„Schreiben Sie ruhig, dass ich schon 77 Jahre alt bin, das macht mir gar nichts!“ Die quirrlige ältere Dame in ihrem hellgrünen Kittel sitzt mir gegenüber, und mit vor Lebensfreude funkelnden Augen berichtet Gisela Kaiser lebhaft und begeistert von ihren zahllosen Begegnungen mit Patienten unserer Klinik als „Grüne Dame“. Anlässlich ihres 10jährigen Dienst-Jubiläums plauderte sie ein wenig aus dem Nähkästchen.
Ob ihr bei ihrem ersten „dienstlichen“ Besuch in der Klinik im Oktober 1998 angesichts der vielen bedürftigen erkrankten Menschen ein wenig flau im Magen gewesen sei, will ich von ihr wissen. „Kein bißchen“ antwortet sie ohne zu zögern, „man muss doch alle Menschen mögen, egal, wer sie sind oder was sie haben, und ich habe mich unendlich gefreut, endlich anfangen zu können.“ Ein Artikel in der Tageszeitung, der für die ehrenamtliche Tätigkeit als Grüne Dame in der HELIOS Klinik Hagen-Ambrock warb, hatte sie unmittelbar angesprochen. Und nach einem Gespräch mit der Krankenhausseelsorgerin stand für Gisela Kaiser fest: Diesen Dienst würde auch sie leisten wollen! Auf Menschen zuzugehen und ihnen zuhören zu können, dies hatte die ehemalige Buchhalterin in ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit als Übungsleiterin in einem Sportverein (dem sie übrigens immer noch als Aktive angehört!) gelernt. Und schon bald fühlte sie sich in Ambrock richtig wohl: Zuversicht bei kleineren und größeren Sorgen spenden zu können, mit den Patienten über ganz alltägliche Dinge in einem ganz und gar nicht alltäglichen Umfeld zu reden, zu trösten, hinzuhören, Nähe zu schenken – all dies machte und macht Gisela Kaiser immer wieder deutlich „Ich werde gebraucht“. Und nach schönsten oder aufregendsten Erinnerungen gefragt, winkt sie nur lächelnd ab „wenn es den Patienten immer wieder ein bißchen besser geht, das ist für mich das Schönste und Aufregendste“. Bescheiden berichtet sie über dankbare Briefe, die sie von ehemaligen Patienten der Klinik noch lange nach deren Entlassung erhält und von unvermuteten, dann aber herzlichen Begegnungen mit ihnen auf den Straßen Hagens.
Wie lange sie ihren Dienst noch versehen möchte, frage ich die Jubilarin; „Solange mir Gesundheit geschenkt wird, solange es irgendwie geht“ lautet die nachdrückliche Antwort. Und nach knapp zwanzig Minuten beendet sie das Gespräch „So, ich muss wieder los – eine Patientin wartet auf mich!“
Das Gespräch führte Matthias Grün