HELIOS Klinikum Emil von Behring

Lymphödem

Krankheitsbild: 

Die operative Entfernung der Lymphknoten lässt sich bei Krebserkrankungen oftmals nicht umgehen. In der Folge kann es zu Extremitätenschwellungen kommen. Beispielsweise tritt ein Armlymphödem bei Brustkrebspatientinnen bei bis zu 17 % der Fälle auf.

 

Das Lymphödem ist eine sicht- und tastbare Flüssigkeitsansammlung im Interstitium (Zwischenzellraum). Es wird durch mechanische Insuffizienz des Lymphgefäßsystems hervorgerufen, so dass die interstitielle Flüssigkeit nicht mehr ausreichend über die Lymphgefäße abtransportiert werden kann. Dies führt zu einem Rückstau und zur Ansammlung von Flüssigkeit in den Zellzwischenräumen (Ödem). Neben den Extremitäten können auch das Gesicht, der Hals, der Rumpf und die Genitalien betroffen sein.

 

Man unterscheidet ein primäres und sekundäres Lymphödem.

 

Bei der primären selteneren Form sind die Lymphgefäße und/oder Lymphknoten aufgrund einer Entwicklungsstörung nicht oder nur teilweise oder mit einer Fehlbildung angelegt. Ganze Extremitäten oder Körperregionen können hier betroffen sein.

 

Beim sekundären häufigeren Lymphödem sind die Abflussbahnen mechanisch insuffizient als Folge von pathologischen Veränderungen wie z. B. Tumorerkrankungen, Traumen, Lymphangitiden (Entzündung aufgrund von Viren, Bakterien, Pilzen, Parasiten etc., auch im rheumatischen Formenkreis), chronisch-venöse Insuffizienz (CVI), Diabetes mellitus, oder aufgrund von Eingriffen wie z. B. OP-Narben, radiologischen Bestrahlungen, Entfernung von Lymphknoten nach Tumorentfernung, Venenentnahme zur Bypass-OP.

 

Beim sekundären Lymphödem gibt es verschiedene Therapieoptionen, die auf eine Verbesserung des Lymphrückflusses zielen und eine Umfangsverminderung der betroffenen Extremität bewirken sollen. Dies gelingt nur dann, wenn die Lymphflüssigkeit sich durch die Komplexe Entstauungstherapie noch aus dem Gewebe verdrängen lässt.

 

Eine solche solide Umfangsvermehrung kann durch manuelle Lymphdrainage und Kompression nicht mehr rückgängig gemacht werden.

 

Therapie:

Konservativ

 

Seit Jahrzehnten ist die manuelle Lymphdrainage die Basistherapie in der Lymphologie. Der Lymphtherapeut wird durch sanfte Streichungen der Haut die Fähigkeit der Lymphgefäße anregen, Flüssigkeit herzwärts zu transportieren und sie so aus der betroffenen Extremität wieder ins zirkulierende System des Blutkreislaufs zurückführen. 

 

Damit dieser Effekt erhalten bleibt, ist eine flachgestrickte Kompression der betroffenen Extremität zwingend notwendig. In der akuten Phase durch Bandagierung endödematisiert, wird die chronische Phase durch Bestrumpfung komplettiert.

 

Manuelle Lymphdrainage und Kompression müssen durch eine exzellente Hautpflege zur Vermeidung von Infekten ergänzt werden. Diese Methoden werden unter dem Begriff der Komplexen Entstauungstherapie zusammengefasst und stellen das konservative Behandlungskonzept beim Lymphödem dar.

 

In Ergänzung der komplexen Entstauungstherapie kann apparativ-intermittierende Kompression eingesetzt werden. Die Leistung des Apparates ersetzt die Arbeit des Physiotherapeuten jedoch nicht. Wir arbeiten hier eng mit unserem zertifizierten Gefäßzentrum Berlin Südwest, Klinik für Angiologie, unter  Leitung von Chefärztin Dr. med. Kathrin Enke-Melzer, zusammen.

 

Operativ

 

Operativ stehen in der modernen Lymphchirurgie mehrere meist mikrochirurgische Therapieoptionen zur Verfügung. In einzelnen Fällen kann beim sekundären Lymphödem auch eine Liposuktion zur Umfangsreduktion sinnvoll sein, für eine dauerhafte und umfassende Beschwerdebesserung sind die Verfahren der moderne Lymphchirurgie jedoch unverzichtbar.

 

Durch die Naht mehrerer Lymphgefäße an oberflächliche Venen kann der Abfluss der Lymphe aus der schmerzhaft geschwollenen Körperregion verbessert werden. Es handelt sich um sogenannte Lymph-venöse Anastomosen.

 

Darüber hinaus können körpereigene Lymphknoten aus einer gesunden Spenderregion wie beispielsweise der Leiste im Gewebeblock gehoben werden und im gestauten Abstromgebiet z.B. Axilla verpflanzt werden. Damit die Lymphknoten in der Empfängerregion einheilen, wird ihre eigene Blutversorgung mit einer Vene und Arterie an der Empfängerstelle mikrochirurgisch verbunden. Auf diese Weise können die verpflanzten Lymphknoten in der neuen Empfängerregion die Drainage übernehmen.

 

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass die transplantierten Lymphknoten über einen Pump- und Saugmechanismus zu einem verbesserten Lymphabfluss beitragen. Durch diesen sogenannten vaskularisierten Lymphknotentransfer kommt es zu einem Einsprossen von neuen ungeschädigten Lymph-Kapillaren in Gewebsareale, die oft durch Vor-Operationen und Bestrahlungen beeinträchtigt sind. Die entnommenen Lymphknoten-Pakete aus der Leistenregion stammen aus oberflächlichen Gewebsschichten und sind nicht für den Lymphabfluss der Beine verantwortlich. Es besteht somit kein Risiko, an der Entnahmestelle ein weiteres Lymphödem zu verursachen.

 

Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten kommt es mit diesem modernen mikrochirurgischen Verfahren zu einer messbaren Reduktion des Armumfangs. Bedeutsamer als die zahlenmäßige Umfangsverringerung ist jedoch die subjektive Beschwerdeverbesserung mit einem deutlichen Plus an Lebensqualität.

 

Gern beraten wir Sie ausführlich, umfassend und individuell über unsere modernen Therapieoptionen bei vorhandenem Lymphödem.

 

Es stehen hochmoderne mikrochirurgische Instrumente und Gerätschaften der neuesten Generation in unserer spezialisierten Abteilung zur Verfügung. Ihre Operateure haben eine sehr lange umfangreiche und fundierte Ausbildung in diesem Spezialfach hinter sich und konnten Ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten an renommierten internationalen  Kliniken vertiefen.

 

 

 

So erreichen Sie uns

Dr. med. Uwe von Fritschen

Chefarzt
Tel.: (030) 81 02-14 45
Fax.: (030) 81 02-41 448
E-Mail senden

Terminvergabe

Sekretariat für Plastische Chirurgie

Sprechstunden täglich nach Vereinbarung

Telefon: +49 (0)30 81 02-14 45

Telefax: +49 (0)30 81 02-14 48

E-Mail

 

Täglich 24 Stunden Notfalldienst

In Notfällen (ausserhalb der Sprechstundenzeiten):

Telefon: +49 (0)30 81 02-18 29 oder -10 28

Ambulanz

Telefon: +49 (0)30 81 02-19 00



Über uns