Gutartige Veränderungen des Dickdarms gehören zu den häufigsten Erkrankungen unserer Zivilisationsgesellschaft und nehmen im höheren Lebensalter zu. Von Ausstülpungen der Darmwand (Divertikulose) sind etwa fünf Prozent der 40-Jährigen, aber schon 60 Prozent der 65-Jährigen betroffen. Die Divertikel verursachen in den meisten Fällen anfangs keine Beschwerden und werden häufig als Zufallsbefund bei einer Darmspiegelung festgestellt. Es kann sich aber auch eine entzündliche Darmerkrankung (Divertikulitis) mit schwerwiegenden Nebenwirkungen entwickeln, die durch den Internisten oder Chirurgen behandelt werden muss.
Professor Dr. med. Herbert Koop
Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie
Professor Dr. med. Martin Strik
Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Der Dickdarm ist der letzte Teil des Verdauungstraktes. Die Nahrung gelangt über die Speiseröhre zunächst in den Magen, wird dort mit Hilfe von Magensäften teilweise angedaut und in den Dünndarm geleitet. Dort werden die Nährstoffe weiter verdaut. Der Rest der Nahrung gelangt in den Dickdarm, wo dem noch flüssigen Stuhl weitgehend die Flüssigkeit entzogen wird und geformter Stuhl entsteht. Dieser sammelt sich im letzten Teil des Dickdarms, bevor er ausgeschieden wird. Beim gesunden Menschen pressen sich die Muskeln, die den Darm umgeben, zusammen (Peristaltik) und treiben den Stuhl in Richtung Darmausgang.
Die Divertikulose ist eine gutartige Veränderung des Dickdarms. In etwa 80 Prozent aller Fälle ist der so genannte "Krummdarm" (Sigma) betroffen. Die Erkrankung kann aber im gesamten Dickdarm vorkommen. Dabei entstehen sackförmige Ausstülpungen (Divertikel) an der Darmschleimhaut - vor allem an bestimmten Schwachstellen in der Darmwand, wo sie an den Durchtrittsstellen der Blutgefäße etwas schwächer ist. Hier können sich leichter Ausbuchtungen entwickeln als im übrigen Teil des Dickdarms. Der Stuhl, der sich in diesen kleinen Ausbuchtungen sammelt, kann durch die Kompressionsbewegungen der Darmmuskeln nicht mehr in Richtung Darmausgang transportiert werden und setzt sich fest.
Die Entstehung wird durch harten Stuhl und Darmträgheit sowie durch häufiges und starkes Pressen beim Stuhlgang gefördert. Viele Menschen neigen zur Verstopfung (Obstipation), weil sie beispielsweise zu wenig trinken, sich zu wenig bewegen oder nicht genug Ballaststoffe zu sich nehmen. Zeitdruck und unregelmäßige Mahlzeiten fördern die Erkrankung. Es besteht auch die Möglichkeit einer familiären Häufung.
Die Bildung von Ausbuchtungen (Divertikel) ist zunächst harmlos. Aber bei 15 bis 25 Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen wie zum Beispiel Entzündungen. Sie werden ausgelöst durch Bestandteile des Stuhls, die sich in den Ausstülpungen festsetzen und Fieber und Schmerzen auslösen können. Das ganze Ausmaß der Krankheit kann der Arzt durch klinische Untersuchung wie Darmspiegelung, Ultraschall und gegebenenfalls eine Computertomographie feststellen.
Die Divertikulose ohne Entzündung verursacht in der Regel keine Beschwerden, kann aber gelegentlich Blutungen im Darm auslösen. Entzünden sich die Ausstülpungen (Divertikulitis), treten in den meisten Fällen Schmerzen im linken Unterbauch und Fieber auf. Zusätzlich kann es zu Stuhlunregelmäßigkeiten kommen. Die Ausbreitung des Schmerzes auf den ganzen Bauchraum ist ein Alarmsignal für einen Durchbruch der Darmwand.
Die internistische Behandlung
Liegen bei einer Entzündung keine Komplikationen vor, kann der Internist helfen, sie zu behandeln und einem weiteren Fortschreiten der Erkrankung vorbeugen. "In leichteren Fällen bekommen wir die Entzündung durch die Gabe von Antibiotika gut in den Griff", berichtet Professor Dr. med. Herbert Koop, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie, die auf Magen- und Darmerkrankungen spezialisiert ist. Bewährt hat sich die Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung. "Wir empfehlen vor allem Nahrungsmittel aus Getreide mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen, wie Vollkornbrot, Kleie und selbst gefertigte Müslimischungen, Nüsse, Mandeln sowie viel Obst und Gemüse", rät Professor Koop. Milch- und Fruchtsäure fördern die Darmtätigkeit und sind zum Beispiel in Naturjoghurt oder Äpfeln enthalten.
