HELIOS Klinik Erlenbach

Blutgerinnungshemmung bei Vorhofflimmern

Die unregelmäßige und unzuverlässige Bewegung der Vorhofwände beim Vorhofflimmern kann zu Blutgerinnseln in der linken Herzvorkammer, speziell im sog. linken Vorhofohr führen. Dieses Risiko nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Die Blutgerinnsel können in den Kreislauf verschleppt werden, somit auch in das Gehirn und zu schwerwiegenden Schlaganfällen führen. Die Schwere des Schlaganfalls ist bei Verursachung im linken Herzens besonders ausgeprägt (> 50% Pflegebedürftigkeit). Unabhängig vom grundsätzlichen Behandlungskonzept besteht daher die Notwendigkeit einer gerinnungshemmenden Behandlung beim Vorhofflimmern (betrifft > 95% aller Vorhofflimmern-Patienten). Hierbei ist nicht relevant, ob das Vorhofflimmern selbst zu Beschwerden führt. ASS oder andere „Plättchenhemmer“ helfen hierbei nicht. Jahrelang waren die Vitamin-K-Antagonisten (Marcumar, Falithrom, Phenprocoumon, Coumadin, …) die einzige Möglichkeit zur Blutgerinnungshemmung. Die Wirkung wird durch Kontrolle des Quickwertes überprüft, und dieser in die INR (International Normalized Ratio) umgerechnet.: Ein INR-Wert von 2,0 bis 3,0 (eine 2- bis 3-fach gehemmte Gerinnung) stellt einen guten Schutz vor Blutgerinnseln dar, ein Wert < 1,8 einen unzureichenden Schutz, ein Wert > 4 ein zu hohes Blutungsrisiko. Seit 2011 sind neue Blutgerinnungnshemmer auf dem Markt (Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, weitere werden kommen). Auch wenn nicht alle Patienten einen neuen Blutgerinnungshemmer einnehmen können, stellen diese eine wichtige Ergänzung der medikamentösen Therapie dar. Die Entscheidung, welche Substanz eingesetzt wird, kann nur individuell mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.

 

Die Notwendigkeit zur Blutgerinnungshemmung wird heute mit dem CHADS-VASc-Score bestimmt. Übersteigt das Risiko eines Schlaganfalls 7-8% in 5 Jahren, ist eine Blutgerinnungshemmung (orale Antikoagulation) gerechtfertigt und sinnvoll. Dieses gilt ganz sicher bei einem Scorewert ≥ 2, in Einzelfällen schon bei = 1. Die Entscheidung zur Notwendigkeit einer Blutgerinnungshemmung ist in der Regel zeitlich nicht befristet.

Der CHADS-VASc-Score

C Herzschwäche (Congestive Heart Failure) 1
H Hypertonus = Bluthochdruck = Systolisch > 140 mmHg 1
A Alter > 75 Jahre 2
D Diabetes mellitus = Zuckerkrankheit 1
S Stroke = Schlaganfall oder Vorstufen eines Schlaganfalles 2
V Vascular = Gefäßerkrankungen des Halses, der Beine, … 1
A Alter 65-75 Jahre 1
Sc Sex category, hier gemeint: weiblich 1
  in Summe max. 9


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