Der Riss der Sehnen der Rotatorenmanschette ist in erster Linie traumatisch bedingt, jedoch ist auch eine Ruptur auf Grund degenerativer Prozesse (Verschleiß) möglich.
Die Patienten berichten über Schmerzen und Kraftverlust vor allem bei Belastung und Überkopfarbeiten sowie nächtliche Ruheschmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite.
Die Prognose ist abhängig von der Anamnesedauer (akut, subakut, chronisch, alt). Ein weiterer prognostischer Faktor ist das präoperative MRT (Kernspintomographie), welches die Sehnenretraktion (Rückzug), sowie Muskelatrophien (Verminderung der Muskelmasse), Weichteilbeschaffenheit und die Defektausdehnung zeigt. Eine fortgeschrittene fettige Muskeldegeneration führt beim Versuch der Rekonstruktion zu einem unbefriedigenden Ergebnis, das der verfette Muskel sich nicht mehr erholen kann.
Bei jungen Patienten sollte großzügig, auch bei einem kleineren Riss, eine Rekonstruktion, d.h. die Naht, der Sehne erfolgen.
Je geringer der Bewegungs- und Belastungsanspruch ist, desto zurückhaltender kann man beim älteren Menschen mit der Rekonstruktion einer gerissenen Sehne sein. Hier kann dann ggf. auch mit konservativen Therapiemaßnahmen die Lebensqualität wieder verbessert werden.
Ein operatives Vorgehen sollte bei einem akuten Trauma, nach Schulterluxation, Funktionsverlust der unteren Extremität oder der kontralateralen oberen Extremität sowie einem erhöhten Funktionsanspruch bei Sport oder der Arbeit vorgenommen werden.
Zumeist kann, je nach Ausdehnung des Risses, die Rotatorenmanschette arthroskopisch rekonstruiert werden. Dies geschieht mit Hilfe von so genannten Fadenankern, die in den Oberarmkopf an der Stelle des Ansatzpunktes der Sehne eingebracht werden. Mit den Fäden wird die Sehne angeschlungen und an den Ansatzpunkt wieder herangezogen. Somit kann die Sehne wieder an den Knochen anheilen.
Des Weiteren wird der Raum unter dem Schulterdach erweitert, so dass die Sehne vor Druckbelastung geschützt wird. Sollte dies arthroskopisch nicht gelingen, wird die Rekonstruktion über einen kleinen Schnitt (mini open) durchgeführt.
Nach dem Eingriff muss für sechs Wochen ein Abduktionskissen angelegt werden, um den Druck der Sehne am Ansatzpunkt zu verringern. Ein spezifisches Nachbehandlungsprogramm wird physiotherapeutisch durchgeführt.