Bei Patienten, die bisher kaum Vollkornprodukte verzehrt haben, muss sich der Darm erst auf die neue Ernährung einstellen. "Während der Übergangszeit von etwa einer Woche können Blähungen und Leibschmerzen vorkommen", berichtet Professor Koop. "In dieser Zeit sollten Hülsenfrüchte, die Blähungen fördern, nicht auf dem Speiseplan stehen". Wichtig ist, mindestens zwei Liter am Tag zu trinken, insbesondere Früchtetees und Wasser.
Sollte nach einer Therapie erneut eine Entzündung auftreten, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig werden. Denn nach einer Entzündung bleiben Narben zurück, die zur Schrumpfung des Darmes führen können, was den Stuhlgang behindert. Es können Engstellen (Stenosen) bis hin zum Darmverschluss entstehen. Akute Entzündungen können zu schweren Abszessen im Bauchraum führen. Platzen die Blutgefäße an den empfindlichen Stellen im Dickdarm, sind heftige Blutungen im Darm die Folge. Platzt ein entzündeter Darm auf, können sich Infektionen im ganzen Bauchraum ausbreiten und eine eventuell tödliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) auslösen.
Die Entscheidung - Operation ja oder nein - muss für jeden Patienten individuell getroffen werden. Kommt es zu einer zweiten Entzündung des Dickdarms, raten Ärzte eher zu einer Operation, denn im weiteren Verlauf wird die Erkrankung schwerwiegender. Jüngeren Menschen muss oft schon bei ersten deutlichen Anzeichen dieser Erkrankung zur Operation geraten werden, da die Entzündungen heftiger ausfallen. Bei älteren Patienten müssen Lebensalter, allgemeiner Gesundheitszustand und die Schwere der Darmerkrankung berücksichtigt werden. Bei Darmverschluss, Abszess oder Darmdurchbruch kann eine Notfalloperation erforderlich sein. Einen solchen Notfall sollte man nach Möglichkeit vermeiden, Warnzeichen früh erkennen und sich rechtzeitig für einen geplanten Eingriff entscheiden.
Die Empfehlung für oder gegen eine Operation treffen Internisten und Chirurgen im Klinikum gemeinsam. "Durch die enge Kooperation unserer beiden Kliniken können wir sehr gut feststellen, welche Patienten für eine Behandlung mit Antibiotika und eine Umstellung der Ernährung in Frage kommen oder wer sich einem operativen Eingriff unterziehen sollte", betonen Professor Dr. med. Herbert Koop und Privatdozent Dr. med. Martin Strik, Chefarzt der Chirurgischen Klinik, die dazu gemeinsam Beratungen durchführen. "Die Entscheidung trifft natürlich der Patient, dem wir eine gut begründete Empfehlung geben" betonen beide Chefärzte.
Die II. Innere Klinik und die Chirurgische Klinik des HELIOS Klinikums Berlin-Buch bieten bei der Behandlung von Darmerkrankungen seit Jahren ein abgestimmtes Beratungs- und Behandlungskonzept an und arbeiten eng mit den niedergelassenen Ärzten zusammen.
Durch die Entwicklung der minimalinvasiven Chirurgie (MIC, Schlüssellochchirurgie) sind die Eingriffe längst nicht mehr so belastend wie früher. Neben Operationen an der Schilddrüse, Magen, Gallenblase, Leisten- oder Bauchwand führt das Team der Bucher Klinik auch die Beseitigung entzündlicher Darmerkrankungen mit Hilfe der schonenden Operationstechnik durch.
Die erfahrenen Bucher Chirurgen werden unterstützt durch hochmoderne Technik. Die OP-Instrumente und eine nur wenige Millimeter große Videokamera werden über kleine Schnitte in den Bauchraum eingeführt. "Die Kamera überträgt ein vergrößertes Bild auf einen Monitor", berichtet Chefarzt Dr. Strik: "Wir erhalten so ein sehr übersichtliches Operationsfeld". Der problematische Darmabschnitt mit den sackförmigen Ausstülpungen wird entfernt, die Darmenden wieder miteinander vernäht. Auf eine großflächige Durchtrennung der Bauchwand kann verzichtet werden. Die Vorteile für den Patienten sind weniger Schmerzen, geringer Blutverlust, Schonung kleinster Nerven und Gefäße, zeitige Wiederkehr der Körperfunktionen, schnelle Mobilität und Genesung und ein besseres kosmetisches Ergebnis.
Die minimalinvasive Dickdarmchirurgie ist sehr sicher. Komplikationen sind erfreulich selten. Über die Operation und eventuelle Risiken klären die Chirurgen ihre Patienten ausführlich auf.
Dank der schonenden Operationstechnik und dem Rehabilitationskonzept gemeinsam mit unserer Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, die sich im gleichen Haus befindet, dürfen die Patienten schon kurz nach der Operation wieder trinken und essen und können die Klinik in der Regel nach sieben bis zehn Tagen verlassen.
HELIOS Klinikum Berlin-Buch
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