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07.11.08

Fachtagung "Psychotherapie" in der HELIOS Klinik Diez

500 Teilnehmer kamen zur Tagung
Von links: Herr Arafat, Frau Huber, Fau Seidel, Herr Brisch

In der Stadthalle Limburg trafen sich auf Einladung der HELIOS Klinik Diez am 22. Oktober einige der renommiertesten Experten für Psychotraumatologie in Deutschland. Das Thema der außerordentlich gut besuchten Fachtagung war „Herausforderung in der heutigen Psychotherapie – Traumatisches Erleben und Bindungsstörungen“. Das Programm zur Fachtagung finden Sie hier als PDF zum Download.

 

Unter den hochkarätigen Referenten war auch Michaela Huber – eine der wichtigsten Therapeutinnen und Forscherinnen auf dem Gebiet  der Psychotraumatologie und damit verbundenen Dissoziation. Sie erhielt erst im August das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement in der Arbeit mit schwer traumatisierten Menschen, das ihr offiziell im Dezember in einer feierlichen Stunde in Göttingen verliehen wird. Die stark besetzte Referentenreihe spiegelte sich dann auch in der Teilnehmerzahl wider: Fast 500 Interessierte Besucher kamen zur Veranstaltung nach Limburg bei Diez. Sie ließen sich darüber informieren, dass extremes Misstrauen, Unsicherheit oder auch große Ängste die therapeutische Arbeit mit traumatisierten Menschen erschweren und nachhaltig beeinflussen können und welche Behandlungsansätze es gibt.

 

„Dies war unsere erste Fachtagung zur Psychotraumatologie dieser Größe und insgesamt ein riesiger Erfolg. Dass es fast 500 Teilnehmer werden, hätten wir bei der Planung nie vermutet. Niedergelassene Ärzte und Therapeuten, Pflegeeltern, Mitarbeiter von Jugendämtern und Verbänden – eine große Bandbreite von Fachleuten, die mit traumatisierten Kindern und ihren - ebenfalls oft traumatisierten - Eltern arbeiten, waren in Limburg vertreten“, resümierte Pof. Dr. med Friedrich Haux, Ärztlicher Direktor der HELIOS Klinik Diez.

 

Begrüßt wurden die Teilnehmer von Naiel Arafat, der als Chefarzt die Abteilung für Psychotraumatologie in der HELIOS Klinik Diez seit Anfang April 2008 leitet. Er legte in seinen einführenden Worten den Schwerpunkt auf Erkennung, Frühprävention und Behandlung von Traumata und insbesondere von Bindungstraumata. Dabei stellte er die mittlerweile bundesweit anerkannten Therapieangebote seiner Abteilung in der Diezer Klinik vor und hob insbesondere den Wert von stabilen Bindungen in der Therapie vor allem traumatisierter Kinder hervor.

„Es ist gut zusehen, dass wir gerade im Bereich der Traumabehandlung mittlerweile viele Fortschritte in der Kooperation mit verschiedensten Stellen, Gesellschaften, Einrichtungen und Therapiezentren gemacht haben. Dieses Netzwerk hilf den Betroffenen enorm“, machte Arafat in seinem Vortrag klar.

 

Anschließend gewährte Frau Dr. med. Marion Seidel aus der Kitzberg-Klinik in Bad Mergentheim Einblicke in den Einsatz von EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) bei der Therapie von Bindungsstörungen. Bei dieser Technik regt der Therapeut den Patienten nach strukturierter Vorbereitung zu bestimmten Augenbewegungen an, wodurch es einfacher werden soll, unverarbeitete traumatische Inhalte zu verarbeiten. Ein Teil ihrer Ausführungen widmete sie  aber auch den Erziehungsstilen in der Zeit des Nationalsozialismus. Diese hätten bis heute verheerende Folgen für die Grundwerte der Kindererziehung.

Eine Zusammenfassung ihres Vortrages können Sie hier als PDF herunterladen.

 

Mit eindrucksvollen Videosequenzen aus seiner Arbeit mit Kleinkindern und ihren zum Teil traumatisierten Eltern untermalte PD Dr. med. Karl Heinz Brisch von der Ludwig-Maximilian-Univesität zu München seinen Vortrag. Dr. Brisch gilt seit Jahren als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Bindungsstörungen, deren Erkennung und Forschung in Deutschland. In einem lebendig und anschaulich gestalteten Referat sprach er über Bindungsstörungen, ihre Entwicklung, Folgen, Diagnostik und schließlich Behandlungsansätze und –möglichkeiten. Viele alltägliche und praxisnahe Beispiele sorgten für einen spannenden und sehr informativen Vortrag.

Den Vortrag können Sie hier als PDF herunterladen.

 

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag von Michaela Huber, die auf der Bühne für das kürzlich verliehene Bundesverdienstkreuz noch einmal viel Applaus bekam. Sie appellierte an das Publikum, Menschen mit Bindungsstörungen in ihren schwierigen Lebenssituationen zu helfen. Eine wichtige Kernaussage ihres Vortrages war, dass Opferschutz immer vor Täterschutz zu stehen hätte. Sie plädierte für eine bedingungslose Unterstützung der mehrfach und wiederholt traumatisierten Kinder und deren Herausnahme aus Gewaltfamilien, um ihnen ein erfüllendes und wertvolles Leben ermöglichen zu können. Dabei stellte sie auch den Mechanismus der Dissoziation (Spaltung) vor und hob seine Bedeutung für die Entstehung von Bindungsstörungen im frühen Kindesalter hervor.

Die Folien zum Vortrag können Sie hier als PDF herunterladen.

 

„Nach dem Erfolg dieser ersten Fachtagung haben wir uns nun bewusst entschlossen, diese Veranstaltung mit neuen Themenschwerpunkten auch in den nächsten Jahren wieder auszurichten. Durch die hochkarätigen Referenten und die aus dem ganzen Bundesgebiet zahlreich angereisten Teilnehmer waren Limburg und Diez in dieser Woche echte Mittelpunkte der psychotraumatologischen Fachkreise. Es würde mich freuen, wenn so auch die Angebote unserer Klinik, die Familien in schwierigen Situationen eine echte Unterstützung bieten können, noch bekannter werden würden“, fasste Chefarzt Naiel Arafat zusammen.

 

Hintergrund „Psychotrauma“

Jeder von uns kann durch unglückliche Umstände ein psychisches Trauma erleiden: Unfälle, der Tod eines geliebten Menschen oder Gewalterfahrungen aller Art werfen manchen so aus der Bahn, dass professionelle Unterstützung hilfreich ist, um den Weg zurück in den Alltag zu finden. Mit einer stationären Rehamaßnahme bietet die HELIOS Klinik Diez den Betroffenen Unterstützung an für den Weg zurück in den Alltag. Insbesondere auf eine gemeinsame Therapie von Eltern(teilen) mit Ihren Kindern ist die Klinik im Lahnstädtchen eingerichtet.