HELIOS St. Josefs-Hospital Bochum-Linden

Internationale Studie zur Vermeidung von Polypen bei Familiärer Polyposis

Eine von zwei Studienzentralen in Deutschland am St. Josefs Hospital Bochum-Linden  

 

Medikamente gegen Polypen?  

Die Valproat-Studie  

Trotz intensiver Forschungsarbeit gibt es noch immer keine medikamentöse Therapie bei der FAP. Einige Medikamente, wie z.B .Celebrex oder Sulindac, scheinen zwar einen positiven Einfluss auf das Polypenwachstum zu haben, ein endgültiger Beweis steht aber aus.

Mittlerweile gibt es neue Erkenntnisse. Es ist bekannt, dass der Verlust eines  APC-Gens (wie eben bei der FAP), zu einer vermehrten Bildung eines Enzyms führt, der sogenannten „Histodeacetylase2“, kurz „HDAC2“. Diese wiederum bildet einen Überschuss an Histonen, speziellen Eiweißen im Zellkern. Bei verschiedenen Krebserkrankungen konnte eine vermehrte Aktivität von HDAC2 festgestellt werden.

 

Wie kann man in die Aktivität von HDCA2 eingreifen?

 

Im Rahmen der Krebsforschung entdeckte man, dass bestimmte Substanzen die Aktivität von HDAC2 hemmen können, insbesondere die 2-Propyl-Pentansäure (2-PPA,  besser bekannt als Valproinsäure oder  Valproat). Seither wird 2-PPA in mehreren Studien als Mittel gegen Krebs erprobt.

Der Wirkstoff 2-PPA wird als Valproat seit etwa 30 Jahren in der Behandlung bestimmter Krampfanfälle eingesetzt, die Handelsnamen sind unter anderem Convulex®, Ergenyl®, Orfiril® oder  Valproat, um nur die bekanntesten zu nennen.

Valproat hat sich als sehr sicheres Medikament erwiesen, gelegentlich werden als Nebenwirkungen Müdigkeit, Muskelzittern oder Missempfindungen beobachtet. Schädigung von Leber oder Bauchspeicheldrüse sind extrem selten. Da  Valproat allerdings zu einer Schädigung des Embryos während einer Schwangerschaft führen kann, muss während einer Therapie mit Valproat sicher verhütet werden.

Im Rahmen dieser Valproat-Studie soll nun untersucht werden, ob sich durch eine Hemmung von HDAC2 das Wachstum von Polypen stoppen lässt oder ob sich sogar Polypen zurückbilden.

 

Wie wird die Studie durchgeführt?

 

Die Studie dauert ein halbes Jahr und beginnt mit einer Befragung und Untersuchung, da nicht jeder Polyposispatient die notwendigen Voraussetzungen für eine Teilnahme erfüllt. Während der 6 Monate sind insgesamt 7 Termine für Untersuchungen vorgesehen, die in der Regel eine körperliche Untersuchung, EKG und eine Blutabnahme umfassen. Am Anfang und am Ende der Studie stehen jeweils eine Dickdarmspiegelung und eventuell eine Magenspiegelung auf dem Programm, wovon mindestens einer der Termine die jährliche Vorsorge umfasst. Die Medikamente bekommen Sie bei den Untersuchungen ausgehändigt, die Fahrtkosten für die Untersuchungen werden Ihnen ersetzt.

Die Studie ist so ausgelegt, dass 2/3 der Patienten den Wirkstoff erhalten und das restliche 1/3 ein Scheinmedikament, wobei weder Patient noch Arzt darüber informiert sind, wer in welcher Gruppe ist. Dieses Verfahren ist notwendig, um möglichst objektive Ergebnisse zu erhalten.

 

Wer kann an der Studie teilnehmen - und wer nicht?

 

Grundvoraussetzung für die Studienteilnahme ist eine gesicherte FAP und das Vorhandensein von zumindest einem Stück Dickdarm. Das heißt, auch Patienten mit einer nahezu kompletten Dickdarmentfernung mit mindestens 5 Polypen im Rest-Dickdarm können teilnehmen. Und – was für einige Patienten ein Problem darstellen könnte – die letzte Operation am Dickdarm muss länger als 2 Jahre zurückliegen und in den nächsten 8 Monaten soll kein Dickdarmeingriff geplant sein.

Gewisse Medikamente z.B. Celebrex oder Sulindac schließen eine Studienteilnahme aus, ebenso wie eine (geplante) Schwangerschaft. Jedoch wäre eine Studienteilnahme nach Absetzen der Medikamente unter Umständen möglich.

Sämtliche Voraussetzungen hier aufzulisten würde die Dicke dieser Polyposis-Post-Ausgabe auf Taschenbuchformat anschwellen lassen, können aber auf Anfrage (siehe unten) gerne beantwortet werden

 

Und was haben die Teilnehmer davon?

 

Auf den ersten Blick nicht so wahnsinnig viel. Es gibt außer der Fahrtkostenerstattung kein Geld und man weiß ja nicht einmal, ob man überhaupt das Medikament bekommt oder nur ein Scheinmedikament. Und eine 100-prozentige Wirksamkeit ist (wie bei Celebrex und anderen Medikamenten auch)  bis heute nicht  erwiesen....

ABER: Die Wirksamkeit von Medikamenten gegen Polypen muss nun einmal an Patienten mit Polypen erprobt werden. Und wenn alle denken „ohne mich“, sind solche Studien zum Scheitern verurteilt. Und trotz der langjährig erwiesenen Sicherheit von Valproat sind Sie in ein ärztliches Vorsorgeprogramm eingebunden, von dem der „normale“ Patient nur träumen kann.

 

An wen kann ich mich wenden?

 

Egal ob allgemeine Fragen oder handfestes Interesse an einer Teilnahme - die beste Möglichkeit der Kontaktaufnahme ist über e-mail:

 

emanuel.burdzik@ruhr-uni-bochum

claudia.schneider@helios-kliniken.de

 

Am besten, man schreibt an beide Adressen.

Telefonisch rufen Sie am besten das chirurgische Sekretariat des St. Josefs-Hospital Bochum-Linden, Frau Heine an:

0234 – 418 252

 

Sie werden dann von uns zurückgerufen! Wir freuen uns über jegliches Interesse  

 

Emanuel Burdzik

Claudia Schneider




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