HELIOS Klinikum Gotha

Zusammenarbeit Hand in Hand

In der Bundesrepublik werden jährlich rund acht Prozent der Kinder zu früh geboren. Das sind 60.000 Kinder. Die moderne Medizin kann heutzutage viele von ihnen, auch sehr kleine und unreife Kinder, am Leben halten - mitunter jedoch um den Preis von chronischen Gesundheitsstörungen oder lang anhaltenden Entwicklungsstörungen. Zugleich sind die medizinischen Aufwendungen für diese größte Patientengruppe im Kindesalter erheblich. Für die Eltern stellt die Frühgeburt ihres Kindes ebenfalls eine enorme Belastung dar. Auch im HELIOS Kreiskrankenhaus Gotha/Ohrdruf werden Frühgeborene behandelt. Hier arbeiten Geburtshelfer und Kinderärzte Hand in Hand in einem Perinatalzentrum der Stufe III. Sie betreuen Frühgeborene, die bereits die 32. Woche im Mutterleib erreicht haben. Der Internationale Tag des Frühgeborenen, der erstmals am 17. November stattfindet, bietet einen Anlass, diesen besonderen Bereich moderner Medizin näher ins Auge zu fassen.  

 

 „Unser vorrangiges Ziel ist es zunächst einmal, Frühgeburten zu vermeiden“, erklärt Dr. med. Joachim Bechler, Chefarzt Frauenheilkunde und Geburtshilfe des HELIOS Kreiskrankenhauses Gotha/Ohrdruf. Denn nur ein geringerer Teil der Frühgeburten komme durch Anlage- und Entwicklungsstörungen des Kindes zustande. Die häufigsten Ursachen seien urogenitale Infektionen der Mutter, darüber hinaus Schwangerschaftskomplikationen, schwere Organerkrankungen der Mutter und andere Faktoren. „Um Risiken früh zu erkennen, empfehlen wir eine konsequente Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen“, so Doktor Bechler weiter. Infektionen als Ursache von Frühgeburtlichkeit ließen sich heutzutage beispielsweise leicht durch pH-Wert-Messungen in der Scheide, die die Frau selbst durchführen kann, rechtzeitig erkennen und einer Behandlung zuführen. „Bei drohender Frühgeburt streben wir an, den Geburtstermin möglichst weit hinauszuzögern und gegebenenfalls die Reifung des Kindes mit Medikamenten zu unterstützen.“  

 

Kommt es zur Frühgeburt, so stehen auf der Neugeborenenstation der Gothaer Klinik vier Inkubatoren zur Verfügung. „Wir sind für die Versorgung von Frühgeborenen ab der 32. Woche rundum ausgestattet“, erläutert Dr. med. Klaus-Peter Ullrich, Chefarzt der Kinderheilkunde und Jugendmedizin des HELIOS Kreiskrankenhauses Gotha/Ohrdruf. Zur Verfügung stehen Beatmungstechnik einschließlich CPAP-Atemhilfe, Ultraschall, Schlaflabor und EEG. Jährlich werden etwa 15 Kinder unter 2000 Gramm und rund 25 Kinder zwischen 2000 und 2500 Gramm behandelt. „Sollte es unvorhergesehenerweise zu einer Geburt eines jüngeren Kindes kommen, verlegen wir es in die neonatologische Abteilung des HELIOS Klinikums Erfurt. Mit den dortigen Kollegen arbeiten wir seit vielen Jahren bestens zusammen. Wenn das Kind einen entsprechenden Reifegrad erreicht hat, kommt es zur Weiter- und Nachbetreuung zurück in unsere Klinik“, so Doktor Ullrich. „Auf diese Weise können wir Kind und Familie dann wieder wohnortnah versorgen.“    

 

Hintergrundinformationen zur Frühgeburt  

 

Normalerweise werden Kinder in der 40. Schwangerschaftswoche geboren. Findet die Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche statt, spricht man von einer Frühgeburt. Kinder wiegen damit in der Regel weniger als 2500 Gramm. Bei einer Geburt vor der 32. Woche, meist mit einem Gewicht von unter 1500 Gramm, bezeichnet man die die Kinder als sehr kleine Frühgeborene (very low birth-weight infants). Extrem kleine Frühchen unter 1000 Gramm werden als extremely low birth-weight infants bezeichnet. Sie erfordern den größten medizinischen Aufwand. Als Grenze der Überlebensfähigkeit (ohne Berücksichtigung des Einzelfalls) wird heute die 23. Schwangerschaftswoche angenommen.  

 

Je jünger die Kinder und je geringer der Reifegrad der Organe ist, umso höher sind die Risiken. Besonders bedeutsam sind die Anpassung von Lunge, Nieren, Gehirn, Immunsystem und der Herz-Kreislauf-Funktion. Mögliche Gefahren sind in der Anfangsphase ein Atemnotsyndrom durch Lungenunreife. Später können andere Gesundheitsstörungen auftreten wie eine chronische Lungenerkrankung (bronchopulmonale Dysplasie), Herzrhythmusstörungen mit zu langsamem Herzschlag, eine gestörte Nierenfunktion, Hirnblutungen unterschiedlicher Schwere, Netzhautschädigung und Infektionen.  

 

Auftreten und Schwere dieser Komplikationen sind mit ausschlaggebend für die spätere Lebensqualität. Für Frühgeborene ab der 30. Schwangerschaftswoche bestehen gute Chancen für eine normale Entwicklung. Bei Geburten zwischen der 26. und 30. Schwangerschaftswoche überleben rund 90 Prozent der Kinder; zehn bis 25 Prozent von ihnen weisen jedoch unterschiedliche Entwicklungsstörungen auf. Bei Geburten in der 24. bis 25. Woche liegt die Überlebenschance bei 80 Prozent, der Anteil der Kinder mit schweren Entwicklungsstörungen schon bei 30 Prozent. In der 23. Woche beträgt die Überlebenschance nur 30 bis 50 Prozent, die Hälfte der überlebenden Kinder zeigt schwere Störungen. Bemerkenswert ist, dass noch später in der Schulzeit Teilleistungsstörungen und Verhaltensprobleme auftreten können.




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