spielen, z.B. bezüglich veränderter Zusammensetzung von Muskelmasse, Anteil von Körperfett und Wasser. Dies hat Auswirkungen auf die Homöostase, die Stoffwechselprozesse, die Arzneimittelwirkungen und deren Interaktionen. Ein älterer Patient wird daher immer dann zu einem geriatrischen Patienten, wenn Erkrankungen mit Schädigungen (impairment) einhergehen, aus denen Fähigkeitsstörungen (functioning) und soziale Beeinträchtigung (participation) resultieren. Mit anderen Worten, bei Erkrankung drohen stets Verlust von Alltagskompetenz und Selbstständigkeit im sozioökonomischen Kontext. Der ältere Patient weist darüber hinaus als weitere ihn kennzeichnende Eigenschaften eine oft unspezifische oder fehlende Symptomatik und einen protrahierten Krankheitsverlauf mit verzögerter Rekonvaleszenz auf.



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